So geht Tarot in 2020 – Modern Witch Tarot von Lisa Sterle

Freund*innen des Tarot, seid ihr bereit für eine neue Deck-Empfehlung? Mit dem heutigen Artikel habe ich ziemlich lange gewartet, weil das Modern Witch Tarot* über Wochen ausverkauft war. Nun scheint sich die Verfügbarkeitslage aber stabilisiert zu haben. Höchste Zeit, euch an meinen Erfahrungen mit dem Deck teilhaben zu lassen!

Tarot ist ja ein komplexes Feld, daher habe ich euch ja schon mal in einem ausführlichen Artikel erklärt, was es beim Kauf zu beachten gilt, beziehungsweise wie ihr das zu euch passende Deck findet. In meinem ganz persönlichen Fall war das bisher das Crystal Unicorn Tarot (das ihr in dem verlinkten Artikel ja auch auf den Bildern seht), und zwar weil ich das Radiant Rider-Waite in a Tin* zum “Reinkommen” genutzt hatte und das Crystal Unicorn sich von der Bildsprache her doch stark an Rider-Waite orientiert.

Falls es euch da genauso geht wie mir und ihr besser mit Decks zurecht kommt, die nicht allzu abstrakt illustriert sind, dürfte meine heutige Empfehlung auch euer Herz höher hüpfen lassen, denn das Modern Witch Tarot* orientiert sich ebenfalls stark an Rider Waite – mit einem sehr wesentlichen Unterschied: Es ist verdammt(!) zeitgemäß. Diese Bonus Karte, die dem Deck beiliegt und die auch die 10 der Schwerter darstellt, zeigt das durch das Handy schon mal sehr schön auf. Aber auch in Kombination mit “Everything is fine” wird schnell klar, dass die Generation Instagram mit dieser Diskrepanz aus Bild und Bedeutung der Karte perfekt eingefangen wurde.

Das Deck ist mit den Illustrationen von Lisa Sterle zweifelsohne in der Gegenwart angekommen, was ohne Frage zur Folge hat, dass auch ich mich mit den Motiven sehr viel besser identifizieren kann als mit dem klassischen Rider-Waite. Das liegt nicht nur an den mobilen Endgeräten, die in diesem Deck genauso präsent sind wie in unserem täglichen Leben, sondern auch an den Klamotten und den Frisuren der dargestellten Personen.

Das Deck ist einerseits sehr körperpositiv und inklusiv, was sich in verschiedenen Körperformen und Hautfarben äußert. Hier ein Beispiel:

Auf der anderen Seite – und da wären wir dann auch schon bei meinem einzigen Kritikpunkt – stellt sich die Frage, wie inklusiv das Deck unterm Strich wirklich ist, da das “klassische männliche Geschlecht” für mein Gefühl gänzlich ausgeblendet wird. Diversität ist auch mir wichtig, aber sollte ein inklusives Deck nicht auch männliche Figuren inkludieren, die “klassisch männliche” Merkmale mitbringen, was beispielsweise Statur, Bartwuchs usw. angeht?

Ich verstehe die Intention. Es ist ein “Modern Witch” Tarot und es soll Frauen empowern, aber es würde mich als Frau auch empowern, wenn es “klassisch männliche Atrribute” nicht gänzlich negiert. Und genau an diesem Punkt stellt sich die Frage, ob ich als heterosexuelle Cis-Frau überhaupt zur Zielgruppe gehöre.

Ich muss mir immer wieder die ursprüngliche Rider-Waite Bebilderung vor Augen führen, um zu checken, wo ein Mann durch eine Frau ersetzt wurde und dadurch unter Umständen die Bedeutung der Karte verändert wird. Wer sich damit aber erstmal zurechtgefunden hat, wird das Modern Witch Tarot* höchstwahrscheinlich heiss und innig lieben. Ich hatte sofort eine Connection zu dem Deck, was immer ein gutes Zeichen ist und finde auch die glatte Haptik der Karten mehr als grandios.

Das zum Deck gehörende Büchlein mit Mini-Deutungen ist zwar nett aufbereitet, ersetzt meiner Meinung nach aber keinen richtigen Tarot Kurs.

Lisa Sterle Modern Witch Tarot Deck

Also: Falls ihr bereit seid für den Transfer von einem divers bebilderten König zu den klassisch männlichen Deutungsattributen, könnte sich das Modern Witch Tarot* auch bei euch dauerhaft ein Plätzchen im Kartenregal sichern.

Give it a try!

Jenny

Ich habe alle Decks selbst gekauft. *Bei den Links zu Amazon handelt es sich um Affiliate Links. Falls ihr eines der Decks über so einen Link kauft, ist es für euch nicht teurer. Amazon beteiligt mich jedoch mit ein paar Cent am Gewinn, was mir letztenendes wieder dabei hilft, I LOVE SPA in diesem Umfang hauptberuflich zu bespielen.