Self Love Sunday #119 – Christine

Als Christines Geschichte zum Self Love Sunday mich erreichte, verstand ich die Welt nicht mehr, weil sie schrieb, dass sie es verstehen könne, wenn ihr Text zu wenig “Self Love” wäre für die Teilnahme an diesem Projekt hier. Aber wisst ihr, was ich glaube? Christine hat das Ding mit der Selbstliebe so viel mehr verinnerlicht als all’ diese Menschen im Netz, die sich für Herzchen und Likes unentwegt inszenieren, aber never ever die Eier(-stöcke) hätten, hier in Badesachen ihre Geschichte zu teilen!

Aber lest einfach selbst:

“Hallo, ich heiße Christine und bin 37 Jahre alt. Bei einer Körpergröße von 1,63m hatte ich immer eher damit zu kämpfen, nicht zu pummelig zu werden.

Ich bin durch Zufall auf I LOVE SPA gelandet und habe danach erst den Self Love Sunday entdeckt. Zunächst habe ich das ganze Archiv durchforstet und mich dann jede Woche auf die neue Folge gefreut. Es war toll, die ganzen Geschichten zu lesen, in denen ich mich auch so oft wiedergefunden habe. Und wie viele haben schon große Schritte in Sachen Selbstliebe gemacht!

Mit Erstaunen habe ich beobachtet, wie schwer es für Jenny ist, neue Beiträge zu bekommen, und so überlegte ich, wie sicher viele andere auch, schon lange, ob ich vielleicht auch mal mitmachen sollte. Einfach nur, damit dieses Mut-mach-Projekt nicht ausstirbt. Aber puh, ist das schwer. Ich hab ja nicht mal einen Bikini. Noch nie besessen.

Bereits mit 3 und 5, noch im Kindergarten, wurde ich zur Kur geschickt, weil ich zu dünn war. Man wollte mir sicher was Gutes tun, mich bisschen aufpäppeln mit der guten Seeluft, aber ich hatte einfach nur Heimweh. Später, als dann bei meinem Mäkel-Mini-Me der Knoten platzte und ich anfing, richtig zu essen, kommentierte das meine damalige Sportlehrerin nach den Sommerferien 3. Klasse mit den Worten: “Na du hast ja ganz schön zugelegt”. Wieder nicht richtig.

Später hatte ich dummerweise Freundinnen, die sich darum battelten, wer in eine 27er oder 26er Jeans passte. Ich guckte an meiner 30/30 Hose runter und empfand mich total unförmig. Irgendwie war immer der Gedanke da, dass ich nicht richtig bin. Ich habe immer gestaunt, wie viel Mühe meine Freundinnen auf ihr Aussehen verwendeten und wie wichtig das augenscheinlich war. Irgendwie war ich anders gestrickt und wollte einfach nur so sein, wie ich bin. Irgendwie hatte ich gehofft, dass das reicht. Aber eine nach der anderen hatte ihren ersten Freund, nur ich nicht. Da war ich mir sicher, dass es an mir liegen musste. Ich war schon damals immer dazwischen hin- und hergerissen, dass ich mich nicht verbiegen und verändern wollte, nur um jemandem zu gefallen, und der totalen Unsicherheit, ob mich dann überhaupt mal irgendwann jemand mögen würde.

Schon meine Mutter hatte in ihrer Jugend mit einer Essstörung zu kämpfen, die sie, selbst heute, nur durch eiserne Selbstdisziplin im Griff hat. Ich wollte nie so werden wie sie. Ich wollte mir nicht ständig alles verbieten. Und so stopfte ich mich eher voll, als dass ich mir alles verbat und habe mir einige ungesunde Essgewohnheiten angewöhnt, wie zum Beispiel Fertigessen und Süßkram nach der Schule zu futtern. Ich habe nie intensiv Sport gemacht, mich einfach natürlich bewegt, aber nicht so, dass es mein Essverhalten aufgefangen hätte.

So nahm ich über die Jahre einfach immer weiter zu. Jedes Jahr ein bisschen mehr. Früher dachte ich oft: Eigentlich erstaunlich, dass ich nicht noch dicker bin, bei dem, was ich so esse, vor allem viel Süßes. Aber irgendwann kam dann doch der Punkt, wo ich es als zu viel empfand. Mit Ende 20 machte ich meine erste richtige Diät über eine Webseite. Maximal 1200 Kalorien am Tag „durfte“ ich essen. Alles wurde notiert. Das war für mich ein ziemlicher Horror. Ich hatte permanent Hunger und hatte an nichts mehr Freude. Aber ich nahm ab.

Ich hatte niemandem davon erzählt, weil ich dachte, dass es peinlich wird, wenn man dann gar nichts sieht. Aber irgendwann sah man es und ich wurde gelobt, und auch das war mir unangenehm. Nach etwa 10 Kilo Abnahme fühlte ich mich ganz fremd in meinem Körper. Ich erkannte mich gar nicht mehr wieder. Ja, das sah schon ganz gut aus, aber ich konnte kein Bierchen mehr trinken, nichts mit Freunden knabbern beim Spieleabend, jede Grillparty wurde zum Graus, weil ich mir nur ein winziges Würstchen „leisten“ konnte. Und so entwickelte ich zu allem Überfluss auch noch die grandiose Taktik des Vollfressens und danach Erbrechens. Das machte ich so lange, bis mir die Haare anfingen auszufallen. Und da war dann endgültig Schluss.

Ich brach das ganze Unterfangen ab und nahm natürlich wieder zu. Irgendwo in der Mitte zwischen Anfangs- und Endgewicht pendelte ich mich allerdings ein. Da merkte ich, dass ich zwar dünner vielleicht vermeintlich besser aussah, aber dass ich dann einfach keine Lebensfreude und keinen Genuss mehr hatte. Seither versuche ich, eine Balance zwischen beidem zu finden und auf mich und meinen Hunger zu hören. Ich stellte irgendwann fest, dass ich zum Beispiel sehr gut ohne Frühstück auskomme, eine Mahlzeit, die ich früher aus purer Gewohnheit zu mir genommen hatte. Dadurch änderte sich einiges an meiner Nahrungsaufnahme.

Dazu kam dann, dass ich erstens einen Mann kennenlernte, der mich mit allen Macken, Röllchen und Dellen toll fand, genauso wie ich war. Für mich ein kleines Wunder. Und dann kam zweitens meine Tochter, und für sie wollte ich auf jeden Fall wenigstens so tun, als wüsste ich, was geregelte Mahlzeiten und ein gesundes Essverhalten sind. Und siehe da: Plötzlich hatte ich geregelte Mahlzeiten und immer etwas Gemüse auf dem Tisch. Ab und zu kommt nochmal der Gedanke auf, mir nach einem zu üppigen Essen den Finger in den Hals zu stecken, aber immer öfter schaffe ich es, einfach “Nein” zu sagen. Du hast es gegessen, du kannst es auch aushalten. Da hat mir ‚Essanfälle Adé‘ ganz gut geholfen, falls ich hier Werbung machen darf. (Anmerkung: Na logo! Olivia, die Autorin des Buches, hat ja sogar selbst schon hier mitgemacht!)

Inzwischen mache ich Sport, wenn ich Bock habe, bisschen Yoga, weil es mir gut tut, gehe schlafen, wenn ich müde bin, esse Salat, wenn mein Körper nach “Gesundem” ruft und esse Schokolade, wenn ich Lust drauf habe.

Es ist ein so langer, schwerer Weg und oft lese ich von Selbstakzeptanz und Selbstliebe und weiß einfach nicht, wie das geht. Ich sehe es nicht! Ich finde nichts an mir schön. Drei Dinge aufzuzählen, die ich an mir schön finde, ohne dass es wie eine glatte Lüge klingt, fällt mir einfach wahnsinnig schwer. Aber vielleicht ist es auch ok, dass ich da noch nicht bin. Ich will aber irgendwann da hinkommen, wenn ich auch noch nicht genau weiß wie. Müsste ich etwas aufzählen, dann wären es vielleicht meine Augen, meine Grübchen und meine Stupsnase. Alles lässt mich jünger aussehen, als ich bin (sieht man auf dem Foto jetzt natürlich nicht so gut). Das ist kein Fishing for Compliments, ich finde mich wirklich einfach nicht schön.

Ich bin noch lange nicht am Ende des Selbstliebe-Weges angekommen. Eigentlich bin ich sogar noch ziemlich am Anfang, aber mir wird immer bewusster, wie viel Lebensqualität es kaputt macht, wenn man sich selbst immer nur doof findet. Ich habe es einfach satt, diese ganzen Selbstzweifel, diese Stimmen im Kopf, dieses ganze negative Mindset und der mehr als kritische Blick in den Spiegel. Ich will das nicht mehr.

Ich brauche nach wie vor sehr viel Bestätigung von außen, dass ich ok so bin, wie ich bin. Vielleicht tröpfelt ja davon doch mal irgendwas in meinen Kopf. Und vielleicht sehe ich es ja auch irgendwann selbst. Am besten wäre es natürlich, ich würde einfach für das gemocht werden, was ich mache und wie ich so bin, sodass Aussehen einfach keine Rolle spielt. Aber Ausstrahlung hängt natürlich stark damit zusammen, wie man sich selbst sieht. Das habe ich inzwischen auch verstanden.

Ich habe auf jeden Fall keine Lust, wie meine Mutter mit über 60 immer noch dazusitzen und mir Gedanken über meinen dicken Bauch zu machen. Das ist so lästig. Das muss doch irgendwann mal aufhören! Und dafür mache ich hier heute mit. Damit das irgendwann mal aufhört.”

Von Herzen DANKE an Dich, liebe Christine, für diese unglaublich kraftvolle Message, die meiner Meinung nach verdammt “Self Love” ist.

Wollt auch ihr diese Welt zu einem besseren Ort machen und ein Zeichen setzen für Körperakzeptanz? Wollt ihr selbst mitmachen beim Self Love Sunday, Teil des Projekts werden und der Welt da draussen zeigen, wie echte Körper aussehen und wie facettenreich Schönheit ist? Ich bin ganz dringend auf weitere Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann! Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Und eine Facebook Gruppe gibts auch!

Let’s spread some Self Love!