Restorative Yoga bei Lorna Neuber in Berlin

Die letzte Woche verlief ganz nach meinem Geschmack. Neben einer neuen Podcastfolge zum Thema “Schlafen” habe ich nämlich zum ersten Mal “Restorative Yoga” ausprobiert. (Ich schreibe ganz bewusst nicht “restoratives” Yoga, weil man es wohl immer englisch ausspricht). Und übersetzt heisst das so viel wie “erholsames” oder “stärkendes” Yoga.

Wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, habe ich keine Sekunde gezögert, als die Email von Lorna mit der Einladung zu einer Restorative Privatstunde mich erreichte. Und schwupps waren wir auch schon verabredet. Lorna ist in mehreren Berliner Yogastudios zugegen. Meine Stunde fand bei Me Myself and Yoga in Steglitz statt, aber im Nachhinein würde ich fast sagen, dass ihr Lorna für so eine Privatstunde besser zuhause bucht.

In meinem Fall kamen nämlich etwa drölfzigtausend Decken und Yogablöcke zum Einsatz und wenn ihr sowas dann zuhause nachmachen wollt, kommt ihr schnell an eure Grenzen. Wenn ihr Lorna aber gleich zuhause bucht, positioniert und unterlagert sie euch vor Ort mit dem Zeug, das euch zur Verfügung steht und ihr könnt das dann viel besser nachmachen. Denn das ist (zumindest für mein Verständnis) das Ziel der ganzen Sache.

Als ich an einem kalten Herbstnachmittag bei Me Myself and Yoga über die Schwelle stolpere, liegt bereits ein ziemlich wilder, hektischer und turbulenter Tag hinter mir. Ein totales Chaos aus Telefonaten, einer Deadline und Paketzustellern, die nicht tun, was das Online Tracking sagt. Als Lorna mich herzlich begrüßt, denke ich mir, dass es wohl keinen besseren Zeitpunkt für unser Treffen geben könnte als genau hier und genau jetzt. Und so viel vielleicht schon mal vorab: Mit dieser Vermutung sollte ich recht behalten.

Ich schlüpfe erstmal in Yogaklamotten, wie ich sie auch beim Yin Yoga tragen würde. (Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit meiner Leser*innen im Gegensatz zu den Yogis und Yoginis auf Instagram sowieso nicht halbnackt Yoga übt, aber beim Restorative Yoga könnt ihr euch ruhig ganz bewusst nochmal ein bisschen kuscheliger einpacken als bei aktiveren Yogageschichten.)

Dann führt Lorna mich in den Raum, in dem sie in den kommenden 60 Minuten nur für mich da ist, und türmt Unmengen an Decken und Blöcken neben meiner Matte auf. Ich staune nicht schlecht. Lorna erklärt mir, dass ich für Restorative Yoga keine Kraft benötige und dass der ganze SPAss ohne Muskelanspannung auskommt. Klingt entspannt und somit schon mal sehr sympathisch. Nachdem Lorna sich nach meinem Befinden erkundigt und mir entlockt hat, dass ich mich an einem der letzten Tage meiner Menstruation befinde, stellt sie im Handumdrehen ein individuelles Programm für mich zusammen, das aus drei Haltungen besteht. Ja, ihr habt richtig gelesen. Drei Haltungen in  60 Minuten.

Und dann gehts auch schon los mit der ersten davon. Hier liege ich auf dem Rücken und meine Beine ruhen angewinkelt auf einem Stuhl. Meine Arme sind nach seitlich hinten oben abgelegt und ich bin überall bequem unterlagert. Der Kopf befindet sich in dieser Haltung tiefer als das Herz und ich muss im Folgenden nichts, aber auch rein gar nichts, tun. Nicht mal eine bestimmte Atemtechnik anwenden. Ich darf einfach nur abhängen. Wie großartig ist das bitte? Dass Lorna während dieses Abhängens mit im Raum ist, fühlt sich kein bisschen schräg an. Sie sagt auch manchmal smarte Dinge, die für noch mehr Entspannung sorgen und mir gleichzeitig das Gefühl geben, dass ich hier gerade nicht meditieren muss.

So eine Restorative Haltung dauert länger als Yin Yoga Asanas. Und ich finde es total beeindruckend, wie unterschiedlich sich mein Körper nach 5, 10 oder 15 Minuten anfühlt. Wie lange es wirklich dauert, bis einige Muskeln aufhören, festzuhalten. Und wie sich mein Körpergefühl (vor allem im Schulter-Nacken Bereich) im Lauf der Zeit verändert.

Nach dieser ersten Haltung folgt ein Twist, bei dem Lorna mich leicht verdreht in einer schrägen Bauchlage positioniert. Und auch hier bemerke ich sukzessive, wie einzelne Muskelgruppen nach und nach loslassen, weil sie checken, dass nichts mehr gehalten werden muss. Es ist wirklich sehr erfrischend, einfach mal nur sein zu dürfen. Hier abzuhängen, ohne irgendwas tun zu müssen. Diese Haltung dauert nicht ganz so lange wie die erste, weil sie auch nochmal zur anderen Seite ausgeführt wird. Ich liebe Twists ja sehr und weiss schon jetzt, dass ich versuchen werde, diese Position zuhause nachzubauen.

Last but not least positioniert Lorna eine Vielzahl an Yogablöcken und leitet mich dann Step by Step an, mich darauf abzulegen. Ich befinde mich am Ende also in einer Rückenlage, die ausschliesslich von Yogablöcken gehalten wird und bei der ich keinerlei Kontakt zum Fußboden mehr habe. Wie ich später erfahre, gibt es wohl Menschen, die das nicht so hart feiern wie ich, aber ich hätte noch ewig so liegen bleiben können und kann es nicht fassen, dass soeben 60 Minuten an mir vorbeigerauscht sind! Ich hätte wetten können, nicht länger als 5 Minuten in jeder der drei Positionen verbracht zu haben. Da hat es mir also einfach mal knallhart das Zeitgefühl zerschossen.

Verglichen mit meiner Ankunft ist es ganz erstaunlich, wie viel ruhiger, gelassener und geerdeter ich das Studio wieder verlasse. “Abhängen” klingt so banal, aber Lorna hat hier und heute wirklich einen Raum mit den für mich perfekten Übungen kreiert, in dem ich einfach mal nur 60 Minuten abhängen konnte. Und ich behaupte jetzt einfach mal: Wenn ihr Yin Yoga liebt, werdet ihr Restorative Yoga feiern!

Eine Einzelstunde bei Lorna beläuft sich auf 90€ (Stand: November 2019). Falls Einzelunterricht nicht so euer Ding ist oder ihr einfach mal ein bisschen reinschnuppern wollt, könnt ihr aber auch einen von Lornas zweistündigen Restorative Yoga Workshops besuchen. Hier seid ihr preislich mit 25-30€ dabei (Stand: November 2019).

Also: Worauf wartet ihr noch? Ich kenne niemanden, der oder die sowas nicht gebrauchen könnte – vor allem in der bevorstehenden Weihnachtszeit, in der die Menschheit ja gerne mal abdreht.

Daher: Alle hin da! Und Happy Relaxation!

Jenny

Ich wurde von Lorna eingeladen. Diese Tatsache hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine Empfehlung. Ich empfehle euch hier nur Studios, die mich überzeugt haben – ganz unabhängig davon, ob ich selbst dafür bezahlt habe oder eingeladen wurde. Was mich nicht überzeugt, taucht nirgendwo auf.