Self Love Sunday #113 – Erika

Ich schwöre euch, ich hatte das Projekt letzten Sonntag bereits innerlich beerdigt. Was für eine wilde Achterbahnfahrt! Und hallo Erika!

“Hallo du wundervoller Mensch, mein Name ist Erika, bin 27 Jahre jung und ich arbeite als Massagetherapeutin, Entspannungstherapeutin und ganzheitliche Ernährungsberaterin.

Bei mir fing alles damit an, als meine Familie aus Kasachstan nach Deutschland gezogen ist. Ich war 2 Jahre jung. Meine Eltern lebten auf einmal in Hülle und Fülle (was die Nahrungsmittelaufnahme anging) und die Werbungen im Fernsehen sagten, dass dies und jenes super für das Kind sei, dazu kommt dass die russische Küche auch nicht die fettärmste ist…dennoch, mega lecker.

Also wurde ich von Jahr zu Jahr immer fülliger, bis mein Kinderarzt zu meinen Eltern meinte: “Das Kind ist zu dick, es muss abnehmen.”

Es gab Diätshakes, Tee, Eier, nur eine Scheibe Brot mit Quark…wenn ich an diesen Ernährungsplan zurück denke, mit meinem heutigen Wissen (ich arbeite auch viel mit Kindern zusammen), denke ich mir „What the Hell?“ Kein Kind nimmt freiwillig und mit Lust auf diese Art und Weise ab. Daraufhin folgten Jahre mit Diäten, Sport, Zunehmen, Diäten…denn ausschließlich mit einem Ernährungsplan verstehst du die Materie nicht, weshalb dein Essverhalten so ist wie es ist. Diese Erkenntnis hat mich geprägt.

Ich bin schon vom Körperbau her kräftig und muskulös.

Ich könnte also nie zierlich und zart sein. Mein Bindegewebe ist stark und ich baue schnell Muskeln auf. Früher habe ich es gehasst…wirklich. Ich habe sehr kräftige Waden, ich hab sehr kräftige Beine…früher war ich immer die Größte im Kindergarten und in der Schule. Riesenbaby war mit das “süßeste”, was ich zu hören bekommen habe. Beim Sportunterricht wurde ich fast immer als Vorletzte gewählt, wobei ich schon früher Sport und Bewegung sehr geliebt habe. Also dachte ich dann eine Zeit lang: “Ich bin eh nicht sportlich:”

Gedankenwelt an: “So kräftige Waden und Beine und dann noch so groß…ist doch nicht weiblich…ich will zierlich und schlank sein. Will nicht auffallen…Frauen sind doch zierlich und zart, oder? Und Männer mögen doch zierliche, zarte und schlanke Frauen, oder?” Meine Augen sind klein und mandelförmig und wenn ich aus tiefstem Herzen lache, was sehr oft passiert, I love it, dann verschwinden diese mal und formen sich zu 2 kleinen Strichen in meinem Gesicht…und Sätze wie: “Kannst du dann überhaupt noch was sehen, wenn du lachst” oder “Wo sind deine Augen hin? Beeinträchtigen deine kleinen Augen auch dein Sehvermögen” etc. WTF? Klar, dass man dann schöne, große Augen haben möchte…geht aber nun mal leider nicht so leicht. Damn! Und was passierte? Eine Zeit lang verzichtete ich sogar darauf, zu lachen, damit meine Augen nicht wieder „klein wirken“. In meinen Augen war ich alles andere als weiblich.

Dabei reden wir von einem Alter zwischen 13 bis 19 Jahren.

Ab meinem 20. Lebensjahr fing mein Herz und mein Verstand an, mir zu sagen, dass diese Art zu Denken doch Bullshit sei. Wer hat das Recht, über meinen Körper zu urteilen? Wer hat das Recht, meinen gesunden, wohlgeformten Körper so schlecht zu reden, sodass sich meine Seele mies fühlt?

Ich bin so wie ich bin. Ja, ich habe kleine Mandelaugen, ja ich habe eine kräftige Statur und ja, ich liebe es verdammt nochmal zu lachen!!!

Und somit begann die Selbstliebe-Reise…und diese Reise ermöglichte es mir, mich aus meinem Käfig zu befreien. Was für ein geiles Gefühl, nicht mehr 1000 mal darüber nachdenken zu müssen, was andere über mich denken. Was für ein freies Gefühl, einfach direkt nach dem Aufstehen ohne Make up aus dem Haus zu gehen, um Luft an die Haut zu lassen. Was ein unendlich friedliches Gefühl, mich selbst annehmen zu können und zu lieben!

Oktober 2019, es gibt immer mal Momente, wo mein Verstand mir ein paar Streiche spielt und meine Gedanken kreisen lässt. Jedoch ist das dann für mich zu einem Zeichen geworden, das ich im Moment in einer Dysbalance lebe. Und diese Erkenntnisse erleichtern es mir, wieder zu mir zu finden. Ich frage mich dann immer: “Warum empfinde ich gerade so?” Mit dieser Selbstreflexion falle ich nicht mehr in einen Teufelskreis. Gerade das Wort Selbst-bewusstsein, ist für mich mehr als nur „Ich fühle mich schön und gehe auf andere Menschen offen zu“. Je mehr ich mir meiner Selbst bewusst bin, desto mehr liebe und wertschätze ich mein Sein.

Mir haben Meditation, Stille, Achtsamkeitsarbeit, Klangschalenarbeit, das Hinterfragen meiner Emotionen und Handlungen unheimlich viel geholfen. Rituale zu schaffen, sich bewusst Zeit zu nehmen, um Dinge zu tun, die man machen will.

Ich bin Ich…Du bist Du…und keiner hat das Recht, dich zu beurteilen. Meine Lieblingsgeschichte dazu: Geschichte vom goldenen Buddha.

Wir alle lassen uns mit so viel Bullshit zumüllen, dass wir unser ganzes Strahlen, unsere Liebe, unser Licht mit einer fetten Schicht aus Lehm verhüllen (ähnlich der Geschichte goldener Buddha). Wir vergessen, wer wir sind und vor allem, warum wir sind.

Meine Message an dich: Du bist wundervoll, weil du ein Wunder bist. Du darfst dich lieben, weil du Liebe bist. Du darfst dich annehmen, um Frieden mit dir zu schließen. Dieses Gefühl von Frieden in dir…unendlich.

Was ich an mir liebe? Meine Augen, meinen gesunden Körper und mein offenes Herz.

Herz zu Herz, Erika”

Von Herzen DANKE an Dich, liebe Erika! Für das Teilen Deiner Geschichte und für das Fortführen des Projekts. Mir wurde beim Lesen einmal mehr klar, wie beliebig Body Shaming ist. Ich selbst habe eher große Augen und auch das wird kommentiert. “Mach’ nicht so große Augen”, “Schau’ nicht wie Bambi” – die Liste ließe sich unendlich fortführen. Wäre es nicht wunderbar, wenn wir alle aufhören würden, das Aussehen anderer Menschen unentwegt zu bewerten und zu beurteilen?

Jede*r Einzelne von uns hat es in der Hand. Wollt auch ihr diese Welt zu einem besseren Ort machen und ein Zeichen setzen für Körperakzeptanz? Wollt ihr selbst mitmachen beim Self Love Sunday, Teil des Projekts werden und der Welt da draussen zeigen, wie echte Körper aussehen und wie facettenreich Schönheit ist? Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Und eine Facebook Gruppe zum Projekt gibts auch.

Let’s spread some Self Love!