Self Love Sunday # 112 – Katja

Freund*innen der Körperakzeptanz, es sieht ganz so aus als wäre das hier und heute die letzte Folge des Projekts, denn nach meinem Shoutout am vergangenen Sonntag (das sehr viele Menschen gelesen haben), erreichte mich nur eine einzige Geschichte.

Und es ist auch das erste Mal, dass ich Größen- und Gewichtsangaben vor der Veröffentlichung nicht aus dem Text entferne. Normalerweise tue ich das, weil diese Zahlen viele von euch triggern. Heute möchte ich sie jedoch ganz bewusst im Text belassen, um darauf aufmerksam zu machen, wie absurd und willkürlich hier stumpfsinnige Empfehlungen verteilt werden. Aber erstmal Vorhang auf für Katja und ihre Geschichte:

“Hi, mein Name ist Katja,

ich bin Physiotherapeutin im Grundberuf. Zeitnah nach der Ausbildung hatte ich immer mehr das Gefühl, dass viele Probleme/Blockaden/Symptome noch zusätzliche Ursachen haben neben rein physischen. Also habe ich ein Studium für Erwachsenenbildung/Pädagogik mit Schwerpunkt Gesundheitsförderung angeschlossen und mich in allen möglichen Bereichen der Prävention und Beratung weitergebildet, um dem beruflichen Zielgebiet der ganzheitlichen Gesundheitsförderung nahezukommen. Diese Erfahrung hat meinen Blick auf körperliche Probleme/Unzufriedenheiten/Belastungen im Zusammenhang mit psychischen Mindsets/Einflüssen von außen/Glaubenssätzen stark geprägt. Das eine gibt es nicht unabhängig vom anderen.

Ich mache ab und an viel Sport, ab und an weniger. So wie es meine körperliche und psychische Verfassung zulassen und von mir einfordern. Ich bin ein Mensch mit großem Bewegungsdrang. Allerdings gibt es immer wieder Phasen, in denen das zu kurz kommt weil ich anderen Themen Vorrang gebe. Das merke ich dann auch relativ schnell daran, dass ich nicht ausgeglichen bin weil mir der Spaziergang unter Bäumen, die Luft zum Atmen beim Lauf in der Natur oder die innere Ruhe nach einer Stunde Yoga fehlt. Aber so ist das nun mal. Ich versuche dann meist, gnädig mit mir zu sein und genau drauf zu sehen, was denn wirklich gerade ansteht. In Kopf, Körper, Herz und Seele.

In meiner Familie und in meiner Schulklasse waren Diäten vor allem unter Mädchen/Frauen ein häufig präsentes Thema. Dadurch, dass ich allerdings als Jugendliche im Sport gut und wertschätzend angebunden war, bin ich da glücklicherweise unbeschadet dran vorbei gesegelt. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Ich bin im Großen und Ganzen mit meinem Körper sehr zufrieden und weiß, dass ich damit großes Glück habe. Allerdings ertappe ich mich dennoch ab und an dabei, zu zweifeln und mich verunsichern zu lassen. So zum Beispiel in dieser Situation:

Ich habe vor kurzem bei einem neuen Arbeitgeber angefangen und musste zur Betriebsärztin. Sie sah meinen ausgefüllten Fragebogen durch auf dem all meine gesundheitlichen und körperlichen Daten von mir eingetragen waren. Unter anderem stand da: Größe 1,62 m, Gewicht 61 kg.

Sie nahm auf wenig Bezug und sagte mir in den ersten Sätzen, dass mir angesichts meines beruflichen Hintergrunds ja bestimmt klar sei, dass ich mindestens 5 kg abnehmen müsste. Ich war  trotz meiner Zuversicht und Zufriedenheit mit meinem Körper entsetzt und kurz verunsichert. Es ergab sich eine lange Diskussion darüber, weshalb sie mich hierzu auffordert (ihre Antwort: MAN sagt doch, Frauen sollten ein Gewicht von Körpergröße Minus 100 Minus 10 Prozent haben.) eine Antwort auf meine Frage, wer denn bitte MAN sein oder eine andere medizinisch sinnvoller Erläuterung benannte sie nicht.

Die Diskussion ging weiter darüber, dass Bemerkungen dieser Art Frauen und Männer, die komplett gesund, und in meinem Fall sogar mittig im BMI Normbereich und sportlich aktiv sind, total aus der Bahn werfen und das eigene Körperbild komplett in Frage stellen lassen können. Und somit auch Probleme hervorrufen können, die vorher gar nicht da waren.

Vor allem bei Aussagen wie diesen von medizinischer Seite.

Wir sind uns nicht einig geworden. Das finde ich im Nachhinein immer noch unglaublich. Und ein Zeichen dafür, dass sich etwas ändern muss in den Köpfen.

Denn unser Körper trägt uns durchs Leben. Er leistet unglaublich viel. Hält uns zusammen wenn wir innerlich fast zerbrechen, kann in bestimmten Lebenslagen auf Hochtouren laufen, hält es aus wenn wir ihn mal vernachlässigen, verzeiht so viel und erholt sich wieder nach schlimmen Strapazen. Dafür braucht er aber auch Essen, Pflege und Entspannung. Und er darf/muss dabei auch wandelbar sein, ohne in ein bestimmtes Maß gesteckt zu werden, das von außen diktiert wird.

Ich wünsche mir, dass wir alle etwas liebevoller und auch entspannter mit unseren Körpern umgehen, egal was das Außen sagt. Einfach mal im Geiste den Mittelfinger heben, wenn jemand meint, sich ein Urteil über meinen Körper erlauben zu dürfen, versuche ich nun in solchen Fällen zu 100 % zu etablieren. Auch wenn ich mich nicht jeden Tag körperlich megagut finde. Ich glaube auch das gehört dazu.

Ein liebevoller und pflegender Umgang mit diesem leistungsstarken und nachsichtigen Vehikel, das mich durch die oftmals anstrengende Welt bugsiert, scheint mir am wichtigsten.

Achso, ja, und was ich an mir mag:

Mein Lachfalten, meine Brüste, meinen Po und die aus beidem letzteren entstehenden Proportionen.”

Von Herzen Danke an Dich, liebe Katja! Auf der einen Seite bin ich maßlos empört über die Reaktion der Ärztin. Auf der anderen Seite durfte aber auch ich schon Bekanntschaft mit einer Ayurveda Ärztin machen, die mir zu mehr Sport riet, weil mein Gewebe sich anfühlt “wie Wackelpudding”.

Wir landen auch nach 112 Folgen immer wieder beim selben Punkt: Die Welt wäre eine bessere, wenn sich jede*r nur noch um seinen/ihren eigenen Scheiss kümmert.

Und jetzt, liebe Leute, ist es an euch, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Denn ihr habt es in der Hand, ob der ganze SPAss hier weitergeht oder zum kommenden Sonntag eingestellt wird. Wollt ihr mitmachen beim Self Love Sunday, Teil des Projekts werden und der Welt da draussen zeigen, wie echte Körper aussehen und wie facettenreich Schönheit ist? Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Und eine Facebook Gruppe zum Projekt gibts auch.

Let’s spread some Self Love!