Die 3 schlechtesten, gut gemeinten Ratschläge zum Self Love Sunday

Liebe Leute, es gibt keine weiteren Teilnehmer*innen für den Self Love Sunday mehr und ich bin händeringend auf Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann! Mit jedem Shoutout erreichen mich allerdings auch immer wieder die gleichen gut gemeinten Ratschläge, die ich im Folgenden mal zusammenfassen möchte, weil sie das Projekt für mich noch ein bisschen anstrengender machen, als es eh schon ist.

1 Schau mal, Magazin X, Promi Y oder Influencer Z hat sich *hier* (Link) körperpositiv geäußert. Texte die doch mal an!

Körperakzeptanz und Selbstliebe sind Themen, die stark trenden. Und natürlich nutzen das auch Menschen aus, die vielleicht bis vor kurzem noch sehr konträre Impulse ausgesendet haben. Das beste Beispiel hierfür ist vermutlich eine Fitness Influencerin, die dann plötzlich den 180° Move zur Selbstliebe hingelegt hat, weil sie mit der Kontrolle, die ihr bisheriger Lifestyle erforderte, nicht mehr zurecht kam. Ich weiss nicht, wie viele von euch mich schon darauf hingewiesen haben, ich möge sie doch mal antexten, weil sie doch super zum Self Love Sunday passt.

Irgendwann habe ich es dann auch tatsächlich getan. Und es hat mich nicht wirklich verwundert, dass ich nie eine Antwort erhalten habe. Zumal es dort mittlerweile auch nicht mehr um Selbstliebe, sondern um das nächste Trendthema “Nachhaltigkeit” geht.

Es ist ganz wichtig, zwischen einer echten Haltung radikaler Körperakzeptanz und inszenierter Körperakzeptanz (weil hip und trendy) zu unterscheiden. Das gilt auch für Promis und Magazine.

Das beste Beispiel hierfür ist der Artikel Eben doch ein ganz normales Frauenmagazin – Warum ein Fat Suit nichts mit Körperakzeptanz zu tun hat, den ich Anfang des Jahres geschrieben habe. Und auch Autor*innen, die zusammen mit Verlagen Bücher zum Thema “Körperakzeptanz” rausbringen, vertreten nicht automatisch eine radikal körperpositive Haltung. Ausnahmen bestätigen glücklicherweise die Regel, aber diese Ausnahmen machen dann wie Olivia oder Moritz in der Regel auch selber mit.

Also: Nicht überall, wo Körperakzeptanz draufsteht, ist auch Körperakzeptanz drin. Wenn man mal genauer hinschaut, erkennt man auf den zweiten Blick nicht selten auch sehr restriktive Ansätze in Sachen Ernährung oder Bewegung im Feed.

2. Warum veröffentlichst Du denn nicht einfach immer nur dann, wenn es Teilnehmer*innen gibt? Es muss doch nicht jeden Sonntag eine Folge online gehen!

Radikale Körperakzeptanz ist nichts, was sich mal eben so verselbständigt. Würde es um Intermittierendes Fasten und Gewichtsreduktion gehen (mit Vorher/Nachher Bildern und all’ dem Quatsch) würden mir die Freiwilligen vermutlich die Bude einrennen. Das entspricht aber nicht meiner inneren Wahrheit. Genauso wenig wie Feminismus ein Thema ist, das sich mal eben so easy peasy gegen das Patriarchat durchsetzt, ist auch Körperakzeptanz die Bewegung einer absoluten Minderheit, gemessen an der milliardenschweren Diätindustrie, die dem gegenüber steht und die ohne unsere Komplexe und Minderwertigkeitsgefühle nicht funktionieren würde.

Fakt ist: Wenn ich euch nicht immer wieder mit meinen Shoutouts nerve, wird niemand mehr mitmachen. Ich gebe sehr viel Energie in den Self Love Sunday rein, die in Form von weiteren Folgen am Ende wieder rauskommt. Ich kann mir vorstellen, dass das bisweilen sehr verzweifelt und überzogen rüberkommt, aber mir den Rat zu erteilen, einfach mal einen Gang runter zu schalten und nur noch Geschichten zu veröffentlichen, wenn sie mir wie von Zauberhand von alleine in die Inbox flattern, wird dazu führen, dass das Projekt versiegt. Und damit auch die wichtige Message, die es transportiert.

Außerdem würde ein sporadisches Veröffentlichen nicht mehr die Reichweite erzeugen, die der Self Love Sunday aktuell hinlegt. Viele steuern I LOVE SPA sonntags direkt an, um die neue Folge zu lesen. Und wer das zwei oder drei mal macht und keine neue Geschichte findet, wird die URL am vierten oder fünften Sonntag höchstwahrscheinlich nicht mehr aufrufen. Und bei allem, was ich tue, liegt mir eine maximale Reichweite bei diesem Projekt besonders stark am Herzen.

3. Ich würde ja mitmachen, aber nicht im Bikini. Warum muss es ein Bikini Bild sein?

Als ich das Projekt gestartet habe, habe ich mich für Badesachen entschieden, weil es hier ja eigentlich um Spas und Wellness geht. Das schien mir auch sehr viel geeigneter als Unterwäsche, weil Unterwäsche häufig latent sexualisierte Vibes versprüht. (Und hey, es ist Unterwäsche. Das ist gelegentlich ja auch ihr Job!) Dabei muss es nicht zwingend ein Bild im Bikini sein. Ein Badeanzug geht auch voll klar und davon haben ja auch einige Teilnehmerinnen bereits Gebrauch gemacht.

Das Ding ist halt nur: Wenn ich echte Körper sichtbar machen will, dann funktioniert das nicht so gut, wenn ich sie verhülle. Ich lehne jedes Foto ab, das auch nur ansatzweise sexualisiert wirkt, denn das ist keineswegs der Sinn und Zweck des Projekts. Im Gegenteil. Ich würde es begrüßen, wenn Nacktsein oder ein Körper in Badesachen und Sexualität nicht vermischt werden. Das ist by the way auch ein großes Problem für alle Beteiligten in Spas. Vielleicht ist mir das daher besonders wichtig.

Ich weiss, dass in den Köpfen vieler Menschen (vorzugsweise Frauen) Gedanken rumschwirren wie “Es darf keine Bikini Fotos von mir im Netz geben. Das macht man nicht. Das ist ordinär. Am Ende holt sich da noch wer einen drauf runter” und natürlich kann ich nicht garantieren, dass das letztenendes niemand tut. Allerdings gibt es im World Wide Web Fotos, die sich dafür sehr viel besser eignen als die abstrahierte und unsexualisierte Darstellung erwachsener Körper im Rahmen eines Körperakzeptanz Projekts.

Außerdem könnt ihr euch das Schild auch vors Gesicht halten und eure Geschichte anonym teilen. Und falls ihr Tattoos habt, anhand derer ihr nicht erkannt werden wollt, druckt euch das PDF doch einfach noch ein zweites Mal aus und bedeckt auch das Tattoo! Es geht nicht darum, dass man euch erkennt. Es geht darum, dass wir die Gesellschaft mit dem Anblick realer Körper konfrontieren, damit endlich ein längst überfälliger Shift stattfindet!

Entspann’ Dich. Lass es los. Geh’ mal mehr ins Yin.

Auch solche Ratschläge erreichen mich bisweilen. Und nein, ich denke, die Energie aus dem Projekt rauszunehmen und euch nicht mehr auf jedem mir zur Verfügung stehenden Kanal mit Shoutouts zu nerven, würde keineswegs dafür sorgen, dass es von alleine durch die Decke geht und zum Selbstläufer wird.

Das Problem ist nur: Ich habe es nicht alleine in der Hand. Damit der Self Love Sunday weiterläuft, bin ich auf die Teilnahme weiterer Freiwilliger angewiesen.

Was ihr ganz konkret tun könnt, damit es weitergeht:

1. Ihr wolltet schon immer mitmachen und dachtet bisher bei jedem Shoutout “Ja, ich muss mir das PDF mal ausdrucken und mich ransetzen”? Dann wäre GENAU JETZT der perfekte Zeitpunkt, um Nägel mit Köpfen zu machen!

2. Ihr kennt jemanden, dem oder der ihr die Teilnahme am Projekt zutraut? Dann leitet der betreffenden Person gerne den Link zur Teilnahme weiter!

3. Aber auch wenn eine Teilnahme für euch selbst nicht in Frage kommt und ihr niemanden kennt, dem ihr das zutraut, würde es sehr helfen, wenn ihr mein Shoutout auf einem Social Media Kanal eurer Wahl, liked, kommentiert oder teilt, damit es mehr Menschen (und somit auch mehr potentielle Teilnehmer*innen) erreicht.

Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme!

Ich danke euch von Herzen.

Jenny