Was ist mit Food ‘n’ Love passiert?

Heute möchte ich eine Frage beantworten, die mich seit Monaten immer und immer wieder erreicht:

“Jenny, was ist mit Moritz und Food ‘n’ Love passiert?”

Vor ziemlich genau 4 Jahren habe ich Moritz’ Buch rezensiert. Daraufhin haben wir uns digital vernetzt und als Moritz einige Monate später in Berlin war, haben wir uns zum ersten Mal offline auf einen Kaffee getroffen und schnell war klar, dass wir volle Kanne auf einer Wellenlänge sind.

Bei einem zweiten Treffen fragte Moritz mich, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm zusammen einen Online Kurs zu machen und weil mein Bauchgefühl sofort zustimmte, sagte ich “Ja”, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken.

Ich flog nach Indien (wo Moritz damals noch lebte) und wir drehten in 10 Tagen einen kompletten Videokurs ab – indisches Hupen im Hintergrund und glänzende Gesichter vor der Kamera (die Hitze, die Hitze) inklusive. Der 6-monatige Kurs beschäftigte sich intensiv mit den folgenden Themen:

  • Diäten
  • Ernährungskonzepte
  • Unsere Vorstellung von einem gesunden Körper
  • Unsere Vorstellung von einem schönen Körper
  • Essensrestriktionen und -einschränkungen
  • “Gesundes” Essen und “Ungesundes Essen”
  • Heißhunger
  • Emotionales Essen
  • Bewegung und Sport
  • Partnerschaft
  • Deine körperliche Gesundheit
  • Deine mentale Gesundheit
  • Dein Umgang mit anderen Menschen
  • Klassische Medien und Social Media
  • Gespräche über Essen
  • Kleidung und der Kauf von Kleidung
  • Dein Kleiderschrank
  • Scham und Verletzlichkeit

Der Kurs hatte zum Ziel, den Teilnehmer*innen wieder zu einem sorgenfreien Umgang mit Essen ohne Gesundheits- und Abnehmgedanken zu verhelfen. Denn kaum jemand ist in Sachen Nahrungsaufnahme wirklich noch mit den ureigenen Bedürfnissen connected. Das Bauchgefühl wurde von der Diätindustrie plattgemacht und kaum jemand isst wirklich noch “intuitiv”.

Der Kurs wurde auch angenommen. Dass parallel dazu über eine junge, ultradynamische Frau ein Abnehmprogramm als “intuitives Essen” verkauft und an das “Wohlfühlgewicht” appelliert wurde, hat es zwar nicht unbedingt leichter gemacht, war aber unterm Strich egal, weil es bei Food ‘n’ Love nie ums Abnehmen ging.

Wir durften dann aber schnell feststellen, dass der Großteil der Menschheit eben sehr wohl abnehmen will. In einer Kultur, in der Instagram Sternchen appetitzügelnde Lollies promoten und fit & healthy (= schlank & trainiert) als das erstrebenswerte Ideal gilt, ist es ein sehr nervenaufreibendes Unterfangen, einen Online Kurs anzubieten, in dem es um Loslassen, Reflexion und Selbstannahme geht.

In meinem ganz konkreten Fall führte das dazu, dass ich mich so richtig aufgerieben habe an dieser ganzen Thematik. Da ich selbst noch nie eine Diät gemacht hatte, sah ich mich durch Food ‘n’ Love erstmalig so richtig mit der ganzen Tragweite dieses Ernährungswahnsinns konfrontiert. In dieser Zeit entstanden viele Artikel, in denen ich versucht habe, Menschen auf diesen Irrsinn aufmerksam zu machen.

Hier ein paar Beispiele:

Warum Fitnesswahn und Diäten nicht zu einem glücklichen Leben führen

Liebe Deinen Körper und mach’ keine Diäten, aber iss’ gesund und mach’ Sport!

Selbstliebe ist die neue Diät

Wir sind so viel mehr als unser physischer Körper – Let’s talk about: Gesundheit

Das große Ernährungs Bullshit Bingo

Nun ist es bei mir so, dass ich mich aus der Empörung heraus motivieren kann. Außerdem war ich an das digitale Arbeiten und eine gewisse Präsenz in den sozialen Medien bereits gewöhnt. Moritz hingegen stellte zunehmend fest, dass ihn die digitale Dauerpräsenz in Kombination mit diesem schwer zu vermarktenden Produkt nicht so richtig glücklich machte.

Wir eierten eine ganze Weile rum, denn wir finden beide bis heute, dass wir ein richtig gutes Produkt kreiert haben. Aber oberste Priorität war und ist immer, dem eigenen Herzen zu folgen und Konsequenzen zu ziehen, wenn das, was man gerade tut, nicht mehr der inneren Wahrheit entspricht.

Durch unsere Arbeit an diesem gemeinsamen Projekt wurden wir auch Freunde und ich sah mich an einem Punkt, an dem mir die Freundschaft wichtiger war als unser Kurs.

Deshalb arbeitet Moritz heute wieder als Lehrer für Biologie und Chemie. So ganz ohne Rumgehampel auf Social Media. Er hat mir erst vor wenigen Tagen erzählt, dass er sich mit seinen Schüler*innen die “Ernährungswelt auf Instagram” angeschaut hat. Ich bin mir sicher, dass er offline sehr viele wertvolle Impulse setzt und freue mich, dass er auf sein Herz gehört hat und diesen Weg gegangen ist.

Ohne Food ‘n’ Love und die gemeinsame Arbeit mit Moritz wäre aber auch der Self Love Sunday nie entstanden. Keine Frage, die Nummer am Laufen zu halten, kostet mich stärkste Nerven, aber das Projekt ist zu meinem Weg geworden, die Food ‘n’ Love Message weiter in die Welt zu tragen.

Ich würde mir von Herzen wünschen, dass Loslassen irgendwann härter gefeiert wird als Kontrolle und dass Akzeptanz mehr zählt als Optimierung. Moritz arbeitet nun offline mit jungen Menschen daran und ich mache es online über den Self Love Sunday. Und zwischendurch treffen wir uns immer mal wieder auf ein Bier.

Ich bin mir sicher, dass wir auch auf diesem Weg viel bewirken können.

Jenny