Self Love Sunday #109 – Anja

Die heutige Folge des Self Love Sunday zeigt nicht nur auf, was Schulsport anrichten kann (ich will nicht wissen, wie vielen Menschen es da genauso erging wie Anja), sondern es wird einmal mehr klar: Wenn eine lebensbedrohliche Krankheit um die Ecke kommt, relativiert das den täglichen Mindfuck enorm. Ich freue mich riesig, dass Anja heute ihre Geschichte mit uns teilt!

“Hallo an euch wundervolle Menschen,

mein Name ist Anja und ich bin fast 30 und stille Mitleserin auf diesem Blog. Heute also meine Geschichte:

Als Kind war ich groß und „zu dick“. Diese zwei Faktoren, gepaart mit meiner großen Angst, Fehler zu machen und so negativ aufzufallen, führten insbesondere im Sport genau dazu – ich fiel negativ auf. Ich erinnere mich an so viele abwertende Kommentare von Sportlehrer*innen, welche mich anstelle von Tipps und Motivation eher die Aufgaben erfüllen liessen, um sich dann den talentierteren Kindern zuzuwenden.

Aus dieser Zeit stammt auch die Annahme, ich sei unsportlich, was für mich bedeutete, mein Körper ist überhaupt nicht für Sport geschaffen. Also versuchte ich jegliche Art von Bewegung zu umgehen.

Meine beste Freundin war das genaue Gegenteil von mir: Fast schon zu dünn. Zusammen konnten wir Ausgrenzungs-Erfahrungen bewältigen. Doch auch wir steckten unsere Nasen immer wieder in Mädchen- und später Frauenmagazine, welche uns Optimierungs-Tipps gaben. Meine Familie hätte Diäten nicht zugelassen, einzig die Vermeidung von Butter und Margarine ist seit dieser Zeit stark in mir verankert. Außerdem quälte ich mich unregelmäßig mit dem Versuch, Fitnessübungen nachzumachen, eher aus Schuldgefühlen und schlechtem Gewissen.

Erst mit meiner ersten Beziehung mit 18 Jahren konnte ich mir vorstellen, attraktiv zu sein. Jedoch erlebte ich in dieser Beziehung auch Vergleiche mit schlankeren Frauen. Am schönsten war ich für ihn, als ich aufgrund einer Erkrankung über Monate nur wenig essen konnte und so abnahm.

Aber wie kann man einen kranken Körper feiern?! Das irritierte mich sehr und ich wurde wütend. Ich wollte lieber gesund und zu dick sein. Nach der Trennung und dem Umzug in eine andere Stadt traf ich meinen jetzigen Mann. Die Beziehung gab mir viel Sicherheit. Ich weiss, dass er mich nicht verlassen würde, wenn ich zunehme. Trotzdem spielte sich weiter ein “gutes Essen / böses Essen” System ab. Ich fühlte mich schlecht für die Schokolade die ich aß, ich verglich mich mit Menschen. Die Familie meines Mannes ist insgesamt schlank und ich fühlte mich als unpassend.

Vor zwei Jahren erhielt ich die Diagnose Brustkrebs und meine geliebten langen Haare fielen im Laufe der Chemo aus. Aus dem Strudel aus Angst und Unsicherheit entstand ein Gefühl der Sicherheit, weil Menschen blieben, obwohl ich krank war und keine Haare hatte. Wenn ich heute die Bilder sehe, gruselt es mich vor mir selbst. Die anderen haben mich so gesehen und sind nicht zurückgeschreckt sondern haben eher noch einen Schritt auf mich zu gemacht.

In der Krankheit war keine Zeit für Selbstoptimierung und Schönheit, sondern nur für Überleben. Und danach lernte ich, Sport zu nutzen für meinen Wiederaufbau. Heute bin ich geheilt und habe mehr Kraft und Körpergefühl als je zuvor. Und ich glaube, sportlich zu sein.

Was ich an mir liebe? Meine Augen und Hände liebe ich schon immer, und den Rest versuche ich zu lieben, weil ich ihn brauche, um zu leben und die Dinge zu tun, die mich glücklich machen. Ich habe auch immer wieder Zweifel an mir, aber wenn ich mir vorstelle, nur noch diesen einen Tag zu leben, dann schmeiss ich mich in den Bikini und springe ins Wasser!”

Wollen wir uns diesen letzten Satz bitte alle nochmal durchlesen und verinnerlichen? Von Herzen Danke an Dich, liebe Anja für diese unglaublich kraftvolle Message und das Teilen Deiner Geschichte!

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday, Teil des Projekts werden und der Welt da draussen zeigen, wie echte Körper aussehen und wie facettenreich Schönheit ist? Es gibt aktuell keine weiteren Teilnehmer*innen mehr und ich bin ganz dringend auf Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann! Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Die nächsten 2 Teilnehmer*innen stauben außerdem eine amo como soy Creme Maske sowie das dazugehörige Affirmationskarten Set samt Handspiegel ab! Also: Worauf wartet ihr noch?

Und eine Facebook Gruppe zum Projekt gibt es auch.

Let’s spread some Self Love!