Self Love Sunday #107 – Tara

Ich freu’ mich ja über jede*n Teilnehmer*in hier beim Self Love Sunday, aber wenn so richtig nahe Menschen meine verzweifelten Shoutouts immer wieder mitbekommen und dann irgendwann sagen: “Weissst Du, was? Ich mach’ mit”, dann berührt mich das immer ganz besonders. Das ist in der Vergangenheit ja schon ein paar Mal passiert. Aber Tara ist nicht nur eine sehr gute Freundin, sondern hat mich in der Vergangenheit auch schon zu dem ein oder anderen Spa Check begleitet.

Wir saßen vor Jahren beim Whirlpool Cinema Open Air stundenlang zusammen in einem 40°C heißen Jacuzzi, haben beim Vollmondtrommeln zu viel schamanisches Räucherwerk inhaliert und sind mit dem Saunafloß nackt und in der Sauna sitzend gemeinsam abgetrieben, weil der Anker nicht auf unserer Seite war. Die Wasserschutzpolizei dann aber schon. Ich bin sehr happy, Tara in meinem Leben zu haben und freue mich riesig, dass sie ab sofort auch Teil des Projekts ist:

“Mein Körper, das bin ich.

Mein Name ist Tara, ich bin 39 Jahre alt und ich kann mich nicht erinnern, mir vor Erreichen der Pubertät Gedanken über meinen Körper gemacht zu haben. Doch dann ging das Gefühl des permanenten „Falschseins“ los. Rückblickend hatte es seinen Ursprung nicht in meinem Körper, doch darüber trat es in Erscheinung. In letzter Zeit habe ich oft darüber nachgedacht, wie sehr mich meine inneren Selbstzweifel lange Zeit seelisch und körperlich geschwächt haben.

Es ist 1997. Ich liege auf dem Rücken in einem Fitness-Studio und habe gerade meine allererste Yogastunde hinter mir. An die Asanas, die wir gemacht haben, kann ich mich nicht einmal mehr ansatzweise erinnern, aber die Yogalehrerin bietet während der Stunde verschiedene Teesorten zum Verkauf an und ich empfinde das alles als höchst befremdlich. Doch dann zieht sie die Karre in Savasana aus dem Dreck. Sie führt uns durch eine Muskelentspannung und zum ersten Mal in meinem Leben spüre ich, wie mein Körper von sich aus weich wird und sich in mir ein befreiendes Gefühl der Entspannung ausbreitet. Das Glück dieses Moments steckt mir sogar noch (eben mit dem Taschenrechner nachrechnen, Moment…) 23 Jahre später in den Knochen. Doch was sagt das über den Zustand aus, in dem ich davor und lange danach immer wieder durch die Welt gestolpert bin?

So wie viele Frauen habe ich von klein auf Grenzüberschreitungen, Sexualisierung, Strafen, Gewalt, Ausbeutung, Abwertung und viel zu strenge Regeln erfahren, die natürlich einen starken Einfluss auf mein inneres Erleben hatten. Gegen diese Regeln habe ich versucht zu rebellieren. Ich habe meinen Körper hart gemacht, um mich zu schützen, um kein kleines, doofes Opfer zu sein. Das ist für mich heute ein Grund, mich vegan zu ernähren. Ich will keine Gewalt, Grausamkeit und Gleichgültigkeit, weder an noch in meinem Körper.

Doch leider bin ich lange mit meinem Körper unterirdisch umgegangen und habe allen Täter*innen damit quasi „recht gegeben“. Als Teenie habe ich mir selbst demonstriert, wie scheißegal das alles ist und wie wenig ich wert bin. Dazu eignet sich der Körper leider nur allzu gut. Ich bin heilfroh, dass damit Schluss ist. Zu oft und viel zu lange habe ich mich rumschubsen lassen, war viel zu baff, um zu reagieren, wenn mich mal wieder jemand angrapschte oder mir einen blöden Spruch drückte. Manchmal stelle ich mir meinen Körper von damals wie ein gedemütigtes Tier vor, das viel zu viel über sich ergehen lässt, anstatt zuzubeißen oder auszutreten. Kein Wunder, dass ich mich lange nicht richtig entspannen konnte.

Doch ich habe mir auf Umwegen über Yoga, Tanzen, Surfen (eigentlich Bewegung im Allgemeinen) und Meditation meinen Körper wieder zurückerobert und zu schätzen gelernt, dass ich gesund bin und in einem Wunderwerk wohne, das Mutter Natur mir gegeben hat. Ich habe mir diese Welt selbst wieder erschlossen und habe irgendwann festgestellt, wie erholsam es ist, in die Empfindungen meines Körpers abtauchen zu können.

Es gab eine ganze Reihe von Schlüsselerlebnissen, die in mir immer wieder neue Steine ins Rollen gebracht haben. Eins war, als mein damaliger Partner abfällige Bemerkungen über meinen Bauch fallen ließ und ich ihn zwar anraunzte, um ihn in seine Schranken zu weisen, aber keine Konsequenzen zog. Glücklicherweise fiel mir an dieser Situation auf, dass meine Vorstellungen von meiner Selbstliebe und meinen hart erkämpften Grenzen immer noch nicht zu meinem Verhalten passten. Hätte mir allerdings ein*e Freund*in so etwas erzählt, wäre ich garantiert für ihn*sie auf die Barrikaden gegangen. Wieder ein Beweis, wie wichtig ein starkes soziales Netz ist und wieso Projekte wie der Self Love Sunday uns stark machen können. Inzwischen ist bei mir daraus ein Leitsatz geworden: Den Körper des Partners niedermachen ist für mich ein No-Go.

Die Art und Weise, wie ich mit meinem Körper umgehe, zeigt mir inzwischen deutlicher als alles andere, wie es um mein Seelenleben bestellt ist. Wenn ich die Energie in meinem Körper fließen spüre, fühle ich mich glücklich und bin darin zu Hause. Manchmal werde ich traurig darüber, was für abschätzige Selbstgespräche ich schon mit meinem eigenen Körper, also mit mir selbst, geführt habe und ich weiß, dass es sehr vielen Menschen so geht. Es ist, als hätten viel zu viele von uns ein negatives Narrativ über uns selbst, das wie in einer Endlosschleife läuft und uns kleinhält. Es wundert also nicht, dass wir uns dann nur halbherzig dagegen auflehnen, wenn andere uns mies behandeln.

Ich habe meinen Selbsthass früher mal gegen dieses und mal gegen jenes Körperteil gerichtet. Aber der Ursprung lag in den giftigen verinnerlichten Botschaften, die aus meinem engsten Umfeld, von dahergelaufenen Fremden und „der Gesellschaft“ auf mich einprasselten. Irgendwann fühlte sich das so an, als seien diese Botschaften ein Teil von mir, als würde ich einfach nur unter „geringem Selbstwert“ leiden, als wäre das eine Charaktereigenschaft und nicht das Ergebnis davon, dass einem das Gefühl abhanden kommt oder aktiv weggenommen wird, die Chefin im eigenen Körper zu sein.

Für mich ist es von unschätzbarem Wert, dass ich mich an die Wurzel dieser selbstvernichtenden Botschaften gewagt habe, die sich oft gegen meinen Körper gerichtet haben. Immer wieder ihre hässlichen Auswüchse auszureißen und mir selbst vorzubeten: „Nein, nein, du bist gut wie du bist!“ reichte nicht, sondern bewirkte im besten Fall vorübergehende Linderung.

Mein Körper trägt nicht nur mein kostbares Geniegehirn und all meine lebenswichtigen Organe von einem Festmahl zum nächsten, sondern versucht sogar, die Dinge zu regulieren, die meine Psyche alleine nicht auf die Reihe kriegt oder nicht sehen will.

Mir ist nicht egal, wie mein Körper sich anfühlt, aussieht oder ob andere mich als attraktiv wahrnehmen, aber verbiegen werde ich mich dafür nicht. Viel wichtiger ist mir, dass ich über meinen Körper das Leben spüren kann. Ich mag an meinem Körper, dass ich stark und ausdauernd bin und auch mal mehr und mal weniger flexibel. Und ich mag, dass ich es inzwischen total genießen kann, in meinem Körper zu sein.

Was ich den anderen Leser*innen mitteilen will? Boah, Jenny, das ist eine Frage, die bei mir zu einem endlosen Rant führen könnte. Ich halte mich kurz: Gebt nicht auf. Wenn andere euch schlecht behandeln, es euch schlecht geht oder ihr schlecht mit Euch selbst umgeht, holt euch Hilfe. Lasst euch nicht sagen, wie ihr sein oder aussehen solltet. Ich glaube, eine Sache, die wir alle machen können, ist uns gegenseitig mit Sanftheit zu begegnen und nicht ungefragt die Körper anderer zu kommentieren. Und vor allem: Let (self) love rule! Jenny for president!”

BÄM! Ich weiss schon, warum wir befreundet sind und jetzt wisst ihr es vielleicht auch. Von Herzen Danke an Dich, Tara, für diese Knaller Message!

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday, Teil des Projekts werden und der Welt da draussen zeigen, wie echte Körper aussehen und wie facettenreich Schönheit ist? Es gibt aktuell keine weiteren Teilnehmer*innen mehr und ich bin ganz dringend auf Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann! Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Die nächsten 4 Teilnehmer*innen stauben außerdem eine amo como soy Creme Maske sowie das dazugehörige Affirmationskarten Set samt Handspiegel ab! Also: Worauf wartet ihr noch?

Achja, und die Facebook Gruppe zum Projekt findet ihr hier.

Let’s spread some Self Love!