Self Love Sunday # 106 – Carolina

Bevor wir in Runde 106 des Self Love Sunday starten, möchte ich mich erneut bei Schareska für ihre grandiose Idee unserer gemeinsamen Kampagne bedanken und mich vor ihrem unermüdlichen Support verneigen, der dieses Projekt weiter am Laufen hält. Und nun Vorhang auf für Carolina, die durch Schareska den Weg hierher gefunden hat!

“Als ich vom Self Love Sunday durch Schareska von amo como soy erfahren habe, hat sich vieles in mir bewegt, und nach vielem Hin und Her habe ich beschlossen, teilzunehmen. Ich bin ja seit vielen Jahren auf der Reise der Bewusstseinserweiterung und Heilung, wobei die Beziehung zu meinem Körper definitiv ein wichtiger Bestandteil ist.

Ich heiße Carolina, bin 44 Jahre alt, komme aus Venezuela und lebe in Deutschland seit 7 Jahren. Ich bin immer ein sehr aktiver Mensch gewesen, und als Kind war ich sogar extrem flexibel. Ich war zwar körperlich nie athletisch aussehend, war aber auf jedem Baum zu finden, auf den man klettern konnte.

Mit meiner ersten Menstruation hat alles angefangen. Sie kam nicht regelmäßig und die beste Lösung ohne weitere Untersuchungen war: Die Antibabypille fürs Mädchen! Die Hormone in meinem 12-jährigen Körper sind wahnsinnig geworden und mit 13 hat meine Brust angefangen unverhältnismäßig schnell zu wachsen, bis ich mit 15 eine sogenannte “juvenile Gigantomastie” (Riesenbrust) hatte. Mit meiner 1,50m Größe wurde deswegen meine ganze Jugend mit Schmerzen (wegen Brustgewicht), aber vor allem mit Schande geprägt.

Auch wenn ich immer Lust auf Sporttreiben hatte, habe ich mich gewaltig über meine Brust geschämt. Ich war die Meisterin der Ausreden und “hatte die Menstruation sogar mehrmals im Monat”. Darüber hinaus waren alle meine Freundinnen schlank, “flach” und sportlich, und ich war nur die offizielle Cheer­lea­de­rin in allen Wettkämpfen. Obwohl ich nie gehänselt wurde (wenigstens nicht so, dass ich es mitgekommen habe), habe ich auch nie mit jemandem über mein Leiden gesprochen bis ich ca. 17 Jahre alt war und es offen bei meinem Vater thematisiert habe.

Glücklicherweise haben mich meine Eltern und mein damaliger Freund liebevoll unterstützt und somit wurde ich mit 18 operiert. Nach der OP sind die Brüste jedoch wieder gewachsen und bei einer Routine-Kontrolle der Wunden wurde ich spontan erneut operiert, dieses Mal aber nur mit lokaler Betäubung und ein wenig Sedierung. Heute kann ich noch die kauterisierte Haut riechen…Nach zwei postoperativen Horror-Zeiten wollte ich nie wieder in diese Praxis gehen und habe die Wunde nicht mehr kontrollieren lassen. Zum Glück habe ich eine sehr gute Haut und die Narben sind trotz der Umstände sehr gut verheilt.

Nach der OP war ich wie eine Neugeborene. Mein Leben hat wie neu angefangen und ich war sehr glücklich. Ich habe meinen ersten Bikini mit 18 tragen können und mit Kleidung sah ich deutlich schlanker aus. Die Narben waren aber jetzt ein Teil meines Körpers und ich musste mit ihnen zurechtkommen. Das Ende des Liedes war: Vorher hatte ich mich wegen der Brust geschämt, danach wegen der Narben!

Am Anfang jeder Beziehung kamen immer wieder die Fragen: “Sollte ich es ansprechen? Oder lasse ich es einfach so sein? Und wenn er sich erschreckt?”. Alles nur sehr unnötige Sorgen, denn ich habe nicht einmal einen negativen Kommentar bekommen und nie wurde ich wegen der Narben abgewiesen. Alles nur in meinem Kopf, wie es so häufig passiert. Sport war weiterhin kein Thema in meinem Leben, und auch wenn ich immer von einem schlanken Körper geträumt hatte, hatte ich die richtige Sportart und die Motivation nicht gefunden. Das Body Shaming lief weiterhin immer im Hintergrund.

Dann kam die Geburt meines Sohnes, die Auswanderung, das Überleben im Ausland und letztendlich die Scheidung. Auf einmal hatte ich Zeit zur Selbstreflektion und alte Unsicherheiten und Muster kamen hoch. Die potentielle Erscheinung eines Partners und die Konfrontation mit den Narben hat mich lange beschäftigt. Die Anerkennung meines Körpers und die Suche nach einer Sportart waren mein Ziel.

Für Jahre hatte ich mir überlegt, ob ich mich zur Narbenverdeckung tätowieren lasse. Ich habe mir ein Design machen lassen, eine Tätowiererin gefunden (musste eine Frau sein!) und ich habe es mir Monate lang überlegt. Eines Tages ist mir dann etwas klar geworden: Die Narben sind einfach ein Teil von mir. Punkt. Ich brauche sie nicht zu verstecken und ich kann und will meine Geschichte und meine Herkunft auch nicht verbergen! Und auf einmal habe ich die Tätowierung nicht mehr gebraucht. Aber ich hatte doch Lust auf das schöne Design und eine Hervorhebung meines Merkmales. Trotz der Angst bin ich durch die Schmerzen gegangen und heute bin ich sehr stolz darauf!

Ich bin sehr glücklich mit meiner gesamten Entwicklung. Ich treibe auch regelmäßig Sport und jede Woche werde ich im Training an meine Grenzen gebracht. Ich habe eine Kraft in mir entdeckt, die ich nicht kannte und auch wenn ich mir manchmal wünsche, dass ich früher angefangen hätte, gebe ich jetzt einfach jeden Tag mein Bestes und dabei fühle ich mich richtig mächtig.

Ich habe noch viel Arbeit. Nicht jeden Tag mag ich meinen Körper oder Teile von ihm so sehr, aber ich habe gelernt, geduldig zu sein und Verständnis dafür zu haben, dass alles ein Prozess ist und dass ich ihn genießen kann und soll. Ich bin meinem Körper auch unendlich dankbar, dass er mich bis hierher gebracht hat, dass er recht gesund ist, dass ich durch ihn einen wunderbareren Menschen auf die Welt gebracht habe und dass ich dank ihm mit meinem Sohn alles mitmachen kann.

Ich wünsche mir eine Welt, in der das Aussehen nicht wichtig ist, sondern das, was die Menschen im Herzen haben. Und das sage ich meinem Sohn auch regelmäßig. Er ist schon ein Botschafter geworden.”

Was für ein Schlusswort! Von Herzen Danke an Dich, liebe Carolina für das Teilen Deiner Geschichte und diese kraftvolle Message!

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday, Teil des Projekts werden und der Welt da draussen zeigen, wie echte Körper aussehen und wie facettenreich Schönheit ist? Es gibt aktuell keine weiteren Teilnehmer*innen mehr und ich bin ganz dringend auf Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann! Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Die nächsten 5 Teilnehmer*innen stauben außerdem eine amo como soy Creme Maske sowie das dazugehörige Affirmationskarten Set samt Handspiegel ab! Also: Worauf wartet ihr noch?

Achja, und die Facebook Gruppe zum Projekt findet ihr hier.

Let’s spread some Self Love!