Self Love Sunday #105 – Anna-Maria

Wisst ihr, was noch besser ist als eine weitere Geschichte zum Self Love Sunday? Eine Geschichte von einer Teilnehmerin, die mit ihrer Arbeit genau in die selbe Kerbe schlägt wie dieses Projekt hier. Daher freue ich mich riesig, dass Anna-Maria hier und heute ihre Geschichte mit uns teilt!

“Mein Name ist Anna-Maria, ich bin 33 Jahre und komme aus Hamburg. Bis ich mich vor drei Jahren auf den Weg zurück zu mir selbst aufgemacht habe, befanden sich mein Geist, mein Körper und ich im ständigen Krieg.

Früher hatte ich immer das Gefühl, dass mein Körper nicht wirklich mir gehören würde. Ich habe ihn genutzt, aber gehasst. Er war so ganz und gar nicht das, was ich wollte. Passte so ganz und gar nicht in das Schönheitsideal, das mir vorschwebte. Ein Schönheitsideal, das uns allen durch Medien, die Gesellschaft und auch die Er- bzw. Beziehung unserer Eltern indoktriniert wird und das so wenig mit dem „wahren Leben“ zu tun hat.

Obwohl ich als Jugendliche sonst super schlank war, hatte ich immer einen Unterbauch und fühlte mich fett. Mein Gesicht war zu unweiblich, meine Oberlippe zu schmal. Meine zertrümmerte Nase gehörte nach meinem Fahrradunfall im Alter von 23 Jahren schon erst recht nicht mehr zu mir und die daraus resultierende Narbe in meinem Gesicht machte mich, wenn ich in den Spiegel schaute, regelrecht zu einem Frankenstein in meinen Augen. Meine Brüste waren erst zu klein und dann plötzlich viel zu groß, schlaff und hatten keine schöne, runde Form. Ich war schon immer sehr groß, fühlte mich oft linkisch und unbeholfen.

Wenn ich mir heute Bilder von früher anschaue, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln, wie wahnsinnig verzerrt meine Wahrnehmung doch war. Aber ich fühlte mich damals fett, hässlich und vollkommen wertlos.

Während meiner, wie ich sie nenne, „Mein Körper ist mein Kapital“-Zeit, die in etwa von meinem 12. bis zu meinem 31. Lebensjahr ging, war mein Selbst-Wert ganz eng mit meinem Aussehen und meinem Gewicht verknüpft. Also stand ich unter ständigen Stress, mich selber zu optimieren.

Extensions für die viel zu feinen Haare, Blondierung für das hässliche und viel zu langweilige Straßenköterblond, Push-up BHs, um die Brüste schön hoch zu schnallen, Bauchweg-Hosen und alle möglichen Arten von körperformenden Bodys, Hosen und Miedern. Manchmal tägliches Joggen und Nulldiäten, bei denen ich wochenlang nur Wasser mit Zitrone und Pfeffer getrunken habe, sind nur ein kleiner Teil vom dem, was ich meinem Körper jahrelang angetan habe für das vermeintlich erstrebenswerte Schönheitsideal.

Sport habe ich nicht betrieben, weil mir die Gesunderhaltung meines Körpers so am Herzen lag, sondern nur, damit ich besonders attraktiv nach außen wirke und so wenig Angriffsfläche wie möglich für die Kritik anderer biete.

Anfang meiner Zwanziger wuchsen meine Brüste von einem C-Körbchen ziemlich plötzlich auf ein E/F-Körbchen an. Ich begann, meine großen Brüste zu benutzen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Um keinesfalls noch einmal, wie damals, als ich 11 Jahre alt war, von jemandem für einen Jungen gehalten zu werden. (Ich hatte eine Mütze auf und einen Blaumann an.) Und obwohl ich ja freiwillig meine Brüste betonte, habe ich es so sehr gehasst, auf welche Art mich viele Männer anschauten. Und ich habe mich gehasst, weil ich zu diesen Mitteln gegriffen habe.

Dieses Gegeifere, diese Kommentare, dieses Reduziertwerden auf ein körperliches Attribut. Aber um meine innere Leere durch Aufmerksamkeit zu füllen, war mir damals einfach jedes Mittel recht. Erst nach meinem Unfall im März 2017 mit einer schlimmen Talusfraktur des linken Fußes fing ich an, meinen Körper wieder zu respektieren. Ihm sogar dankbar zu sein für das, was er täglich für mich tut und zu was er alles in der Lage ist. Ich fing nach und nach an, ihn zu ehren, zu pflegen und zu schätzen. Und jetzt mit 33 Jahren sogar, ihn zu lieben.

Durch das 14 Wochen auf Krücken und einem Fuß durch die Gegend Hüpfen bekam ich ein ganz anderes Körpergefühl. Ich wohnte als Single auf dem Dorf mit meinem Hund, konnte kein Auto mehr fahren und stand wirklich ziemlich alleine da im Alltag. Und nach einigem im Selbstmitleid Gesuhle stellte ich plötzlich fest, zu welchen Dingen mein Körper in der Lage war. Plötzlich konnte ich auf einem Bein Treppen rauf- und runter hüpfen, mich auf einem Bein stehend auf den Boden setzen ohne den zweiten Fuß zu belasten und auch wieder aufstehen. Das mag jetzt lächerlich klingen, aber wenn das Vertrauen zu eurem Körper gleich Null ist, dann sind das Erfahrungen, die bahnbrechend sind. Und leicht ist es auch wirklich nicht. Probiert es aus.

Ich fing also an, meinem Körper wieder zu vertrauen. Mehr noch, ich wurde demütig und dankbar vor diesem Wunderwerk. Ich fing endlich an, wieder zu fühlen. Dies war nicht nur in Bezug auf mein Körperbewusstsein ein wahnsinniger Schritt für mich, sondern auch bei meiner Trauma-Selbstheilung.
Endlich, das erste Mal, seit ich ein kleines Mädchen gewesen war, gehörte mein Körper wieder mir selbst. Endlich war mein Körper für mich nicht mehr ein Fremdkörper, den es zu optimieren galt, damit er wenigstens einen Zweck erfüllte, nämlich: mir Aufmerksamkeit zu bescheren. Endlich war mein Körper mein Freund, mein Verbündeter. Heute liebe ich ganz besonders meine Beine, meine Finger/Hände und meine Füße an mir selbst. Eigentlich liebe ich alles, aber ich soll hier ja drei Dinge nennen.

Nach und nach, in kleinen Schritten, schreite ich seitdem auf meinem Weg der Körperakzeptanz voran. Es ist ja nicht sofort zack alles toll jeden Tag. Die Selbsthass- Mechanismen in unserem Kopf brauchen ihre Zeit, um umgewandelt zu werden. Und mein gewandeltes Körperbild hat natürlich auch sehr viel damit zu tun, dass ich in den letzten drei Jahren wahnsinnig viel an meiner inneren Einstellung, an meinen inneren Baustellen gearbeitet habe. Ich habe meine gesamte Vergangenheit einmal komplett ausgegraben und auf links gedreht. Habe mir angeschaut, warum ich war wie ich war. Habe angefangen, mein Selbst Stück für Stück zu akzeptieren und dann zu lieben.

Vor wenigen Wochen durfte ich endlich mein letztes Bollwerk des Selbsthasses, „meinen Bauch“, voll und ganz anfangen zu lieben. Und das, obwohl ich heute 8 Kilogramm mehr wiege als noch vor zwei Jahren. Weil ich das erste Mal im Leben Sport nur mache, wenn ich Spaß dran habe und nicht um mich zu optimieren und weil ich keinerlei Diäten mehr mache.

Ich habe immer gedacht, wenn ich erst noch wieder ein paar Kilo abgenommen habe, ja dann werde ich endlich auch meinen Bauch akzeptieren. Aber dann vor ein paar Wochen dachte ich mir:
„Bullshit! Der richtige Moment durch eine meiner tiefsten Ängste zu gehen ist HEUTE, HIER und JETZT.“

Ich dachte mir „Anna, du hast so viel überlebt. Ein Entwicklungstrauma, einen schweren Fahrradunfall, einen gewalttätigen narzisstischen Ex-Freund, eine Firmeninsolvenz durch
deinen Unfall und so viel anderes mehr. Warum solltest du dich also nicht trauen, dich im Bikini zu zeigen? Dein Bauch hat so viel für dich getan.“ Also habe ich bei der Bikini Challenge der Bauchfrauen teilgenommen auf Instagram und es war ein letztes großes Loslassen von Ängsten und altem Stress. Heute fühle ich mich so frei wie nie zuvor.

Und nun stehe ich hier heute vor euch und möchte euch sagen:

Unser Körper ist ein Geschenk und nicht unser Feind. Wer wir sind hängt nicht davon ab, wie wir aussehen oder wie viel wir wiegen. Unser innerer Wert ist vollkommen unabhängig von unserem Äußeren. Und unser Leben ist viel zu kurz, um Krieg mit uns selber zu führen.

P.S. Und falls ihr euch fragt was ich da mit meinen Händen auf dem Foto mache: Ich wollte ein Herz über mir formen, um zu zeigen wie sehr ich mich und alles an mir liebe. Hat so semi-gut geklappt. Früher hätte ich mich dafür jetzt mental zur Sau gemacht. Heute lächle ich drüber und weiß: Ich habe mein Bestes gegeben.”

Von Herzen Danke an Dich, liebe Anna, für diese kraftvollen Worte! “Unser innerer Wert ist vollkommen unabhängig von unserem Äußeren.” BOOM! Wenn euch gefällt, was ihr hier heute gelesen habt, folgt Anna doch gerne auch auf Instagram oder klickt euch durch ihre Online Angebote!

Ihr wollt selbst mitmachen beim Self Love Sunday, Teil des Projekts werden und der Welt da draussen zeigen, wie echte Körper aussehen und wie facettenreich Schönheit ist? Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Die nächsten 6 Teilnehmer*innen stauben außerdem eine amo como soy Creme Maske sowie das dazugehörige Affirmationskarten Set samt Handspiegel ab! Also: Worauf wartet ihr noch?

Achja, und die Facebook Gruppe zum Projekt findet ihr hier.

Let’s spread some Self Love!