Self Love Sunday #103 – Ulrike

Ich freue mich riesig, dass Ulrike zum heutigen Self Love Sunday ihre Geschichte mit uns teilt. Denn wenn sich eine Erkenntnis durch das gesamte Projekt zieht, dann ist es die, dass wir alle mit den selben Unsicherheiten und dem immer gleichen Mindfuck struggeln. Vorhang auf für Ulrike!

“Ich bin Ulrike, fast 35 Jahre, glücklich verheiratet und hatte bereits als Kind oft bis immer die Gedanken, anders auszusehen und ein völlig falsches Selbstbild. Ich habe es zu dem gemacht durch mein ständiges Vergleichen. Vergleichen mit anderen Kindern, anderen Körpern und das, obwohl mir damals sicherlich noch niemand das Gefühl vermittelt hat.

Meine Beine waren kräftiger, mein Gesicht rundlich. Andere Mädchen hatten dünnere Beine, die Fußgelenke meist deutlich zu erkennen. Meine hingegen waren nicht so deutlich zu erkennen. Aber warum? Heute stelle ich mir diese Frage nicht mehr, da ich die physiologischen Hintergründe kenne und begriffen habe, kein Körper gleicht dem anderen. Zudem kommt, dass ich ein Lymphödem habe, von dem ich aber bisher eher im Sommer geplagt werde.

Was habe ich es geliebt, Kleider und Röcke zu tragen bis die Pubertät zuschlug, als ich 11 Jahre war. Schlagartig wollte ich meinen Körper lieber verstecken als kurze, sommerliche Kleidung zu tragen. Kurze Hosen kamen höchstens im Sportunterricht zum Einsatz. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass mich jemand wissentlich beleidigt hat. Ich hatte nur oft das Gefühl, dass hinter meinem Rücken gelästert wird oder ich komisch angesehen werde. Dabei blieb mir in Erinnerung „die mit der einen Augenbraue“, was mich damals dazu bewegte, sehr früh anzufangen, meine Augenbrauen in Form zu bringen und vor allem die Nasenwurzel von den schwarzen Härchen zu befreien. Heute bin ich stolz auf meine kräftigen Augenbrauen und liege damit aus Versehen im Trend.

Ich erinnere mich an eine Situation in der fünften Klasse. Alle Klassen wurden bunt gemischt für den Ethik Unterricht, wodurch ich nicht die üblichen Jungs und Mädels um mich hatte. Ein Mädchen kam zur allerersten Stunde etwas später. Die Lehrerin bat ihr den Platz neben mir (war eigentlich der einzige freie) an. Also war sie gezwungen, sich neben mich zu setzen. Irgendwann später, über andere Mitschüler, habe ich erfahren, dass das andere Mädchen sich nicht neben mich setzen wollte wegen meiner etwas dunkleren Haut und den Haaren. Und schaut mich an! Ich habe mich das restliche Schuljahr eher unwohl gefühlt in ihrer Nähe und besagtes Mädchen hat über die Jahre immer mal wieder irgendwelche Bemerkungen hören lassen. Wenn ich darüber nachdenke, war das vielleicht tatsächlich unbewusst der Auslöser dafür, mir viel zu oft Gedanken darüber zu machen, was andere über mich denken und wie sie mich finden.

Während meiner Jugend habe ich auch die ersten Diäten und Ernährungskonzepte ausprobiert, da ich immer dachte, zu dick zu sein. Sehe ich mir die wenigen Fotos aus der Zeit an, kann ich nicht mehr nachvollziehen, warum ich mich so empfunden habe. Ich habe mich immer viel bewegt, sei es Radfahren, im Sommer Schwimmen, Joggen und Fitnesstraining.

Nach dem Abi bin ich zu Hause ausgezogen, um zu studieren und von jetzt auf gleich habe ich mich null bewegt. Innerhalb des 1. Semesters habe ich ordentlich zugenommen und habe mich sehr unwohl gefühlt. Ab da war es ein reines Auf und Ab. Während des Studiums ist es mal so weit gekommen, dass ich tagsüber auf meine Ernährung geachtet habe und abends/nachts Fressattacken hatte. Da spielte mein Körper erst recht Jojo. Nachdem ich beim Studium scheiterte, hatte ich viel Zeit, war fast täglich im Fitnessstudio und innerhalb von wenigen Monaten hatte ich mein Gewicht von Abi-Zeiten wieder. Auch das sollte nicht ewig so sein.

Mein damaliger Freund hat mal zu mir gesagt, wenn ich ein bestimmtes Gewicht überschreite, wäre es ein Grund für ihn, sich zu trennen. Also habe ich ständig darauf geachtet, was ich wiege, um ihn nicht zu verlieren. Dieser Gedanke setzte mich zeitweise sehr unter Druck.

Ein erneuter Ortswechsel, eine neue Herausforderung und wieder die Hoffnung, endlich wieder mein Wunschgewicht zu erreichen. Allein aus beruflicher Sicht wäre das sehr wünschenswert gewesen – als Sport- und Fitnesskauffrau. Ich hatte während der Zeit im Hotel oft auch das Gefühl, komisch angeschaut zu werden, als würde mein Aussehen nicht mit meiner Tätigkeit vereinbar sein.

Während meiner Yoga-Lehrer-Ausbildung hatte ich mein erstes Schlüsselerlebnis. Was genau passiert ist, kann ich nicht richtig beschreiben. Irgendetwas löste sich in mir und ich habe mich befreit gefühlt. Trotzdem war da immer noch der Drang, aussehen zu wollen wie ein Model auf einer Fitnesszeitschrift. Wobei mir immer völlig klar war, dass das nicht möglich sein wird.

Bewusste Ernährung und Sport bestimmten meine Freizeit bis ich beruflich so eingespannt war und irgendwann sehr gestresst, dass ich kaum noch Kraft hatte, um mich aufzuraffen, Sport zu treiben. Der Stress setzte mir so zu, dass ich immer weniger Appetit hatte und, was ich positiv fand, auch Sachen essen konnte, die ich mir oft eher verkniffen habe und habe dabei abgenommen. (Aber ich war alles andere als gesund. Ich war auf dem Weg in eine depressive Episode, von der ich mich immer noch erhole.)

Die Reaktionen von Freunden waren eher eine Mischung aus Besorgnis, dass es langsam mal genug ist abzunehmen und vereinzelte Komplimente. Diese neue Situation, in der ich viel Kraft brauchte, hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, gesund zu sein. Ohne Verbote. In der Zeit ist mir bewusst geworden: Ich kann und darf alles essen, worauf ich Lust habe. Natürlich in Maßen, aber ich verbiete mir nichts, schaue, ausgewogen zu essen und verfalle nicht mehr in Extreme oder die Idee, Diät zu halten.

Ich fühle mich die meiste Zeit sehr wohl in meinem Körper und klar gibt es Tage, an denen ich mir den flachen Bauch von meinem 16-jährigen Ich wünsche. Aber würde mich das wirklich glücklicher machen?

Ich bin glücklich, werde geliebt, ich bin dankbar, gesund zu sein und das ist einfach das Wichtigste. Ich liebe meine samtige Haut, meine schöne Taille, meine Schultern und Brüste. Ich mag mein verspieltes, manchmal verrücktes Wesen. An sich finde ich alles an mir toll und ich bin immer wieder erstaunt, wozu mein Körper in der Lage ist.

Ich entdecke gerne neue Facetten an mir und ich wünsche anderen, ihre Facetten im neuen Licht zu sehen.”

Von Herzen Danke an Dich, liebe Ulrike, für das Teilen Deiner Geschichte! Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday und eure Geschichte teilen? Ich bin ganz dringend auf weitere Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann. Die nächsten 8 Teilnehmer*innen stauben außerdem eine amo como soy Creme Maske sowie das dazugehörige Affirmationskarten Set ab!

Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme – und eine Facebook Gruppe zum Projekt gibt’s auch.

Let’s spread some Self Love!