Self Love Sunday #100 – Christin

Liebe Leute, es ist soweit! 100 Folgen Self Love Sunday! Eimerweise Konfetti und virtuelle Luftschlangen für alle! Es ist mir ein verdammtes Fest, Christin von Marschmellow zu diesem Jubiläum den Glitzerteppich auszurollen:

„Heute schreibt dir die schönste Frau der Welt. Gestatten, meine Name ist Christin und ich freue mich schon ganz lange auf dich. Du fragst, was mich zur schönsten Frau macht? Das selbe wie dich: Unsere Einzigartigkeit! Mein Körper ist perfekt für mich, so wie er in jedem Moment meines Seins ist. Sollte dir irgend jemand versuchen, etwas anderes einzureden, dann drehe dich bitte um und gehe weg. Erinnere dich statt dessen an meine Worte:

Du bist wunderschön, so wie du bist. Jetzt. Punkt. Aus. Ende.

In dieser inneren Balance, Ruhe und Ausgeglichenheit habe ich mich nicht immer befunden. Die Besteigung des Mount Everest hätte nicht mehr von mir abverlangen können als der Weg zur bedingungslosen Selbstliebe, die ebenfalls die uneingeschränkte Liebe meines Körpers umfasst. Doch lass’ mich von vorne anfangen.

Ich bin in einer Familie groß geworden, die einen ästhetisch geprägten Lebensstil gewählt hat. Meine wunderschöne Mutti war mit ihren ellenlangen Beinen und ihrem verführerischen Twiggy-Look auf den Laufstegen dieser Welt zu Hause. Mein erfolgreicher Vater, optisch ein betörender Al Pacino, hielt gerne die Tür des Porsches auf, damit er seine Frau trophäenhaft präsentieren konnte. Und seine wunderbare Tochter (das bin ich!) wurde von klein auf in teure, ausgefallene Designer-Kleidung gehüllt und so liebevoll vorgeführt, um dafür ebenfalls reichlich Applaus zu kassieren. Tataa.

„Das perfekte kleine Arrangement von Atomen wird zerstört.“

Im Alter von 5 bis 17 Jahren wurde mein bis dahin natürliches und ansonsten freies Sein vom Miterleben der traumatischen Ehe meiner Eltern intensiv gekennzeichnet. Währenddessen führte ich zeitgleich ein aufwendiges und teures Sportlerleben (natürlich nach der Montessori-Schule), das fast minütlich durchgetaktet war, in der Hoffnung, Steffi Graf alsbald von der Ranglistenspitze zu fegen. Es versteht sich von selbst, dass all meine Erfolge im Handumdrehen um ein vielfaches hätten besser, höher oder schneller sein können, wenn ich nur diese drei Kilo weniger gewogen hätte.

Diese Jagd nach sportlichem Erfolg hat so ziemlich alles in meiner Jugend wegrationalisiert, was – abseits vom Sieg auf dem Center Court – Freude gemacht hätte. Das, was übrig blieb, wurde durch die nie vorhersehbaren, häuslichen Umstände ebenfalls unmöglich. Wer möchte schon mit seiner Übernachtungsfreundin am nächsten Morgen die verprügelte Mutti im Park suchen? Hilf’ mir kurz: Wo gehört im vorangegangene Satz inhaltlich doch gleich das Wort „wunderschön“ hin?

Eigentlich sollte in diesem relativ ausgedehnten Zeitrahmen, so wie bei jedem menschlichen Lebewesen, die Erfahrung des unbeschwerten Kindseins im Vordergrund stehen. Stattdessen aß ich mein äußerst gesundes und kalorienreduziertes Sportler-Mittagessen auf dem Weg zum Training im Porsche. Nachts saß ich stundenlang bis zum Morgengrauen im Wohnzimmer, wo das Übel tobte, da meine Anwesenheit eine Art Lebensversicherung für alle Beteiligten darstellte. Erstaunlicherweise stellte sich mein sportlicher Erfolg trotz all meiner jahrelangen Entbehrungen nie in dem Umfang ein, wie er mir zugedacht war. Steffi Graf hat sich zu keiner Zeit ernsthaft in Gefahr wähnen müssen, von mir vom Thron gestossen zu werden. Ist ja logisch, sie wog ja auch die drei Kilo weniger, nicht ich.

Selbstliebe: Auf den emotionalen Kuddelmuddel oben einen Brownie mit Sahne drauf.

Mit Mitte Zwanzig wurde mir – nach einer weiteren von unzähligen Diäten – bewusst, dass ich mich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie aufrichtig in meinem Körper wohl und zuhause gefühlt hatte. Es war mir sogar gänzlich unbekannt, wie ein liebevolles Verhältnis zu meinem Körper, respektive mir, aussah. Mein Körper war eine Strafe, die zwischen mir und meinem Glück, meinem Wohlgefühl, meiner Zufriedenheit stand. Mein Glaube, dass eine erfolgreiche Diät mein Leben in glückliche Bahnen lenken und all meine Probleme lösen würde, zerbröselte langsam aber sicher vor meinen Augen. Ich war zu klug, um mir dauerhaft Märchen zu erzählen. Mein Innenleben war ein undurchschaubares Kuddelmuddel. Puh.

In diesem hellen und klaren Moment der Erkenntnis stand es fest: Ich war nicht bereit, den Rest meines Lebens auf der von mir kreierten dunklen und einsturzgefährdeten Theaterbühne zu fristen. Es kam auch nicht in Frage, der Aussenwelt – ein ungetrübter Spiegel meiner eigenen Überzeugungen – weiterhin emotional hilflos ausgeliefert zu sein. Ich machte mich auf den Weg zu mir selbst, ohne genau zu wissen, was das bedeutet. Ich wusste, weder Diäten, noch das systematische Verneinen von Lebensmitteln würde mir das liebevolle Körpergefühl schenken können, das ich mir wünschte. Wie kann durch Verzicht und Einschränkung Liebe und Akzeptanz entstehen? Das formulierte Ziel war nicht, alles aufzulösen, damit ich endlich schlank sein konnte. Was hat mich den verzweifelten Wunsch hegen lassen, einer vordefinierten, gesellschaftlich akzeptierten Norm entsprechen zu wollen? Die wahrhafte Heilung lag einzig und allein im Erkennen der Ursachen und dem stückweisen Auflösen.

Nach meinen ersten mutigen Schritten war klar, es würde eine Weile dauern, um all das aufzuräumen, was ich über Jahre still und heimlich angehäuft hatte. Dieses verrückte Konstrukt in meinem Kopf – meine Glaubensmuster – hatte ich liebevoll und überzeugend zu einem unglaublichen, ausufernden Kunstwerk zusammen gebaut, das nun meine individuelle Realität darstellte. Unterm Strich kam dabei raus, dass ich mich nicht so lieb hatte, wie ich dachte. Überraschung.

Die Welt braucht deine Liebe und deine Intelligenz und jede einzelne deiner Zellen. Und du auch.

Meine Mission war klar – ich wollte mich erforschen, was der Besteigung des Mount Everest gleich kam. Wie aufregend! Ich folgte dabei meinem inneren Kompass und entdeckte erneut meine Intuition, die mich in meiner frühen Kindheit ohne Nachdenken angeleitet und durch mein Leben navigiert hat. Es ist die natürliche Verbindung zu allem Wissen, das ich mir mit Geduld und Achtsamkeit wieder antrainiert habe. Wann immer ich professionelle und liebevolle Unterstützung gebraucht habe, habe ich sie mir geholt. Auch das gehört zum behutsamen Umgang mit mir selbst. Ich habe mir allen Raum und alle Zeit gegeben, die ich gebraucht habe, um mich Stück für Stück aus meinen Verwirrungen zu befreien. Je mehr Klarheit ich zu mir und meinem Leben erlangt habe, desto mehr Sinn hat alles gemacht.

Es ist ein großer Unterschied, ob ich weiß, dass ich mich über meinen Körper, so wie er ist, freuen soll oder ob ich genau das fühle. Durch meine Herangehensweise, durch meine Veränderungen, die durch Einsichten von innen heraus gewachsen sind, hat sich mein Verhalten im Außen automatisch verändert. Mein Blick in den Spiegel und auf mich hat sich grundlegend gewandelt. Ich sehe mittlerweile das schönste Wesen, das es gibt. Ich habe meine Form als einzigartig anerkannt.

Ich musste mir nicht vornehmen, ab sofort gesund und achtsam zu Essen, es geschah von selbst. Es gab keinen Regeln mehr, die ich aufgestellt habe, sondern mein liebevolles Selbstverständnis hat nichts anderes zugelassen als das, was mir gut tut. Dieser Flow – dem mir vertrauen – hat so viel Energie freigesetzt, die bis dato in meinen innerlichen, starren Systemen gebunden war, um das alte Chaos aufrecht zu erhalten, das mich hat glauben lassen, ich und mein Körper seien nur begrenzt liebenswert.

Ich bin genau dort angekommen, wo das „OM“ vibriert, das, was man mit Worten nicht benennen kann und alles ist. Die Gegenwart des Absoluten. Meinen Atem, den ich tief hinunter in meinem Bauch lenke, damit dieser sich lebendig hebt und senkt, verknüpft mich mit dem glücklichen Buddha, der in sich ruht und sich dem Flow des Seins hingibt. Wie wunderbar, dass ich auf diese Art und Weise mit mir und meinem Körper verbunden bin. Über die Zeit wurde mein Körper zu dem, was er seit Anbeginn meines Lebens war: Mein Freund, mein Verbündeter. Er ist der Träger meines Lebens, dem ich mit jedem Atemzug dankbar bin. Ohne ihn könnte ich nicht hier sein. Wie nachsichtig und großzügig mein Körper mit mir ist, er liebt mich über alles. Ich liebe mich.

Jeder Tag ist ein #selflovesunday.

Christin“

BOOM! Von Herzen Danke an Dich, liebe Christin! Für das Teilen Deiner Geschichte und für die Katze im Bild zum Jubiläum. Und à propos Jubiläum:

Heute um 15 Uhr wird es zur Feier der 100. Folge ein Self Love Sunday Meetup geben! Falls ihr in Berlin seid: Kommt unbedingt rum!

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday und eure Geschichte teilen? Ich bin ganz dringend auf weitere Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann. Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Let’s spread some Self Love!