Self Love Sunday #98 – Melanie

Liebe Leute, ganz abgesehen davon, dass mein Herz Purzelbäume schlägt, weil hier heute Folge ACHTUNDNEUNZIG des Self Love Sunday online geht, ist der Beitrag von Melanie einmal mehr der Beweis dafür, dass ihr auch mitmachen könnt, indem ihr einfach die acht Fragen beantwortet! Vorhang auf für Melanie:

1. Stell’ Dich gerne kurz vor.

Melanie, 45 Jahre jung, glücklich verheiratet seit 19 Jahren, keine Kinder.

2. Gab es Situationen in Deiner Kindheit, an die Du Dich erinnerst und die Dein heutiges Körperbild geprägt haben? Eventuell in der eigenen Familie oder später in der Schule?

In meiner Kindheit und Jugend war ich „normalgewichtig“, in meiner Kindergartenzeit war ich wohl sogar sehr dünn und meine Mutter hat mich mit Eis gefüttert, weil sie Angst hatte, dass ich verhungere. Mein Vater war „übergewichtig“ und Essen war deswegen bei uns zuhause ein Thema. Vor allem Süßigkeiten, die mussten vor meinem Vater versteckt werden. Er hat dann mit ca. 50 Jahren Diabetes bekommen und ist mit 59 Jahren an den Folgen gestorben.

3. Erinnerst Du Dich an ganz konkrete Situationen, in denen andere Dich oder Deinen Körper bewertet haben und die Du als sehr verletzend empfunden hast?

Ja, da war ich Anfang 20, mein allererster fester Freund, den ich mit 15 Jahren für 2 Jahre hatte, hat mich in einer Disco ein paar Jahre später wieder gesehen, da wog ich bereits gut 10 kg mehr und er hat mich begrüsst und mir gesagt, dass ich damals so eine tolle Figur hatte und was mit mir passiert sei, jetzt sei ich soo dick.

Da denke ich heute (25 Jahre später) immer nochmal dran, sehr wahrscheinlich würde er mich heute nicht wieder erkennen.

4. In vielen Fällen gibt es einen Background von sexuellem Missbrauch in der Kindheit. Einige Teilnehmerinnen haben das bereits thematisiert. Falls Du es selbst erlebt hast und es sich gut und stimmig für Dich anfühlt, es zu teilen, fühl’ Dich frei, es in Deinen Text mit einzubauen.

Sexuellen Missbrauch hat es bei mir zum Glück nicht gegeben, aber mein Vater war ein Choleriker und hat mich oft geschlagen. Mein Vater war oft arbeitslos, meine Mutter ging dann putzen und so war ich seinen Launen oft ausgeliefert.

5. Wenn Du über Dinge schreiben möchtest, die sich aus alledem entwickelt haben (wie z.B. eine Essstörung, Depressionen oder ähnliches), fühl’ Dich ebenfalls frei, es in den Text einzubauen.

Ehrlich gesagt weiss ich nicht genau, wie sich das alles entwickelt hat, wie es genau zur Essstörung gekommen ist. Seitdem ich in der Ausbildung (mit 16-19 Jahre jung) war, habe ich stetig zugenommen, und das obwohl ich meinen Beruf liebe. Ich helfe anderen Menschen, und das recht erfolgreich. In meiner Familie sind Depressionen sehr verbreitet. Ich vermute, dass ich schon früh auch depressive Episoden hatte und dass Essen ein Tröster für mich war.

Später, als ich 29 Jahre war, wurde bei mir eine extrem stark ausgeprägte Endometriose diagnostiziert. Mir wurden deswegen 35 cm Dickdarm entfernt und ich hatte zeitweise einen künstlichen Darmausgang. Leider ist im späteren Heilungsprozess einiges schief gelaufen.

Und ich kann keine Kinder bekommen, was mich sehr betrübt hat, da ich Kinder wollte. Ich habe einen sehr lieben Ehemann, der mir über vieles hinweg geholfen hat. Seitdem ich 29 Jahre alt bin, also seit der Diagnose der Endometriose, nehme ich Hormone, um die Endometriose zurück zu drängen. Diese Hormone versetzen mich in eine Art „künstliche Wechseljahre“ und seitdem habe ich noch schneller zugenommen. Aber ohne die Medikamente kommt die Endometriose wieder. Ich habe es mal für ein Jahr ausprobiert.

Seit einem Burnout 2010 nehme ich auch Antidepressiva – mal mehr, mal weniger. Aber ohne Antidepressiva geht es auch nicht.

6. Gab es einen Punkt in Deinem Leben, den Du als „Wendepunkt“ bezeichnen würdest? Gab es irgendein Ereignis, das Dich dazu bewegt oder veranlasst hat, Dich selbst liebevoller zu betrachten oder – falls Du im Krieg gegen den eigenen Körper warst – den Kampf zu beenden?

Ich habe natürlich auch gefühlt 1.000 Diäten probiert, etwas abgenommen und mehr wieder zugenommen.

Irgendwann (ich weiß nicht mehr wann) habe ich gemerkt, dass Diäten für mich nicht funktionieren, dass ich das nicht mehr will. Druck von außen lässt mich total bockig werden, dann esse ich erst recht, weil ich mir ja nichts verbieten lasse. Ich bin schließlich erwachsen!

Und das Schlimme ist ja, dass ich theoretisch genau weiß, was „gut“ ist und was nicht. Ich bemühe mich, selbstbewusst durch mein Leben zu schreiten. Mir hilft dabei der berufliche Erfolg und mein geliebter Ehemann.

Aber es gibt eben auch Situationen, die schwer fallen, z.B. wenn ich draußen ein Eis esse oder eine Portion Pommes…die Blicke mancher Menschen oder (im schlimmsten Fall) die ausgesprochenen Kommentare. Das ist nur schwer zu ertragen, trotzdem bemühe ich mich, da ich denke, dass ich zu mir selbst finden muss und es gelingt mir auch immer besser. Seit Jahrzehnten habe ich mir zum ersten Mal Kleider gekauft. Und trage nicht mehr nur „verhüllende“ T-Shirts, sondern mal etwas Figurbetontes, dann eben in Größe 50/52.  Wer das nicht mag, soll eben weggucken.

7. Nenne 3 Dinge, die Du an Deinem Körper liebst.

Meine Augen, meine kleinen Füße (35) und die Narben an meinen Bauch. Die Narben trage ich wie Auszeichnungen, denn sie bezeugen, was ich geschafft habe.

8. Gibt es noch etwas, was Du den Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

Mittlerweile gehe ich auch in die Sauna, da sieht man viele Menschen, die eben keinen perfekten Körper haben und bis jetzt ist auch niemand schreiend vor mir weggelaufen. Ich sehe dort natürlich auch Menschen mit tollen Körpern, die kann ich mir mittlerweile neidfrei ansehen.

Ich sehe natürlich auch Menschen mit unterschiedlichsten Figuren, Kleidungsstil, oder, oder, oder. Früher habe ich auch darüber gelästert: „Guck‘ mal, wie sieht der/die denn aus?“ Heute versuche ich, das nicht mehr zu tun, da ich von anderen Menschen auch möchte, dass sie mich so lassen, wie ich bin. Und ich habe gemerkt, dass es mir sehr hilft, andere Menschen NICHT zu beurteilen. Das hat mir eine ganz andere Sicht vermittelt. Ich lebe nach dem Motto: Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg‘ auch keinem anderen zu.

In schlechten Momenten schäme ich mich für mein Aussehen, aber dann überlege ich mir, was ich alles geleistet und geschafft habe und dass ich nicht nur mein Körper bin, sondern dass mein Geist mich ausmacht. Mal gelingt es besser, mal schlechter. Aber die besseren Momente werden immer mehr.

Vorgenommen für die Zukunft habe ich mir, mehr Sport zu machen. Ich möchte eine dicke, sportliche Frau sein. Das geht, da bin ich mir sicher. Mein Mann und ich fahren gerne und viel in den Urlaub und meine mangelnde Ausdauer zwingt mich oft dazu, irgendwo sitzen zu bleiben und zuzugucken. Das ich echt blöd. Daran möchte ich etwas ändern. Ich will keinen Marathon laufen oder ähnliches, aber mehr für meine Gelenke und mein Herz tun.

Ich finde das Self Love Sunday Projekt toll und es zeigt mir auch, dass Menschen, die meiner Meinung nach „schlank“ sind, auch Probleme haben und sich nicht so mögen wie sie sind.“

Was für eine wunderbare Erkenntnis und welch‘ wahre Worte! Von Herzen Danke an Dich, liebe Melanie, dass Du Deine Geschichte hier und heute mit uns teilst.

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday und eure Geschichte teilen? Ich bin ganz dringend auf weitere Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann. Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Außerdem wird es am 16. Juni zur Feier der 100. Folge ein Self Love Sunday Meetup geben! Falls ihr in Berlin seid: Kommt unbedingt rum!

Let’s spread some Self Love!