“Gut Aufgestellt” – das Rizzato Spa Consulting Gipfeltreffen 2.0 in Südtirol

Liebe Leute, heute kommen hier zwei Themen zusammen, die ich bisher in dieser Form noch nie gemixt habe: Zum einen möchte ich euch vom Rizzato Spa Consulting Gipfeltreffen 2.0, also einem brancheninternen Event berichten. Zum anderen bin ich aber auch fast geneigt, den heutigen Artikel mit “Spiritualität” zu vertaggen, denn es geht um Systemische Aufstellungen. Spannend? Aber hallo!

Veranstaltungsort war das Feuerstein Nature Family Resort in Südtirol, die Workshopleiter*innen sind Teil des KlarSteller Netzwerks und die Zielgruppe für den ganzen SPAss sind Hotelinhaber*innen, Direktor*innen und Führungskräfte in der Hotel-, Spa- & Tourismusbranche.

Ich kannte systemische Aufstellungen bisher nur im familiären Kontext und bei meinen persönlichen Erfahrungen mit diesem Thema war es immer so, dass am Ende alle geheult haben und unglaublich krasse Sachen passiert sind. Diese Erfahrungswerte auf den beruflichen Kontext zu übertragen, hat mich im Vorfeld ein klitzekleines bisschen überfordert. Umso gespannter war ich dann allerdings, was mich vor Ort erwarten und was innerhalb dieser Aufstellungen passieren wird.

Aber springen wir doch gleich rein! Am Tag meiner Anreise habe ich erstmal ein bisschen Zeit, das hauseigene Mountain Spa unter die Lupe zu nehmen. Wer mir auf Instagram folgt und in die Stories geschaut hat, dürfte ja einen authentischen Eindruck von dem 3.000m² großen Family Spa Bereich bekommen haben.

Neben dem Family Spa gibt es aber auch einen Bereich nur für Erwachsene, in dem ich größtenteils meine Zeit verbringe und der neben extrem originellen Sitzmöglichkeiten…

…auch mit einem Whirlpool mit sensationellem Blick auf den Wasserfall aufwartet!

Wenn ihr euch für das Thema “Family Spa” interessiert (dem ich hier auf I LOVE SPA ja nicht wirklich einen Raum gebe) klickt euch gerne mal durch die Website!

Ich für meinen Teil hatte ja “nur” mein inneres Kind dabei, aber das kam dafür voll auf seine Kosten. Nicht nur beim Chillen und Beobachten pastelliger Lichtinstallationen im Snoezelen Room, sondern auch beim Heuhüpfen in der Spielescheune.

Ich bin ja sowieso ganz stark für mehr Angebote, die das innere Kind abholen, aber vielleicht wäre ich da auch als einziger Mensch die Zielgruppe? Zusammenfassend bleibt also zu sagen: Ein wirklich schöner Bereich. Check!

Aber kommen wir zum eigentlichen Thema des Gipfeltreffens: “Gut aufgestellt”. Vielleicht für alle, die noch nie mit systemischen Aufstellungen zu tun hatten, vorab: Grundlage hierfür bildet das morphogenetische beziehungsweise morphische Feld. Hierbei handelt es sich um eine kollektive Form der Kommunikation, die für den Verstand nicht wirklich nachvollziehbar oder greifbar ist. Wir sind also alle miteinander verbunden und genau diese Verbindung, dieses Feld, macht man sich in systemischen Aufstellungen zunutze.

Falls ihr euch für wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema interessiert, ist The Global Consciousness Project von der Universität Princeton der Klick der Stunde!

Am ersten offiziellen Tag des Gipfeltreffens geht es dann nach dem Frühstück auch gleich los mit der Begrüßung und einer sich daran anschließenden Vorstellungsrunde. Und schon bei der Vorstellung läuft es so ab, dass die Teilnehmer*innen sich nach bestimmten Kriterien in Gruppen zusammenfinden. Erst anhand der Farbe auf dem Namensschild, dann nach Sternzeichen und last but not least nach der Herkunftsregion.

Und schwupps geht es auch schon so richtig los mit dem ersten Workshop. Ich lande zuerst bei Christian-K. Göwecke und dem Thema “Konzept & Markt” und da es einige Teilnehmer*innen gibt, die noch nie mit systemischen Aufstellungen zu tun hatten, vermittelt Christian erstmal einiges an Basics zum Thema, sodass wirklich alle abgeholt werden.

Bei systemischen Aufstellungen, sei es im familiären oder im beruflichen Kontext, geht es um Blockaden, die ihr zwar fühlt, euch aber nicht erklären könnt. Ihr kommt durch dieses Tool in eine “Erlebensposition” und erfahrt dadurch unmittelbar, also auch körperlich: “Was macht das mit mir?” Für die einzelnen Komponenten (Gefühle, Menschen, Gegenstände, whatever) nutzt man sogenannte “Stellvertreter*innen”. Stellvertreter*in kann jede*r sein. Hierzu braucht es keine besonderen Fähigkeiten. Oder um Christian zu zitieren: “Wer lebt, der fühlt und wer fühlt, kann Stellvertreter*in sein.”

In der ersten Aufstellung geht es um die Frage “Soll ich ein neues Hotel bauen?” und in der zweiten um den Umgang mit der hausinternen Bar. Ich bin selbst Stellvertreterin bei der ersten Aufstellung und finde es maximal faszinierend, wie unmittelbar man in so eine Rolle gleitet und das Feld wirkt. Wie klar man plötzlich fühlt, was stimmig ist und was nicht.

Und meine Erkenntnis des Tages: Eine systemische Aufstellung gipfelt nicht zwingend darin, dass am Ende alle heulen. Im beruflichen Kontext kann es sich mitunter sogar lustig gestalten.

Nach dem ersten Workshop geht es dann gleich weiter mit dem Plenum Neuromarketing. Hier lädt Karin Niederer uns zu einer Power Point Party von mehr als 100 Folien ein, die sich gewaschen hat. Es geht um Authentizität, die Digitalisierung, saubere Positionierung und die Generationen X, Y und Z.

Ihr wisst ja, dass ich mich gelegentlich ein bisschen darüber lustig mache, wie hart die Spa Branche nach wie vor Print feiert. Und auch hier und heute heisst es “Print aktiviert und regt an wie kaum ein anderes Medium. Digital kann man sich (optisch und akustisch) berieseln lassen, haptisch aber nicht. Print erzeugt Emotionen, transportiert die Marke und drückt Wertschätzung gegenüber dem Gast/Kunden aus.”

Und auch wenn ich im Jahr 2019 aufgrund der derzeitigen Zielgruppenverteilung auf die unterschiedlichen Generationen einen Marketing Mix aus hochwertigem, nachhaltigen Online Content und Print für die beste Option halte, gehe ich auch weiterhin nicht mit, was dieses exzessive Bejubeln und Feiern von Print angeht.

Ich denke, dass Teile der Generation X (zu der ich ja auch selbst zähle) sowie der Großteil der Generationen Y und Z Wurfsendungen aus Papier im physischen Briefkasten, die häufig auch noch in Plastik eingeschweisst sind, nicht nur aus Gründen der Nachhaltigkeit weniger stark feiert als die Spa Branche selbst. Aber wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass auch digital Emotionen erzeugt werden können, wenn man dem mehrheitlich trashigen Influencer Marketing mal den Rücken kehrt. Meiner Meinung nach werden zukünftig hochwertige, suchmaschinen-relevante Online Publikationen immer wichtiger werden, denn die Menschen, die nicht wissen, wie man ein Wellnesshotel googelt und die sich über Wurfsendungen im Briefkasten freuen, werden sukzessive wegsterben. Und da wäre es ja eigentlich ganz klug, wenn man sich schon mal so ein bisschen drauf einstellt.

Das ist aber auch der einzige Punkt, bei dem ich nicht mitgehe. Denn spätestens bei den Glücksmomenten hat mich Karin dann wieder. “People will forget what you said, people will forget what you did, but people will never forget how you made them feel.” True!

Also: Magic Moments und emotionale Erinnerungen vor Ort kreieren und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für die Digitalisierung schaffen! Gäste wollen online Treatments buchen, mobil bezahlen und ein ordentliches Responsive Design ist im Jahr 2019 auch nicht die schlechteste Idee. Mein Fazit zum Neuromarketing Vortrag: Alles in allem ganz schön viel, aber dennoch wertvoller Input in ziemlich kurzer Zeit!

Auf einen Apéritiv im Weinkeller, ein Abendessen in bester Gesellschaft und das Spotten echter Steinböcke in freier Wildbahn (danke Andreas!) folgen eine eher kurze Nacht und der zweite Workshoptag!

In Dagmar Rizzatos Workshop dreht sich nun alles um die Themen “Qualitätsmanagement & Personal”. Wir rekapitulieren erstmal, was bisher so passiert ist und teilen unsere Eindrücke. Mich hat sehr bewegt, wie schnell sich alle einlassen konnten und wie schnell sich selbst bei rationalen, skeptischen Menschen der Kopf ausschaltet und die Intuition greift. Nachdem wir alle geteilt haben, was uns aktuell innerhalb der Branche beschäftigt, geht es um die Entwicklung am Markt und um die Frage, wie wir darauf adäquat reagieren können.

Wir lernen über drei Situationen, in denen wir uns wortlos gegenübersitzen und uns nur anschauen, wie wichtig die innere Haltung ist und weil Unternehmensentwicklung immer bei der inneren Haltung beginnt, folgen anschließend Resonanzspiele zu den Kartenthemen. Wir lernen, wie sich Themen ziemlich zackig easy abfragen lassen und wie sie ihren Platz im System finden. Superspannend!

Das Fazit des zweiten Workshops: Wir befinden uns in einem Umbruch, weil unsere Strukturen nicht mehr greifen. Wir müssen beweglicher werden und neu denken. Es wird Lösungen geben, aber wir können nicht starr bleiben. Die ganze Nummer steht und fällt mit der inneren Haltung. BOOM!

Und dann steht auch schon der dritte Workshop mit Dr. Friedrich Assländer zu den Themen “Führung & Erfolg” an. Wir bilden Dreiergruppen und beantworten uns gegenseitig drei von Friedrich vorgegebene Fragen. Ich bin zu Tränen gerührt, weil meine beiden Gruppenteilnehmerinnen absolut umwerfende Dinge über mich sagen.

Wir lernen, wie sich durch diese kleine Übung die Beziehung zu unserem Gegenüber blitzschnell verändert und wie schnell wir alle in eine viel bessere Energie kommen. Führung heisst, die Beziehung aktiv zu gestalten. Sie findet immer auf Augenhöhe statt.

Bei der folgenden Übung muss ich dann leider schon zum Bahnhof flitzen, um meinen Zug nach München zu erwischen. Aber auch wenn ich den dritten Workshop nicht mehr bis zum Ende mitmachen konnte, hat der Input der vergangenen beiden Tage doch ziemlich viel in mir angeschubst.

Mein Kopf hat gelernt: Wann immer eine Person ein Team verlässt oder dazukommt, verändert das das gesamte System, und zwar sowohl in der Abteilung selbst, als auch über die Abteilung hinaus. Mit Aufstellungen lässt sich zackig das eigentlich Wirkende hinter vordergründigen Problemen sichtbar machen – und das nicht zwingend bis einer heult!

Mein aber vielleicht noch ein bisschen wertvolleres Learning: Es ist unglaublich heilsam, wenn ernstzunehmende Menschen einen Workshop leiten und von erdgebundenen Seelen reden, als wäre es das normalste der Welt. Ich kann euch gar nicht sagen, wie oft ich mir schon Sätze anhören durfte wie “Du bist zu empfindlich” oder “Du fühlst zu viel”. In den letzten beiden Tagen hatte ich erstmalig das Gefühl, dass meine Intuition und dieses “zu viel” eine Stärke und keine Schwäche ist.

Ich bin zwar gespannt wie ein Flitzebogen, aber dennoch gänzlich ohne Erwartungen angereist. Was ich mit dieser neu gewonnenen Erkenntnis nun anstelle, wird sich zeigen. Ich würde mich aber riesigst freuen, wenn das Gipfeltreffen in die nächste Runde geht, denn es füllt eine Lücke innerhalb der brancheninternen Fachveranstaltungen, die ich als ganz unglaublich wichtig empfinde. Eine Lücke, in der der Mensch nicht nur auf seinen Kopf reduziert und an rationalen Fakten gemessen wird.

Von Herzen DANKE dafür an die Veranstalter*innen sowie an das Workshop Team!

Mich habt ihr sehr berührt.

Jenny

Ich wurde von Rizzato Spa Consulting eingeladen. Um I LOVE SPA als Full Time Job bespielen zu können, arbeite ich mit einem Tagessatz. Diese Tatsache hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine Empfehlung. Ich schreibe nur über Spas und Behandler, die mich überzeugt haben – ganz unabhängig von meinem Tagessatz. Was mich nicht überzeugt, taucht nirgendwo auf.