Self Love Sunday #96 – Leah

Dass heute eine weitere Folge des Self Love Sunday online geht, haben wir einzig und alleine dem superspontanen Einsatz von Leah zu verdanken. Von Herzen Danke dafür und Vorhang auf für Leah und ihre Geschichte:

„Hallo! Ich bin Leah, 28 Jahre alt und habe lange darüber nachgedacht, ob ich hier mitmachen soll. Ich wusste nicht recht, was ich euch erzählen soll und in meinem Gehirn ist manchmal alles so wirr. Aber ich denke, die einzelnen Punkte helfen mir da weiter.

Als ich noch in der Grundschule war, hat mir meine Mama erzählt, ich hätte 5kg zu viel auf den Rippen und müsste das abnehmen. Später sind es 10kg geworden…

Etwas zu meiner Mama: Sie ist in einer Familie aufgewachsen, wo ALLE ein „Gewichtsproblem“ hatten und Oma immer wollte, dass alle abnehmen. Als sie meinen Vater heiratete, war sie leicht übergewichtig (laut BMI), aber sah umwerfend aus (meiner Meinung nach). Mein Vater fand sie dick, ihre Familie eh. Sie war unglücklich, hat viel gegessen und fast 60kg zugenommen.

Ich fand meine Mama toll. Weicher Bauch, grosse Brüste, das Kissen für meinen Kopf! Mir wurde trotzdem vermittelt, dass dünne Menschen mehr wert und glücklicher sind. Meine Oma hat sehr gern für ihre Kinder und Enkelkinder gekocht, einiges „gesund“, einiges „ungesund“, aber immer viel und lecker. Gleichzeitig hat sie aber immer gesagt, wir müssten abnehmen. Komisch, oder? Essen und sich gleichzeitig das anhören…

Als ca. 16-jährige wog ich weniger als jetzt. Natürlich kam eine Diät nach der anderen und somit rutschte ich in eine Essstörung. Man sah es natürlich nicht, ich war nur „normalgewichtig“, mein Stoffwechsel war hin und ich aß täglich ca. 400 Kalorien. Jeden Morgen vor der Schule ging ich ins Fitnessstudio…eine Qual!

Danach, als mein Körper irgendwann nach circa einem Jahr ausgehungert war, habe ich sehr, sehr viel gegessen….und dementsprechend zugenommen…bis ich 20kg zugenommen habe. In dieser ganzen Zeit hatte ich Depressionen, war sehr unglücklich und das Leben machte wenig Sinn.

Später, als junge Erwachsene, habe ich von jungen Männern gehört, ich wäre doch so hübsch, wäre ich doch dünner, dann würden mich auch mehr Typen wollen. Immer, wenn ich abnahm, waren manche Menschen, mit denen ich fast nie redete, interessiert wie ich doch abgenommen habe. Als ich zunahm, verstummten alle.

Als ich 20/21 Jahre alt war, lernte ich einen jungen Mann kennen. Er kam aus seinem Land hierher, um Arbeit zu finden und wir freundeten uns an. Er wurde mein bester Freund und Partner. Er hat mich immer so akzeptiert wie ich war, innerlich und äusserlich. Ich fing an, mich auch zu akzeptieren. Und das, obwohl ich diese 20kg mehr drauf hatte. Ja, habe ich angefangen, zu verstehen, dass glücklich sein nichts mit der Nummer auf der Waage zu tun hat.

Dieser Mensch hat mich immer bei allem unterstützt, was ich vorhatte. Das hat mir so sehr geholfen! Lockerer mit mir selber zu werden hat mir auch sehr geholfen, mich innerlich weiter zu entwickeln! Jetzt ziehe ich auch nicht mehr „irgendwas“ an, weil ich mich grad hasse und später, wenn ich abnehme, die hübschen Klamotten. Ich zieh mich JETZT hübsch an. Ich liebe Kleider!

Eins tut mir leid: Dass ich es nicht geschafft habe, alleine zu dieser Erkenntnis zu kommen. Naja, wir brauchen manchmal wohl Hilfe. Jetzt streichle ich über meinen Bauch, auch wenn er größer ist, als ich es gerne hätte. Jetzt ernähre ich mich bewusst – nicht, um abzunehmen, sondern um mir was Gutes zu tun! Sport nicht als Qual anzusehen, ist schwer, aber ich versuche, es als Spaß anzusehen und mit Freunden auch so Zeit zu verbringen.

Drei Sachen, die ich an mir liebe: Meinen Kopf und was dazugehört, meine Brüste und meinen Po. Ach, wisst ihr was? Ich liebe alles, nur mein Bauch nervt manchmal, aber alles ist ok.

Mein Ziel für die Zukunft: Wenn wir später Kinder kriegen, wird es meine Hauptaufgabe sein, ihnen zu zeigen, wie man sich liebt, mit sich gut umgeht! Denn Diäten sind eine Strafe für den Körper! Sie tun nichts Gutes! Nur Schlechtes! Liebt euch, Leute! Geht mit euch gut um! Denn ihr könnt andere nur so sehr lieben, wie ihr euch selbst liebt!“

Was für eine wunderbare und kraftvolle Message! Von Herzen Danke an Dich, liebe Leah, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Sie hat mich außerdem dazu veranlasst, zeitnah mal einen Artikel zum Thema „Sport & Bewegung“ zu veröffentlichen.

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday und eure Geschichte teilen? Ich bin ganz dringend auf weitere Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann. Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Und eine Facebook Gruppe zum Projekt gibt’s auch.

Let’s spread some Self Love!