Self Love Sunday #94 – Lorena

Folge vierundneunzig(!), liebe Leute! Wenn mir die Teilnehmer*innen für den Self Love Sunday immer mal wieder ausgehen, bin ich mir manchmal unsicher, ob das hier überhaupt alles Sinn macht. Und dann schickt mir jemand wie Lorena ihre Geschichte und ich denke so: Jenny, Du musst dieses Projekt um jeden Preis am Laufen halten! Aber lest einfach selbst:

“Hej! Mein Name ist Lorena und ich bin 26 Jahre alt. Ich bin ein aktiver Mensch, eigentlich von Natur aus recht sportlich, versuche viel zu unternehmen, mich immer wieder aus meiner Komfortzone zu schubsen, mich mit Menschen zu umgeben, die mich inspirieren und die ich wiederum irgendwie weiterbringen kann, liebe Konzerte und Festivals, lerne aktuell Gitarre und mache endlich wieder regelmäßig Sport. Ich ernähre mich außerdem vegan, versuche Müll zu reduzieren, wo es geht, bewusst und achtsam zu leben und einen hohen Wert auf Nachhaltigkeit zu legen.

Seit ich denken kann, habe ich mich irgendwie dick gefühlt. Als ich mal Fotos aus der Kindheit gesehen habe, war ich ganz überrascht, als ich feststellte, dass ich vor meinem 4. Lebensjahr eigentlich ein ganz normalgewichtiges, schlankes Kind war.

Bei mir zuhause war es nicht einfach und ich schätze, dass ich dann einfach irgendwann anfing, zu essen. Darüber habe ich verschiedene Theorien aufgestellt. Zum Beispiel, dass ich mich in jedem Bereich anpasste, brav und bescheiden war und dafür gelobt wurde, aber eben mein Körper meine Sache war, über die ich Kontrolle haben und in der ich nicht den Vorstellungen anderer entsprechen musste. Meine Art von Rebellion sozusagen. Leider war meine Mutter kein gutes Vorbild im Umgang mit sich selbst im Allgemeinen und erst recht nicht im liebevollen Umgang mit ihrem Körper.

Schon früh bekam ich von vielen Seiten zu spüren, dass ich mit meinen Fettpolstern „falsch“ war. In der Grundschule wurde ich mal Rollmops genannt. Als ich anfangen wollte, Fußball zu spielen (was mir im Übrigen soooo viel gebracht hat für mich selbst und was ich ziemlich gut kann), äußerte meine Mutter die Sorge, dass ich aufgrund meines Gewichts gehänselt werden könnte. Meine Patentante, bei der ich regelmäßig Freitage verbrachte, brachte immer wieder Sprüche, dass ich ja eigentlich diesen Keks nicht essen dürfte. Sprich: Mein Gewicht war irgendwie immer ein Problem. Meine weiblichen Vorbilder waren eigentlich alle ständig auf Diät. Also fing auch ich an, Diät zu halten, mich zu freuen, wenn abends im Bett mein Bauch knurrte, Lebensmittel in “gut” und “böse” zu unterteilen, Kalorien zu zählen…

Langfristig hat mich das alles nur dicker gemacht und dann, vor drei Jahren oder so, habe ich endlich begriffen, dass Diäten aus meinem Leben verbannt gehören! Ich befinde mich zwar auf meinem persönlichen Höchstgewicht, aber fühle mich dennoch so wohl wie noch nie! Natürlich gucke ich etwas neidisch auf den Körper meines 20-jährigen Ichs zurück, doch weiß ich auch, dass ich mich damals trotzdem dick fühlte und sehr auf mein Gewicht fixiert war, meinen Wert daran maß – obwohl ich rückblickend sagen muss, dass ich eine richtig gute Figur hatte und vor allem unglaublich fit war.

Doch so eine Figur ist nichts wert im Gegensatz zu der Gelassenheit, die ich jetzt mit dem Thema habe und vor allem der Akzeptanz gegenüber mir selbst! Ich habe Freundschaft geschlossen mit mir und meinem Körper und gebe ihm nicht die Schuld an irgendetwas. Ich habe begriffen, dass Essen für mich ein nötiger Mechanismus war, um nicht seelisch draufzugehen.

Ich bin dankbar, dass es auch heute noch ein super Alarmsystem für mich und mögliche seelische Nöte ist und mir die Möglichkeit gibt, aufzuhorchen und meinen Emotionen Raum zu geben. Ich habe Verständnis für mich selbst entwickelt und Akzeptanz für mich und den Punkt, an dem ich genau jetzt stehe. Es gibt Gründe. Ich freue mich, dass mein Leben von mehr als Gedanken an Essen, Kalorien und meine Figur erfüllt wird.

Letztes Jahr habe ich mir mal die Haare abrasiert, das war so gut! Irgendwie viel mehr als bloß eine Frisur. Plötzlich lag das Augenmerk viel mehr auf meinem Körper. Ich war zu der Zeit reisen und habe mich in Second Hand Läden ausgetobt, habe verschiedene Stile ausprobiert. Ich habe nochmal ein ganz anderes Gefühl für meinen Körper bekommen, außerdem habe ich mich etwas dem typischen Klischee einer attraktiven Frau entzogen beziehungsweise alternative Arten von Attraktivität ausgetestet. Auch das war und ist manchmal noch Thema bei mir, dass ich in vielen Dingen nicht typisch weiblich bin, mich Leute oft für lesbisch halten, ich aber eigentlich Männern gefallen will.

Ich habe gelernt, dass ich mich dafür aber nicht verbiegen muss, dass es Männer gibt, die mich gut finden wie ich bin und dass es die anderen nicht wert sind, Energie in mein äußeres Erscheinungsbild zu investieren! Mein Körper ist mehr als ein Objekt sexueller Begierde. Ich darf auch außerhalb von Sex nackt sein und Nacktheit bedeutet nicht automatisch Erotik.

Heute gefallen mir viele Dinge an meinem Körper. Ich mag meine muskulösen Beine, dass ich überhaupt schnell an Muskeln zulege, liebe meine Augen und meine Haare, meinen runden Po und auch meine kleinen Brüste, für die ich mich in der Pubertät noch sehr schlecht gefühlt habe. Ich weiß außerdem, dass mein Körper mehr kann als gut auszusehen. Ich bin dankbar, dass ich Treppen laufen und Fertigkeiten wie Gitarre spielen erlernen kann.

Mein Körper eröffnet mir die Möglichkeit, Sinnesfreuden wie Essen, Berührungen, Gerüche, ästhetische Anblicke und andere zu erleben. Ich merke, dass mein Wohlbefinden viel mehr von meinem Fitnesslevel und Aktivitätsgrad abhängt als von der Optik. Seit drei Wochen betreibe ich ein Sportprogramm, basierend auf Onlinevideos und schon seit der ersten Einheit habe ich mich soooo gut gefühlt! Objektiv ist glaube ich noch gar kein optischer Unterschied festzustellen, doch darauf kommt es wirklich nicht an. Mein Mindset ist gerade gerückt und ich freue mich über optische Veränderungen als Nebeneffekt. Viel, viel wichtiger ist mein seelisches Gleichgewicht und die liebevolle Einstellung zu meinem Körper. Der Wille, ihm Gutes zu tun.

Was ich euch noch mitgeben will: Ich studiere Medizin und habe sozusagen das Privileg, viele nackte Menschen zu sehen. Das klingt total bescheuert, doch als eben dieses habe ich es wirklich zu schätzen gelernt. Und wie ihr euch denken könnt: Es gibt so viele verschiedene Körpertypen und Eigenschaften, Formen, Farben, was auch immer. Noch dazu so viele Leute, die nicht gesund sein dürfen, sondern mit irgendeiner Einschränkung zurechtkommen müssen. Manche Einschränkungen kommen von heute auf morgen, plötzlich gehen ganz alltägliche Dinge nicht mehr.

Für alte Menschen ist die Selbstständigkeit oft das wichtigste, um so unabhängig wie möglich ihr Leben zu leben. Es geht um die Körperfunktionen, nicht allein um die Ästhetik! Ich glaube, niemand würde auf dem Sterbebett bereuen, nicht 5kg weniger gewogen zu haben. Also lasst uns doch bitte unsere kostbare Lebenszeit nicht mit irgendwelchen bescheuerten Diäten und falschen Prioritäten verschwenden.

In Wirklichkeit kommt es doch nur auf schöne Momente, auf wertvolle Zeit mit unseren Liebsten, auf grandiose Erfahrungen an. Wir sollten uns nicht fertig machen! Seid friedvoll zu euch selbst und zu anderen! Gönnt euch und der ganzen Welt! Verbannt Missgunst, Neid und Vergleiche aus eurem Leben! Seid mutig und statuiert eure eigenen Ideale! Und geht mal öfters in die Sauna!”

BÄM!!! Ich kann gar nicht so viele Ausrufezeichen hinter Lorenas Message setzen, wie ich ihrem Text Nachdruck verleihen möchte! Auch ich hatte während meiner Zeit als Physiotherapeutin, und später als Spa Therapist, mit vielen nackten Menschen zu tun und weiss genau, was sie meint. Daher: Von Herzen Danke an Dich, liebe Lorena, für das Teilen Deiner Geschichte und dieser empowernden Message!

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday und eure Geschichte teilen? Es gibt aktuell keine weiteren Teilnehmer*innen mehr und ich bin dringend auf weitere Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann. Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Und eine Facebook Gruppe zum Projekt gibt’s auch.

Let’s spread some Self Love!