Self Love Sunday #93 – Sandra

Der heutige Beitrag von Sandra ist ein super Beispiel dafür, dass ihr beim Self Love Sunday auch eure Geschichte teilen könnt, indem ihr euch einfach einige der 8 Fragen, die ihr hier weiter unten in türkis findet, rauspickt und beantwortet. Dadurch entsteht in der Regel ganz von alleine ein in sich sehr stimmiger Text. So wie heute. Vorhang auf für Sandra:

Stell’ Dich gerne kurz vor.

„Hallo, mein Name ist Sandra Priester. Ich bin 34 Jahre alt und komme aus einem kleinen Dorf, aus Hessen. Ich finde Dein Projekt großartig und wünsche mir mehr! Mehr Initiative, mehr Loslassen, mehr Machen, mehr Entspannung nach der Anspannung und im besten Fall: Keine Macht dem Urteil!

Und wenn ich noch einen Wunsch frei habe? Mach‘ weiter mit diesem wunderbaren Projekt.

Ich bin einen steinigen Weg gegangen – und kann ihn heute erst rückblickend verstehen. Um es in den Worten meines „geistigen Freundes“ Søren Kierkegaard zu sagen: Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden.

Heute kann ich sagen: Ja, ich verstehe ein wenig – in der Größe eines Staubkorns – mehr. Und doch nie alles. Ich darf mit dem, was ich habe, leben und damit zufrieden und dankbar sein. Und da ich dabei gerne authentisch bin, kommen Operationen oder Chemie (die Pille, siehe weiter unten/Vergangenheit) schon mal gar nicht (mehr) in die Tüte.

Authentisch zu sein, heißt für mich auch, mit dem zu arbeiten was ich habe und gerne mache.

Zur Zeit arbeite ich an einem Buch – ein großes Herzensprojekt. Dankbar darf ich im Flow und in Verbundenheit arbeiten. Ich bin da – ich bin hier. Ich verstecke mich nicht mehr. Und: Es gefällt mir!“

Gab es Situationen in Deiner Kindheit, an die Du Dich erinnerst und die Dein heutiges Körperbild geprägt haben? Eventuell in der eigenen Familie oder später in der Schule?

„JA! Natürlich. Da stecken einige Erlebnisse im „inneren Kind“. Um eine Erfahrung, welche sehr einschneidend war, zu nennen:

Zeitpunkt und Ort: 7. Klasse (eventuell auch 6. Klasse):

Ich bekam von meinen Mitschülern ein „Care Paket“ geschenkt. Darin befanden sich Parfüm, Gesichtsmasken, MakeUp sowie ein Rasierer. Bis zu diesem Tag hatte ich noch nie meine Haare rasiert. Es gab kein „Vorbild“.

Mein Klassenlehrer, damals sehr jung, wir waren seine erste Klasse, schaute in das Paket und sagte: „Ach endlich, Sandra, willst Du Dich auch mal schön machen.“

Ich war sprachlos, gekränkt, wütend, verletzt. Gebrochen. Auch heute triggert es alle Gefühle.

Doch heute weiß ich: Seine Aussage war scheiße! Er war jung, und ich noch jünger.

Ich plädiere heute für eine Grundausbildung in der Psychologie, um mit Schülern, mit seinen Schützlingen besser umzugehen. Ein Verstehen wollen! Eine gewaltfreie und aufrichtige Kommunikation. Supervision, falls auch ein Lehrer mal nicht weiter weiß, vor oder nach einer Situation. Aufklärung. Transparenz…alles Wünsche.

Bewertungen

Bewertungen passieren auf mehreren Ebenen. Für mich persönlich ist folgende besonders schlimm: Missfällige Augen auf meinem Körper. Das trifft mich am meisten. Ich lerne so langsam damit umzugehen beziehungsweise versuche, mich anders zu sehen, denn sehr vieles (meine eigenen Beurteilungen über mich und die Welt) findet doch zum größten Teil in meinem Kopf statt.

Ein paar Jahre mit Chemie

Ich nahm ein paar Jahre die Pille. Das gefiel meiner Haut sehr gut. Doch irgendwann wollte ich keine Hormone mehr nehmen , ich musste es ja auch nicht. Und meine Haut ging ab. Auch heute, mit 34 Jahren, habe ich jeden Tag „eine andere Haut“ – fettig, trocken, Rötungen, Pickel, Schuppen und so weiter. So muss ich es hinnehmen, annehmen und umwandeln, denn es ist ein schöner Satz: Jeden Tag bekomme ich eine andere Haut. Und so wahr!

Depressionen

Ja, sie sind auch in meinem Leben. Ich lebe jeden Tag, manchmal mit ihnen, doch mittlerweile ist vieles leichter. So ist das Leben. Kein Nullsummenspiel. Keine Waagrechte, sondern eine Kurve. Kein Schatten ohne Licht.

Wendepunkte

Ich habe augehört, „Krieg“ zu spielen. Ich habe aufgehört, mich zu beschimpfen. Das Leben ist schön. Und wenn es mal nicht schön ist (warum eigentlich? Achtung: Beurteilung) ist es noch lange kein Kampf. Oder Problem. Ich nenne es gerne Herausforderung.

Ich habe angefangen, mich besser zu verstehen. Ich habe angefangen, wohlwollend mit mir umzugehen. Ich habe angefangen, an meiner Kommunikation zu arbeiten. Ich habe angefangen, mich zu zeigen. Ich habe angefangen, Worte wie z.B. „Ohnmacht“ aus meinem Wortschatz zu streichen. Die Liste lässt sich seitenweise weiterführen…

Ich habe angefangen, als ich am Tiefpunkt war. Es gibt kein „zu spät“! Nur ein Jetzt und bleibe dran.

Ich habe angefangen, meine Fähigkeiten und Leidenschaften als Talente zu sehen, meine Sensibilität als Freund anzunehmen. Ich habe endlich gemerkt, was mir wirklich Spaß und Freude macht. Es war schon immer da, nur konnte ich es lange nicht sehen. Aber jetzt!“

Nenne 3 Dinge, die Du an Deinem Körper liebst.

„Meinen Mund, meine Arme, meine Schultern.“

Gibt es noch etwas, was Du den Leser*innen mit auf den Weg geben möchtest?

„Sei DU selbst, mit dem, was Du über dich weißt. Sei stolz drauf.“

Von Herzen Danke an Dich, liebe Sandra! Selten kam der Self Love Sunday so poetisch daher, wenn auch mit gewohnt starker Message. Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday und eure Geschichte teilen? Ich bin dringend auf weitere Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann. Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Und eine Facebook Gruppe zum Projekt gibt’s auch.

Let’s spread some Self Love!