Self Love Sunday #88 – Nana

Liebe Leute, der Self Love Sunday steht (wieder mal) vor dem Aus, weil es keine weiteren Teilnehmer*innen mehr gibt! Dass heute eine neue Folge online geht, ist Nanas Spontanität zu verdanken. Schickt mir also sehr gerne eure Geschichte, falls ihr schon immer mal mitmachen wolltet!

Aber erstmal Vorhang auf für Nana – und von Herzen Danke für Deine Teilnahme am Projekt:

„Ich weiß, dass ihr eure eigene Geschichte habt… Und auch wenn ihr schon viele andere Geschichten gelesen habt, möchte ich meine mit euch teilen und damit Jennys Self Love Sunday aktiv unterstützen.

Mein Name ist Nana, ich bin 32 Jahre alt und bin Mama von 2 Kindern. Mein Herz schlägt heute leuchtende Hippie-Boho-Vintage Vibes, aber das war nicht immer so.

Meine erste Erinnerung an negative Erfahrungen mit meinem Körper waren in Situationen, die Teenagern immer mal begegnen. Ich wollte unbedingt diese Jeans von meiner Freundin anziehen, weil wir rausgingen. Als ich nun in ihrem Kinderzimmer stand und diese Jeans anziehen wollte, bekam ich sie, ihr denkt es euch schon, nur bis über die Knie. Ich stand vor dem Spiegel und sah mich das erste Mal als „zu viel “. Zu groß. Zu dick. Zu viel.

Danach verschwimmt alles ein bisschen, aber ich weiß, dass mir nach und nach auffiel, dass alle Mädchen um mich herum kleiner, zierlicher, schöner und besser gekleidet waren als ich. Dieser Tunnelblick verfestigte sich, als auch nur diese Mädchen die ersten waren, welche einen Freund bekamen, ihre Periode, einen Roller fahren durften, und und und… Ja, richtig. Ich war blind für das Gesamtbild. Das Gefühl, ungeliebt zu sein und gleichzeitig auch nicht gut genug, nicht schlank genug, nicht cool genug und nicht wohlhabend genug, zog sich wie eine Schlinge in mir zusammen. Ich fühlte immer wieder, dass ich zu groß und zu dick war… Man fühlt sich so…wertlos.

Ich habe auf jegliche Art und Weise versucht, das zu kompensieren. Mit einer Erwartungshaltung an mich, die unnötig hoch war und manchmal heute immer noch ist.

Gleichzeitig habe ich diesen Druck in mir mit Essen wieder ausgeglichen. Ich weiß, das klingt verrückt. Ich fühlte mich zu dick und statt mir den Finger in den Hals zu stecken oder zu fasten bis zum Umfallen aß ich einfach immer mehr. Diese leckeren Sachen gaben mir für einen kurzen Moment etwas Schönes… Ein endloser Teufelskreis, der mir unter großem Stress auch heute noch so manches Mal begegnet.

Im Jahre 2012 bin ich einem Menschen begegnet, der mich auf das Thema „Yoga“ gebracht hat. Am Anfang war es einfach cool, weil es mir durch meine überdurchschnittliche Flexibilität ganz leicht fiel. Aber ganz langsam, schleichend auf Samtpfoten, kam der innere Effekt mit ins Spiel. Je regelmäßiger ich Yoga praktizierte, desto mehr spürte ich mich. Wer denkt, jetzt setzt die romantische Hintergrundmusik ein und über Nacht wurde ich der Star in „Plötzlich Prinzessin“, der hat sich geirrt.

Ich spürte mich. Aber mit einer schmerzhaften Wucht, die kaum zu ertragen war… Es hat mich unglaublich viel Kraft und eine sehr intensive Therapie gekostet, um damit zurecht zu kommen. Um dies auch zuzulassen und nach einer Weile sogar daraus zu lernen. Daran zu wachsen.

All‘ das hat sich auf meinem Körper abgezeichnet… Narben von OPs, Dehnungsstreifen von enormen Gewichtsschwankungen und Schwangerschaften, Muskeldysbalancen aus der Zeit, in der die einzige Art, mir gut zu tun war, auf der Couch zu liegen und was Leckeres zu essen und all die Tattoos welche für mich ein Ausdruck von Ästhetik, voller Bedeutungen und die Verbildlichung meines inneren Schmerzes sind.

Nun sitze ich hier, mache dieses Foto von mir und finde mich schön. Ja, ich finde mich tatsächlich schön. Ungeschminkt, keine frisch gemachten Haare vom Friseur und mit einem Lächeln auf meinen Lippen. Ja, ich bin hier. Mitten im Netz des Social Media. Freiwillig und voller Hoffnung, auch nur einem einzigen Menschen Mut zu machen.

Ich bin mittlerweile eine ausgebildete Yogalehrerin und unterrichte in verschiedensten Studios vor den Frauen, welche mich früher mit ihrer für mich scheinbaren Perfektion eingeschüchtert oder sogar neidisch gemacht haben. Obwohl ich immer noch groß und laut BMI um einiges zu schwer bin!

Da gibt es keinen Kampf mehr in mir, weil ich mich vergleiche. Keinen Neid. Ich feiere jeden Körper mit seiner Einzigartigkeit!

Ich hab‘ mich gern. Ich mag meine Tattoos, meine Haut, meine Lippen und meine Flexibilität. Ich akzeptiere nicht alles an mir, aber das ist okay. Daran arbeite ich! Liebevoll und größtenteils geduldig…

…und das einzige, was ich euch heute noch mitgeben möchte ist, dass es sich lohnt. Es lohnt sich, in den Schmerz, die Angst oder Verunsicherung hineinzutreten und daran zu arbeiten. Dahinter wartet ein großartiges Gefühl auf euch!

Alles Liebe

Nana“

Ich weiss nicht, wie es euch beim Lesen ging, aber für mich fühlen sich Nanas Zeilen an wie eine warme Kuscheldecke – und das, obwohl dieser alte Schmerz, den sie beschreibt, sehr spürbar ist. Von Herzen Danke an Dich, liebe Nana für das Teilen Deiner Geschichte!

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday und eure Geschichte teilen? Ich bin ganz dringend auf weitere Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann. Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Und eine Facebook Gruppe zum Projekt gibt’s auch.

Let’s spread some Self Love!