Self Love Sunday #86 – Sandra

In der 86. Runde des Self Love Sunday teilt Sandra ihre Geschichte mit uns. Wir standen im vergangenen Jahr bereits in Email-Kontakt und ich freue mich riesig, hier und heute schreiben zu können: Vorhang auf für Sandra und ihre Geschichte:

“Ich bin Sandra, 36 und ich bin Mama eines 12-jährigen Mädchens.

Durch meine Tätigkeit als Fotografin habe ich immer wieder mit den verschiedensten Arten von Körperformen und Gesichtern zu tun und oft kommen Frauen zu mir, die sich an verschiedenen Punkten mit sich auseinandersetzen und sich schön fühlen möchten. Sie gehen mit Fotos aus diesem Erlebnis und tun dann genau das. Sie fühlen sich schön. Das ist immer wieder ein ganz wunderbares Geschenk für mich.

Ich selber bin auch noch meilenweit von einer völligen Akzeptanz meines Äußeren entfernt, aber verfolge den Weg dieser vollumfänglichen Akzeptanz. Und meistens schau’ ich heute in den Spiegel und finde mich tatsächlich absolut okay.

Ich war als Kind schon immer leicht moppelig und in den Teenagerjahren hatte ich dann alles, was kein Teenie haben will. Übergewicht, Zahnspange und Brille. Wäre ich nicht den „Coolen“ hinterhergelaufen, hätte ich definitiv zur „Loser“ Truppe gehört in der Schule. Mit 16 oder 17 wollte ich dann auch „dünn“ sein – und demnach „gut genug“. Hab’ also angefangen zu hungern, viel zu viel Sport zu treiben und war am Ende frustriert, als ich zwar optisch schlank, aber völlig k.o. und unzufrieden mit mir und der Welt war.

Und dann fing das Wechselspiel zwischen „absoluter Kontrolle“ und „absolutem Kontrollverlust“ an. Es gab Zeiten mit viel zu viel Sport und viel zu wenig Nahrungsaufnahme. Darauf folgten Zeiten mit Fressattacken und keinerlei Bewegung. Die Waage war mein bester Freund und mein ärgster Feind zugleich.

Nach der Geburt meiner Tochter hab’ ich mich erneut absolut unwohl gefühlt und bin ein paar Jahre später dann wieder in eine Phase von Nahrungsverweigerung  – dieses Mal aber ohne Bewegung – gerutscht. Da ich mir aber über meine Vorbildfunktion im Klaren war, hab’ ich mir dann Hilfe gesucht. Die Therapie hat mir – neben vielen anderen Themen – geholfen, meine Essstörung in den Griff zu kriegen und zu stabilisieren.

2006 und 2018 haben diverse Kiefer-Operationen (aufgrund einer Kieferfehlstellung und deren falscher Korrektur im ersten Anlauf) dazu beigetragen, dass ich mir viel zu viele Gedanken über mein schiefes Gesicht gemacht habe. Aber auch hier kann ich heute, 3 Monate nach der letzten OP sagen: Ich bin froh, dass ich mir hab’ helfen lassen. Es ist noch lange kein Ende in Sicht, aber ich mag mein Gesicht heute mehr als vor einem halben Jahr.

Wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich eine Frau, die okay mit ihrem Körper und auf dem Weg zum Okay mit ihrem Inneren ist. Natürlich gäbe es da und dort Verbesserungspotential, aber im Großen und Ganzen hab’ ich mich mit meinen Schwangerschaftsstreifen angefreundet. Habe akzeptiert, dass auch andere Körperregionen nicht mehr ganz so sitzen, wie sie es vielleicht mit 20 getan hätten, wäre ich da schon stabil gewesen.

Wenn ich mich anschaue, stelle ich fest, dass ich meine Schultern und Arme mag. Durch den – mittlerweile fest in den Alltag integrierten Sport – hat sich am Oberkörper eine für mich hübsche Form entwickelt. Meine Lippen mag ich. Sie sind nicht zu schmal und nicht zu voll. Und ich mag meine Ohrläppchen. Die haben trotz der 12 mm-Dehnlöcher eine hübsche kleine Form beibehalten. Ich kann mich heute im Spiegel anschauen und kann den Blick verweilen lassen.

Ich lege jedem Menschen, der sich unwohl mit sich selber fühlt ans Herz, Spiegeldates mit sich zu vereinbaren. Schau’ Dich an. Schau Deinen Körper an. Und konzentriere Dich auf Körperregionen, die Du magst. Die anderen kennst du schon.”

Von Herzen Danke an Dich, liebe Sandra für das Teilen Deiner Geschichte. Bei den gedehnten Ohrläppchen habe ich mich selbst kurz ertappt gefühlt, aber: Ja, ja, ja zu mehr Spiegeldates!

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday und eure Geschichte teilen? Ich bin dringend auf weitere Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann. Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Und eine Facebook Gruppe zum Projekt gibt’s auch.

Let’s spread some Self Love!