Self Love Sunday #85 – Dorothea

Ich freue mich riesig, dass heute bereits die 85. Folge dieses Projektes online geht, das mir so sehr am Herzen liegt. Ohne die ganzen Teilnehmer*innen würde das alles nicht funktionieren. Daher möchte ich mich heute bei Dorothea bedanken. Vorhang auf für ihre Geschichte!

„Auch meine Körpergeschichte dauert schon mein ganzes Leben an, wie bei allen, die sich hier beschreiben. Ich wuchs in einer Atmosphäre auf, die ich als schambesetzt und lustfeindlich beschreiben würde. Nacktheit gab es zu Hause nicht, Körper und Sexualität waren nicht vorhanden, ein Tabu.

Mein Körper entwickelte sich relativ früh, sodass ich mich an Jungs-Begriffe wie „Tittenmonster“ (als 12-jährige) auf ewig erinnern werde. Trotz meiner durchschnittlichen Schlankheit versteckte ich mich. Aus heutiger Sicht finde ich es bemerkenswert, dass mein körperlicher und mein seelischer Zustand schon immer Hand in Hand gingen. Schicksalsschläge machten mich unglücklich, ich wollte verschwinden. Ein Körpergefühl gab es damals für mich nicht.

Viele Jahre hatte ich selbstzerstörerische Tendenzen, auf beiden Ebenen. Mein Körper war mir egal. Ich rauchte, trank viel Alkohol, aß irgendwas. Hatte unglaubliche Sehnsucht nach Nähe, konnte sie aber nicht in realen Beziehungen stillen, verliebte mich stets in die Falschen. Richtigen Sex hatte ich erst so spät, dass niemand erfuhr, dass es das erste Mal war. Es geschah nicht aus Liebe, sondern weil ich etwas spüren wollte. Wenn schon nichts fürs Herz, dann sollte doch wenigstens der Körper etwas bekommen. Der Kontakt zu fast fremden Männern fühlte sich immer sehr hohl an, aber trotzdem gab es mir etwas, das sich lohnte und eben kurz zufriedenstellte. Es war aber so, als habe mein Körper mit mir als Person nicht viel zu tun. Später haben mir positive Liebesbeziehungen einen Zugang zu mehr gesundem Körperempfinden geebnet.

Auf den richtigen Weg zu meinem Körper mit mir selbst kam ich durch Körperarbeit in meiner Ausbildung und meinem Beruf. Meine Hände mochte ich schon immer. Ich bin Musikerin, sodass meine Hände sehr viel können und eine große Ästhetik und Energie in sich bergen. Im Chor und in der Stimmbildung lernte ich zu atmen. Ich bin Therapeutin und habe viel Selbsterfahrung hinter mir, wobei die eigene Körperwahrnehmung oft eine wichtige Rolle spielte. Meine Empfindsamkeit, auch körperlich, wurde so zu meiner Stärke.

Außer meinen Händen mag ich noch meine Arme, meine Haare, meine Augen, manchmal meine Brüste und meinen Rücken.

Ich bin in vielen Ländern viel und weit gewandert und habe erfahren, wie stark mein Körper ist und wie weit meine Füße mich tragen können. Zwei Schwangerschaften innerhalb von zwei Jahren haben mir bewiesen, dass mein Körper Unglaubliches zustande bringt und aushält. Das hat mir Frieden und Stolz gebracht, ich habe viel Respekt vor meinem Körper.

Eine Kaiserschnittnarbe erinnert mich täglich daran, wie wertvoll die Medizin heutzutage ist und wie wenig wir unser Leben in der Hand haben. Und auch daran sehe ich, voller Dankbarkeit, was mein Körper fast mühelos kompensieren kann und wozu er alles geschaffen ist. Dass er, ohne dass ich es wusste, so unendlich viel Kraft und Geborgenheit aufbringt, zum Halten, Tragen, Stillen und Umarmen.

In mir ist es ruhiger geworden. Einmal habe ich mich getraut, im Bikini an einem paradiesischen Strand Yoga zu machen. Es war ein tolles, befriedigendes Gefühl, sich zeigen zu dürfen und trotzdem ganz bei mir zu sein. An diesem Punkt möchte ich gerne weiterkommen.“

Von Herzen Danke an dich, liebe Dorothea für das Teilen Deiner persönlichen Geschichte!

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday? Ich bin aktuell wieder ganz dringend auf weitere Freiwillige angewiesen, damit das Projekt weiterlaufen kann. Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Und eine Facebook Gruppe zum Projekt gibt’s auch.

Let’s spread some Self Love!