Päonie – das erste V-Spa in Berlin

Dass ich auf koreanische Kosmetik stehe, dürfte ja längst kein Geheimnis mehr sein. Nachdem ich mich in der Vergangenheit aber schwerpunktmäßig mit pinken Augenbrauenrasierern, Gesichtsmasken im Erdbeer-Look und fancy Lip Patches beschäftigt habe, möchte ich der Thematik heute mal etwas mehr Tiefe verleihen und meine erste V-Spa Experience mit euch teilen.

“V-WHAT?” dürfte sich der eine oder die andere nun vielleicht fragen – denn ja, Vagina Steaming ist hierzulande noch nicht sehr bekannt. “Vagina Steaming? Ist das jetzt ihr fucking Ernst?” Ist es. Wenn ihr die stumpfsinnige Berichterstattung um Gwyneth Paltrow in diversen Frauenmagazinen mal ausblendet, haben wir es hierbei nämlich mit einer 600 Jahre alten, koreanischen Tradition zu tun, die ihre Wurzeln in der Traditionell Chinesischen Medizin hat und der ein oder anderen von euch zukünftig in Sachen Menstruationsbeschwerden und Co. das Leben erheblich erleichtern könnte.

Das erste V-Spa in Berlin ist erst wenige Monate alt und hört auf den Namen Päonie. Päonie ist der lateinische Begriff für Pfingstrose und die Pfingstrose ist in Japan das Symbol für weibliche Schönheit. Hyangsook Kim (oder auch einfach “Rika”), die Frau hinter Päonie, hat selbst japanisch-südkoreanische Wurzeln und bietet neben Vagina Steaming in ihrem Salon auch Facials und Body Treatments an. Mein Fokus soll heute aber mal auf dem Vagina Steaming liegen, denn wenn ich das richtig verstanden habe, ist Päonie nicht nur die einzige V-Spa Adresse in Berlin, sondern in ganz Europa. Check!

Im Vorfeld haben einige Menschen in meinem direkten Umfeld skeptisch eine Augenbraue hochgezogen, als ich von meinem bevorstehenden Besuch bei Rika berichtete, aber für mich persönlich hat sich der ganze SPAss bereits bei der Vorab-Recherche zu exakt null Prozent schlüpfrig oder sexualisiert angefühlt. Und ich habe ja auch bereits über Bikini Waxing geschrieben. So what?

Als der große Tag gekommen ist, mache ich mich auf den Weg in die Zimmermannstraße 17 in Steglitz. Das sind schätzungsweise 5 Minuten Fußweg vom U-Bahnhof “Schloßstraße”. Rika erwartet mich bereits, begrüßt mich herzlich, nimmt meinen dicken Wintermantel und meinen Schal entgegen, bittet mich, die Stiefel auszuziehen und bietet mir Schlappen an, die bereits äußerst koreanisch anmuten. (Ihr seht sie weiter unten.)

Dann lassen wir uns erstmal auf den beiden rosafarbenen Sesseln nieder und unterhalten uns ein bisschen. Ich erfahre, dass Rika seit 4 Jahren in Deutschland lebt und dass ein V-Spa Besuch in Korea und Japan für viele Frauen nach Entbindungen oder in den Wechseljahren ganz selbstverständlich ist. Und da wir es hier ja mit einer Kultur zu tun haben, die deutlich reservierter mit Nacktheit umgeht, als das an einem Badesee im Berliner Umland der Fall ist, bin ich gespannt wie ein Flitzebogen, wie sich die heutige Behandlung ganz konkret gestalten wird.

Nach unserem Plausch führt Rika mich nach hinten in den Raum, in dem zwei V-Spa Stühle stehen. Sie reicht mir einen Umhang mit Klettverschluss, der locker bis zum Boden reicht und deutet auf einen Umkleidebereich hinter einem Vorhang. Ich soll alles ausziehen, mir den Umhang umbinden und mir das weiße Handtuch über die Schultern legen.

Für Frauen, die an Saunieren in Deutschland gewöhnt sind, fühlt sich das alles ganz schön eingepackt an. Es dürfte aber auch dafür sorgen, dass sich selbst bei der schambehaftetesten Person keinerlei Schamgefühl einstellt. Und so sieht das dann von oben aus:

Für die nun folgende Bedampfung könnt ihr eines aus insgesamt 5 “Kräuterpaketen” wählen. Je nach euren ganz individuellen Bedürfnissen könnt ihr euch beispielsweise für “Menses” oder “Skin” entscheiden. Der Tee und die Kräuter, mit denen bedampft wird, sind immer aufeinander abgestimmt. Daher heisst es hier und heute sowohl in Sachen Tee, als auch bei den Kräutern für mich: “Chill”.

Paeonie Berlin V-Spa

Hier seht ihr die beiden Stühle, die zur Bedampfung genutzt werden. Den rechten hat Rika bereits für mich vorbereitet:

Rika hilft mir mit dem ganzen Stoff beim Hinsetzen und drapiert ihn um den Stuhl herum. Ihr seht das ja oben im Titelbild ganz gut. Gleichzeitig wird ein Tee gereicht. Und dann geht’s auch schon los!

Über eine kleine Fernbedienung zu eurer rechten könnt ihr den Bedampfungsgrad regulieren, seht die Minutenanzahl und könnt auch ganz ausschalten, wenn es euch zwischendrin mal zu warm wird. Das erklärt Rika aber auch nochmal ziemlich gut. Dann verlässt sie den Raum und fordert mich auf, das Kännchen mit dem chilligen Tee während der nun folgenden Bedampfungsdauer von 30 Minuten auszuschlürfen.

Zwischendurch kommt sie mal rein, um nachzufragen, ob alles okay ist und sie ist, auch ganz losgelöst davon, auf eine äußerst reizende Art zu jeder Zeit stärkstens um mein Wohlbefinden bemüht. Und was soll ich sagen? Der ganze SPAss hier ist nicht bloß “okay”, sondern fühlt sich absolut grandios an! Dadurch, dass eure Füße auf diesem Holzvorsatz stehen, werden sie ebenfalls erwärmt.

Nach etwa 15 Minuten schalte ich kurz aus, weil es mir in der Tat ein bisschen zu warm wird, schalte dann nach 2-3 Minuten aber wieder ein und reguliere die Temperatur im Anschluss ein wenig runter. Es fühlt sich ein bisschen an wie ayurvedisches Schwitzen, nur sehr viel stärker aufs Wurzelchakra zentriert. Alles in allem eine extrem angenehme Sache, denn machen wir uns mal nichts vor: Wärme im Bereich des Unterbauchs ist einfach immer der Hit! Wer sich mit TCM ein bisschen auskennt und öfter mal zur Akupunktur geht, weiss ja um die Relevanz von Wärme vs. Kälte.

In Sachen V-Spa gibt es zwei klassische Methoden. Einmal die trockene, bei der mit Infrarotwärme gearbeitet wird und einmal die feuchte. Hierzu werden spezielle Kräuter in Wasser eingelegt und dann erwärmt. Der Dampf , der dabei entsteht, wirkt entgiftend, desinfizierend, entspannend und lindert Unterleibsbeschwerden. Das Vagina Steaming bei Päonie ist ein Mix aus beiden Methoden. Ziel der ganzen Action ist es, Sympathikus und Parasympathikus wieder in Einklang zu bringen.

Wenn ich die TCM richtig verstanden habe, dann haben zwei sehr relevante Meridiane ihren Ursprung im Bereich des Dammes, die auch im Zusammenhang mit Beschwerden im Unterbauch stehen können und durch den thermischen Reiz positiv beeinflusst werden können. Also so erklärt sich die positive Wirkung auf diese ganzen Themen rund um den Uterus.

Das Spa Menü auf der Website switched beim Anklicken irgendwie in koreanische Schriftzeichen, aber falls ihr das jetzt selbst ausprobieren wollt, gibt es einen Kennenlernpreis, ganz exklusiv für die Leserinnen von I LOVE SPA. Wenn ihr bei der Buchung “I LOVE SPA” mit ansagt, zahlt ihr für den ersten Termin nämlich nur 30€ statt 35€ (Stand: Januar 2019).

Wenn ihr also entbunden oder mit Menstruationsbeschwerden zu tun habt oder aber euch mit Symptomen der Menopause rumplagt oder unter immer wiederkehrenden Entzündungen leidet, halte ich dieses Treatment für absolut ausprobierenswert!

Aber selbst wenn auf euch, wie ja auch auf mich, nichts dergleichen zutrifft, ist so ein Vagina Steaming eine absolut grandiose Erfahrung, bei der ihr mal so richtig von Grund auf durchgewärmt werdet. Dieses Wohlgefühl hielt noch einige Stunden an und fühlt sich gänzlich anders an als Wärmeanwendungen über die Haut wie beispielsweise Moorpackungen. Wäre Steglitz nicht (von mir aus gesehen) am anderen Ende der Stadt, würde ich das in der Tat auch einfach mal zwischendurch nur zum SPAss machen.

Es gibt nur zwei Dinge zu beachten: Ihr solltet eine Stunde vorher nichts essen, damit euer Bauchraum nicht mit der Verdauung beschäftigt ist und ein Vagina Steaming sollte nie während der Menstruation durchgeführt werden.

Ich für meinen Teil bin restlos begeistert. Probiert auch ihr das unbedingt mal aus!

Jenny

Edit 30. Januar 2019: Ich war zwischenzeitlich auch nochmal mit meiner Freundin Tara bei Päonie und kann euch den ganzen SPAss auch als Freundinnen Package nur wärmstens empfehlen.

Ich wurde von Rika eingeladen. Diese Tatsache hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine Empfehlung. Ich schreibe nur über Spas und Behandler, die mich überzeugt haben – ganz unabhängig davon, ob ich selbst dafür bezahlt habe oder eingeladen wurde. Was mich nicht überzeugt, taucht nirgendwo auf.