Self Love Sunday #79 – Noemi 2.0

Zunehmen ist kein menschliches Versagen und kein Weltuntergang. Gerade zum Jahresbeginn wird uns beides aber gleichermaßen unentwegt im Außen suggeriert. Daher freue ich mich wie blöd über das Update von Noemi, das für ganz viele Menschen da draußen Balsam für die Seele sein dürfte. Enjoy!

“Ich hab mich sehr gefreut, als Jenny mich erneut für den Self Love Sunday angefragt hat, denn für mich hat sich in Bezug auf mein Körperbild dieses Jahr viel getan. Meine Vorgeschichte möchte ich jetzt nicht noch mal in aller Ausführlichkeit erzählen (das könnt ihr hier nachlesen), nur so viel, sie war sehr typisch:

In jungem Alter mit Diäten angefangen und daraufhin eine Binge Eating Disorder entwickelt, sehr viel zugenommen und auch schon sehr viel wieder abgenommen. Erst vor einigen Jahren habe ich mich endgültig von Diätgedanken verabschiedet, ernähre und bewege mich inzwischen intuitiv – was eine der besten Entscheidungen meines Lebens war! Durch das intuitive Essen und bewegen habe ich gelernt, auf meine Bedürfnisse zu achten und sie ernst zu nehmen. Genuss und Freude an Bewegung hatte ich jahrelang aus meinem Leben verbannt und endlich wieder für mich zurück gewonnen.

Aber zurück zu meinem Körper! Das letzte Jahr war sehr turbulent für mich und das spiegelte sich an meinem Körper wider. Ich habe meinen gut bezahlten, unbefristeten Job aufgegeben, um als Women’s Life Coach und Yogalehrerin zu arbeiten. Ich hatte die ersten Erfolge und die ersten Niederlagen dabei. Ich hatte eine wunderbare Yogaroutine aufgebaut und auch wieder schleifen gelassen. Ich hab mich teilweise sehr viel bewegt und war dann wieder wochenlang ziemlich immobil, da mein Kopf mich so beschäftigt hat.

Und da das Jahr eine einzige emotionale Achterbahnfahrt war, ist es passiert: Ich habe zugenommen. Das bemerkte ich nicht auf der Waage, denn die hab ich vor Jahren weg gegeben, aber an meinen Klamotten. Ganz konkret und unmissverständlich an dem Morgen, als ich eine enge Bluse anziehen wollte und sie fast nicht mehr über die Arme bekam. Als dann noch ein Knopf absprang, musste ich schon lachen, so slapstick-mäßig war die ganze Situation!

Weshalb habe ich zugenommen? Es gab tatsächlich viele Tage, in denen ich mehr emotional gegessen habe als zuvor, das heißt mehr gegessen, weil es mir nicht gut ging. Emotional essen ist nämlich nicht nur „böse, weil es dick macht“, sondern es hat auch eine Funktion: Es kann eine Methode sein, auf Stress und Herausforderungen zu reagieren und uns zu beruhigen. Und das ist manchmal völlig okay! Dazu kam die wenige Bewegung über einen längeren Zeitraum.

Der riesige Unterschied zu früher: Es macht mich nicht mehr fertig, dass ich zugenommen habe. Ich weiß, dass meine Zunahme nicht das Problem und Abnehmen nicht die Lösung ist. Was mich unzufrieden macht, sind die Umstände, wie es mir geht, meine Zunahme ist lediglich das Symptom.

Denn: FAT IS NOT A FEELING

Das heißt, egal wie fett oder nicht fett jemand tatsächlich ist, das Gefühl „Ich bin dick“ wird oft als einfache Antwort genommen, obwohl wir eigentlich etwas anderes meinen. Denn wir leben in einer so fett-phobischen, diätfixierten Gesellschaft, dass wir gelernt haben, unbekannte Gefühle, ein diffuses Unwohlsein als „Ich bin zu dick“ abzustempeln. Wie kann es auch anders sein, wachsen wir doch auf und lernen schon als kleine Kinder: Wenn jemand abnimmt, loben wir ihn und wenn jemand zunimmt, hat er versagt.

Aber eigentlich liegen diesem diffusen „Ich bin zu dick“ ganz andere Gefühle zugrunde und wir können lernen, sie zu benennen, wenn wir uns Zeit dazu nehmen, in uns reinzuhören und wirklich neugierig zu beobachten, was denn unser tatsächliches Problem ist. (Außen vor lassen möchte ich hier die tatsächliche Diskriminierung, die man als fetter Mensch in unserer Gesellschaft erfährt. Das ist eine tatsächliche Benachteiligung aufgrund des Gewichts und dagegen müssen wir ankämpfen!)

Für mich war meine Zunahme vor allem ein Zeichen meines Körpers, mir zu sagen, dass ich mich wieder mehr um mich kümmern und mich mehr bewegen möchte. Nicht um abzunehmen, sondern weil es mir besser geht, wenn ich meinen Gefühlen Raum gebe und anders darauf reagiere, als sie mit emotionalem Essen zu beruhigen. Weil es mir besser geht und ich ausgeglichener bin, wenn ich mich bewege (schließlich gehöre ich der Gattung Mensch an, die geboren wurde, um auf ihren Beinen herumzulaufen ;)).

Und ein bisschen hab ich mich auch über die Veränderung meines Körpers gefreut: Weil ich dadurch bemerkt habe, wie weit ich mit meiner Selbstannahme gekommen bin! Mit welcher Gelassenheit, inneren Ruhe und sogar Humor ich auf das reagiert habe, was mich früher in totale Panik versetzt hat. Mein Wert liegt nicht in meinem Äußeren, das weiß ich inzwischen ganz genau. Und das Tolle ist, wenn ich das geschafft habe, dann kann es jeder schaffen! Mit Geduld und Zeit und ganz viel Verständnis für sich. Deshalb mein Appell an euch für das neue Jahr:

Ihr seid jetzt schon gut, genau so wie ihr seid! Veränderung funktioniert aus Liebe, nicht aus Hass.

Fangt klein an und vertraut darauf, dass euer Verhältnis zum Körper besser werden wird. Und dann freut euch über jeden kleinen Erfolg – Auch wenn er auf den ersten Blick wie ein Misserfolg aussehen kann. ;)

PS: Um ganz ehrlich zu bleiben: So ein halbnacktes Foto zu machen ist immer noch eine Herausforderung für mich. Aber ihr wisst ja, was man sagt: Mut ist, wenn man es trotzdem macht.”

Noemis Worten bleibt wohl nichts mehr hinzuzufügen. Bäm! Von Herzen Danke dafür!

Wollt ihr selbst mitmachen beim Self Love Sunday? Dann einmal hier lang.

Let’s spread some Self Love!