Self Love Sunday #78 – Caroline 2.0

Die nächsten beiden Self Love Sunday Beiträge liegen mir ganz besonders am Herzen, denn sie zeigen sehr schön, dass es nicht bloß die Gruppe derer gibt, die mit ihrem Körperbild struggelt und die Gruppe derer, die den ganzen Scheiss hinter sich gelassen und hier in einer den letzten 77 Runden das Self Love Sunday Schild hochgehalten hat.

Wir haben alle Phasen, in denen uns der Druck, der von der milliardenschwerden Diätindustrie ausgeht (und der gerade jetzt zu Jahresbeginn auf uns allen lastet), zu viel wird. Auch an mir geht das alles natürlich nicht spurlos vorbei. (Vielleicht erinnert ihr euch.)

Umso mehr freue ich mich, dass Caroline heute ein Update mit euch teilt!

„Knapp 1 Jahr ist es nun her, dass ich beim Selflove Sunday dabei war. Seitdem hat sich in meinem Leben und auch an meinem Körper viel verändert.

Das schlimmste, was in Bezug auf Body Shaming passieren kann, ist für mich eingetreten: Ich habe in diesem Jahr zugenommen. Und nicht nur das. Ich bin auch in meine Essstörungs-Symptomatik zurückgefallen. Dies ist das erste Mal, dass ich in der Öffentlichkeit darüber spreche.

Ich habe mich vorher wohl zu sehr geschämt, mich wie eine Versagerin gefühlt. Hatte ich nicht lauthals verkündet, dass ich die Bulimie hinter mir gelassen habe?

Dazu kam im April noch eine langwierige Verletzung am Fuß, die es mir quasi unmöglich machte, irgendwelche körperlichen Aktivitäten auszuführen – nicht mal ein Spaziergang war schmerzfrei möglich.

Eine Vielzahl an psychischen Belastungsfaktoren, auf die ich jetzt nicht alle eingehen möchte, kamen als Sahnehäubchen noch obendrauf. Et voilà – der Teufelskreis, der mich zurück zu Selbstablehnung und Selbsthass führte, war perfekt.

Es war ein verdammt hartes Jahr und ich weine ihm keine Träne nach. Und doch habe ich mich in tiefer Dankbarkeit von 2018 verabschiedet. Denn so schmerzhaft und leidvoll dieses Jahr auch für mich war, so wahnsinnig überlebenswichtige Lektionen habe ich in diesem Jahr gelernt.

Was ist passiert?

Das gesamte Jahr über war ich mit meinem körperlichen Zustand im Widerstand. Mit der Verletzung, mit der Gewichtszunahme, mit den Essanfällen und dem Erbrechen. Die Veränderungen, die an meinem Körper geschehen sind, gefielen mir ganz und gar nicht!

Mein gesamter Körper ist weicher geworden (weniger Muskelmasse), mein Gesicht hat Falten bekommen vom endlosen Weinen, von den niemals enden wollenden Sorgen, dem emotionalen und physischen Schmerz, von schlaflosen Nächten und sicher auch vom Erbrechen. Ich habe eine große Brandnarbe auf meinem Oberschenkel von einem „Missgeschick“, bei dem ich alles andere als selbstfürsorglich war.

Was habe ich gelernt?

Von meinem Standpunkt heute kann ich sagen, dass ich diese Lektionen bitter nötig hatte. Denn auch wenn ich immer noch jung bin, habe ich verstanden, dass ich nicht den Rest meines Lebens so weitermachen kann wie bisher. Meine Bilanz bis hier hin war etwa eine Sportverletzung pro Jahr. Nach jeder Verletzung dachte ich: „Ok, dieses Mal habe ich es verstanden.“ Aber dem war nicht so. Es hat wohl diesen krassen Einschnitt gebraucht, um zu verstehen, dass ich auch mit einem weichen Körper ein wertvolles Individuum bin, das von anderen Menschen geliebt wird. Und zwar ganz egal, wie mein Körper aussieht.

Seit meiner Zeit in Bali (knapp 3 Wochen) habe ich wieder mit Yoga angefangen. Und ich merke, dass mein Körper sich verändert und wieder stärker wird. Ich beobachte auch, dass die alten Gedanken wieder auftauchen: „Toll endlich wieder Muskeln, Bewegung, bald siehst du wieder aus wie vor einem Jahr.“ Und ich lasse sie liebevoll geschehen. Ich versuche, mich nicht gegen diesen Gedankenhaufen zu wehren, denn das würde mich wieder nur in den Widerstand bringen und da war ich nun wirklich lange genug! Nein. Ich handle einfach anders.

Ich habe einen All-In Pass für ein wunderbares Studio hier in Bali. Und trotzdem gehe ich nicht jeden Tag dorthin. Denn ich spüre, wann mein Körper Zeit zum Regenerieren braucht und wenn er müde ist. Und ich gebe sie ihm. Heute z.B. hänge ich den ganzen Tag nur rum, lese, schreibe Tagebuch und lebe von Mahlzeit zu Mahlzeit und es fühlt sich einfach nur richtig an. Das wäre vor einem Jahr undenkbar gewesen. Ein ganzer Tag ohne Bewegung?! Und womöglich noch ein zweiter hintendran? Unvorstellbar!

Heute nicht mehr.

Die Nachwehen von 2018 helfen mir, ruhiger zu werden. Ich lerne, einfach mal zu chillen (und das mit 27…).

An die Falten in meinem Gesicht gewöhne ich mich noch. Dafür gebe ich mir noch ein wenig Zeit. Die größte Lektion, die ich auf körperlicher Ebene erfahren musste, um sie wirklich zu verstehen und zu integrieren, ist diese:

Alles verändert sich stetig. Es macht einfach keinen Sinn, an einer bestimmten Form meines Körpers oder meines Gesichtes festzuhalten. Es führt nur zu Leid. Denn es wird sich verändern. Jeden Tag ist mein Körper ein bisschen anders als am Tag davor. Und ich werde älter. Diesen Prozess kann und will ich auch gar nicht aufhalten. Also nehme ich diese Lektion mit 27 dankend an.

Jede Falte ist ein Geschenk, denn sie bedeutet, dass mir mehr Zeit in diesem Körper auf diesem Planeten geschenkt wurde. Und ich bin so unendlich dankbar, dieses Leben zu erfahren, zu lernen und zu wachsen. Und ich will noch so viel mehr sehen, erleben und erfahren! Doch das kann ich nur mit einem gesunden und funktionierenden Körper!

Bali hat mir wirklich geholfen, mich wieder besser um mich selbst zu kümmern. Und ich werde alles geben, diese Selbstfürsorge in meinen Alltag in Deutschland zu integrieren. Aber ich weiß auch, dass Leid wiederkommen wird. Denn das ist der natürliche Lauf des Lebens. Selbstliebe ist etwas, an dem man täglich arbeiten muss! Ich gebe mein Bestes. Jeden Tag.

Die Bulimie habe ich übrigens seit September wieder hinter mir gelassen. Ob für immer kann ich jedoch nicht sagen. In die Zukunft schauen muss ich wohl noch lernen. Hier und jetzt fühle ich mich gut in meinem Körper. Mit jeder Delle und jeder Falte.

Es ist in Ordnung, Rückschritte zu machen. Es ist sogar manchmal notwendig, um vorwärts zu gehen. Und ich weiß: Ich bin alles vieles, aber bestimmt keine Versagerin.“

Hinter diesen letzten Satz möchte ich ein fettes, blinkendes Ausrufezeichen setzen. Du bist alles andere als das, liebe Caroline. Von Herzen DANKE für das erneute Teilen Deiner Geschichte.

Und jetzt zu euch: Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday? Ich suche händeringend Teilnehmer*innen, damit das Projekt weiterlaufen kann. Hier findet ihr alle Infos zur Teilnahme.

Und eine Facebook Gruppe zum Projekt gibt’s auch.

Also: Let’s spread some Self Love!