Self Love Sunday #73 – Jana

Auch Jana schickte mir vergangene Woche nach meinem Shoutout sehr spontan ihre Geschichte und ihr Bild zu. Es bedeutet mir sehr viel, dass mir unmittelbar nach diesem finalen Shoutout nun doch nochmal ein paar Geschichten in die Inbox geflattert sind. Daher: Von Herzen Danke dafür! Und Vorhang auf für Jana:

„Hallo, ich heisse Jana und bin 26 Jahre alt.

Konstanze hat mir diesen Sommer von diesem Projekt erzählt und mich damals schon einmal dazu ermutigt, mitzumachen. Ich war ziemlich überzeugt, dass ich nicht die Richtige bin für dieses Projekt, denn ich mag meinen Körper. Meistens. Richtig unzufrieden war ich damit nie. Ich habe keine 90-60-90 Maße, bin eher klein und werde im Sommer nicht wirklich braun, aber schlank war ich schon immer. Als Jugendliche habe ich trotzdem gehofft, meine Beine würden noch 5 cm länger und meine Brüste etwas größer werden.

Ich lasse mich nicht gerne fotografieren, fühle mich angeschaut und ausgestellt. Das ist vermutlich ein weiterer Grund, weshalb Konstanzes Ermutigung erst einmal keine Wirkung zeigte. Ich möchte nicht, dass das Self Love Sunday Projekt ein (vorläufiges) Ende nimmt. Darum habe ich mich mit dem Thema Selbstliebe und Körper auseinandergesetzt und schnell gemerkt: Doch, ich kann auch mitmachen.

Manch eine*r fragt sich vermutlich, weshalb ich einen Badeanzug trage, obwohl ich meinen Körper mag. Zum einen konnte ich keinen Bikini finden, der nicht ständig verrutscht, aber nicht den Eindruck suggeriert, ich wäre Profischwimmerin. (Wer rettet mich denn dann, wenn ich mal fast untergehen sollte?) Zum anderen fühle ich mich im Badeanzug besser vor lüsternen Blicken geschützt. Dass die Art der Kleidung daran nur bedingt etwas ändert, habe ich inzwischen verstanden. Diese Erkenntnis umzusetzen darf ich noch üben. In diesem Text möchte ich auf ein anderes Thema eingehen, nämlich mein Gewicht.

Während fast der gesamten Gymnasiums-Zeit und darüber hinaus, überkam mich jedes Mal ein unangenehmes Gefühl, wenn ich mich auf die Waage stellte – ich hatte Angst, wieder etwas leichter geworden zu sein. Obwohl ich, meiner Meinung nach, immer genug aß, war ich lange Zeit leicht untergewichtig. Bewusst wurde mir das erst, als eine Klassenkameradin mich auf mein Gewicht ansprach und fragte, ob alles okay sei. Ich habe meinen BMI ausgerechnet und je nach Skala wurde mein Gewicht als „grad noch so ok“ oder eben als „leicht untergewichtig“ eingestuft.

Bei Stress und Traurigkeit vergeht mir der Appetit und das Reizdarm-Syndrom macht sich bemerkbar, ich bekomme Durchfall. Mein Kopf wusste, dass ich zu dünn war und mein Verstand wollte etwas daran ändern. Es fiel mir jedoch schwer, mich angemessen um diesen Körper, um diese Hülle meiner Seele, zu kümmern. Denn innen fühlte ich mich leer. Ich fühlte mich nicht wertvoll. Wieso also sollte ich mich um diese Hülle kümmern?

Der erste, aber noch nicht nachhaltige, Wendepunkt stellte meine Reise nach Buenos Aires dar. Ich hatte das Gymnasium abgeschlossen, mich von meinem damaligen Freund getrennt und blühte auf in dieser Stadt, in der ich endlich sein konnte, wer ich wirklich war. Die Gasteltern, die mich gerne essen sahen, sowie die berühmten Alfajores trugen weiter dazu bei, mein Gewicht wieder ansteigen zu lassen. Eine Waage gab es dort nicht.

Mein nächstes Reiseziel war Toronto. Dort war ich wieder selbst für mein Essen zuständig und achtete auf eine gesündere Ernährung, denn keine Hose, kein BH passte mehr. Eine Waage gab es auch dort nicht. Nach insgesamt 11 Wochen kam ich merklich runder und glücklich nach Hause zurück. Ich begann mein Studium, die ersten großen Prüfungen kamen näher. Ich traute mir nicht zu, diese zu bestehen, fühlte mich leer und ungefähr so wertvoll wie ein leerer Kartoffelsack. Daran konnte auch mein neuer Freund nichts ändern. Zwei Jahre nach Studiumsbeginn verbrachten wir den Sommer in Hamburg. Mein Freund machte dort ein Praktikum und ich lernte für meine Uniprüfungen.

In diesem Sommer, der begleitet war von vielen einsamen Tagen, und trotzdem als eine wunderbare Erfahrung in meiner Erinnerung gespeichert ist, habe ich sehr viel gelernt. Viele Kilometer nördlich von meinem gewöhnlichen Umfeld zu sein, gab mir die Freiheit, mein Ich besser kennen zu lernen, mein Inneres zu erhellen, langsam mit Farben zu füllen, mich lieben zu lernen. Der Blick auf die Waage bestätigte das.

Heute mag ich mein Ich. Heute schaue ich in den Spiegel und finde mein Gesicht schön, meistens. Heute finde ich mich manchmal sogar richtig attraktiv. Ich liebe meine Brüste. Die liebe ich wirklich. Ich finde deren Größe und Form heute genau richtig. Schalen und Bügel wurden schon vor ein paar Jahren verbannt und je nach Kontext und Jahreszeit führe ich sie auch gerne ganz ohne BH spazieren. Meine Achselhaare, die mag ich auch. Ich mag nicht, dass die Gesellschaft sie nicht mag. Das macht mir leider noch zu schaffen. Das löst Schamgefühle in mir aus. Ja, und meine Waage, die hat sich mein Nachbar ausgeliehen und darf sie auch gerne behalten.“

Von Herzen Danke an Dich, liebe Jana! Ich kann das mit dem „nicht gerne fotografiert werden“ im Übrigen sehr gut nachvollziehen. Geht mir ganz genauso. Selbst nach jahrelangem Vollzeitbloggen…

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday? Dann einmal hier lang!

Und hier findet ihr die Facebook Gruppe zum Projekt.

Let’s spread some Self Love!