SpaCamp 2018 in Der Sieben Welten Therme in Hessen

Vergangenes Wochenende fand das neunte SpaCamp aka das größte brancheninterne Event der Spa Branche für den deutschsprachigen Raum statt. Nachdem ich im vergangenen Jahr geburtstagsbedingt ja ausgesetzt hatte, war ich dieses Jahr in der Sieben Welten Therme aber selbstredend wieder mit am Start und werde euch heute berichten, wie es so war.

Nach Kitzbühel, Warnemünde, Rheinland Pfalz und Brandenburg war Hessen mein fünftes SpaCamp, aber wer hier aufmerksam mitliest, der weiss, dass ich die Sieben Welten Therme bereits kenne. Check!

SpaCamp Sieben Welten Therme

Bevor es hier heute so richtig losgeht, möchte ich mich aber in aller Form für mein mieses Bildmaterial entschuldigen. Die Konferenzräume waren so dunkel, dass die Bilder der einzelnen Sessions ganz schön schrammelig aussehen. Ich bitte um Nachsicht und verspreche euch, nächstes Mal einfach die Vorhänge aufzuziehen und Tageslicht reinzulassen!

Am Freitag Abend, gleich nach der Begrüßung, hielt Vanessa Borkmann vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO die Eröffnungs-Keynote zum Thema „FutureHotel – Wellness-Erlebnisse: Innovative Konzepte und Lösungen für die Hotellerie“.

Knackig zusammengefasst: Die meisten Menschen nutzen Wellness- und Fitnessbereiche in Hotels, um sich mental zu entspannen (mehr als 80%). Medical Wellness hingegen belegt das letzte Plätzchen mit gerade mal 1,4%. Klare Ansage. Wenn man sich mal anschaut, welche Leistungen die Gäste sich wünschen und das dann mit dem Status Quo vergleicht, dann ist die Diskrepanz beim Thema „Außenbereiche“ am größten (oft gewünscht und leider nur selten vorhanden). Auf Platz 2: Pools.

Gäste wünschen sich, die Bereiche auch früh am Morgen und spät am Abend nutzen zu können, das ist aktuell jedoch vielerorts nicht möglich. In Hinblick auf die „Wichtigkeit der Servicefaktoren“, belegt eine Rezeption mit Ansprechperson Platz 1, dicht gefolgt von der Anwesenheit qualifizierten Service Personals.

Die Buchung der Zukunft wird online und im Vorfeld oder aber „ad hoc“ stattfinden und die Gäste erwarten eine individuelle Angebotsgestaltung. Will heissen: Kuratierte und personalisierte Wellness-Angebote durch individuelle Beratung und Betreuung. Besonders spannend: „Spiritual Wellness“ – Ruhe und Stille sowie Spiritualität und Kontemplation.

Spätestens, wenn es um irgendwelche spacigen Räume und so richtig abgedrehte Zukunftsgeschichten geht, bin ich immer raus. Nur zur Info: Wir haben es hier mit einer Branche zu tun, die wieder verstärkt auf Print setzt und solche Dinge sagt wie „Online funktioniert nicht. Bei so einer Wurfsendung hat man wenigstens was in der Hand“. Im Hinblick auf diese Tatsache steige ich ab einem bestimmten Punkt aus, einfach weil ich das, was mir gerade virtuell aufgezeigt wird und den Status Quo der Branche in meinem Kopf nicht zusammenbekomme. Alles in allem aber ein informativer Vortrag und thematisch on point!

Nach dem Abend in (auf?) der Q-Alm, ging es dann am Samstag Morgen gleich los mit den ersten Sessions. Meine Punkte gingen an 1, 2, 3, 4, 5 und 6. Leider fand dann am Ende aber vieles davon parallel statt. Ich konnte also nicht alle meine Wunsch-Sessions besuchen.

In „Zielgruppe Next Generation – sie ändert die Art, wie wir arbeiten“ mit Jennifer Partheymüller ging es um die Generation Y. Es gibt bisher kaum Spas, die diese Generation bei ihren Bedürfnissen abholen. Da tut sich ein ziemlich spannendes Feld auf. Ich hab‘ mich riesig über den frischen, digitalen Wind gefreut, den Jennifer und Melodie von SkinBiotic in dieses SpaCamp gebracht haben. Davon könnte die Branche auch gut und gerne noch ein bisschen mehr vertragen.

Danach habe ich die Session „Schmeiß den Pinterest Turbo an!“ von Tanja und Catrin besucht. Nutzt ihr selbst Pinterest? Und folgt ihr mir eigentlich schon auf Pinterest? Ich bin ja ein großer Fan und genau daran wird es vermutlich auch gelegen haben, dass Screenshots meines Profils plötzlich in der Präsentation aufgetaucht sind. Da muss ich wohl irgendwas richtig gemacht haben. Mein Herz hat auf jeden Fall einen kleinen Purzelbaum geschlagen vor Freude.

Tanja und Catrin haben super vermittelt, wie man mit Pinterest auf sich aufmerksam machen kann und dass es dazu keinerlei Gepose oder Selbstdarstellung à la Instagram braucht. Vermutlich ist es genau das, was mir Pinterest so sympathisch macht. Eine super Session mit großem Mehrwert für die Teilnehmer*innen!

Mein letzter Besuch am Samstag galt René und seiner Session „Narrative Räume als Kriterium für ein gelungenes und nachhaltiges Spa Erlebnis“. René ist Architekt und hat ein bisschen Spa Einrichtungs- & Deko Bullshit Bingo mit uns gespielt. Schon gruselig, was einem in Spas so alles begegnet.

Und auch die Sieben Welten Therme bekommt ihr Fett weg. Müssen wirklich Buddhas als Deko herhalten? Und ist es wirklich notwendig, religiöse Bauten nachzuahmen und sie dann für Spa Zwecke zu benutzen? Ein nach wie vor sehr relevantes Thema.

Nach dem Gruppenfoto haben Tanja und ich die Keynote zum Thema „Zeit“ dann aber spontan geschwänzt. Zu viel Input! Also haben wir unsere Lanyards gegen Bademäntel getauscht und sind gemeinsam durch die Sieben Welten geschlendert.

Seit 2015 hat sich (zumindest optisch) nicht wirklich viel verändert. Ich hab‘ meinen Artikel von damals am Wochenende nochmal gelesen und fand ihn nach wie vor sehr stimmig. Würde ich wieder so schreiben.

Irgendwann landeten wir dann im Angkor Wat Kino mit dem Meerwasseraquarium und verbrachten dort eine ganze Weile mit meditativem Fische anstarren. Kann man schon mal machen.

Die Stimmung auf der Party am Samstag Abend war richtig gut. Und die darauf folgende Nacht leider nur 4 Stunden lang. Aber macht nix, denn für Franks Session “ INNER SPA – Bewusstsein steuert Erfolg“ hätte ich mir auch nach 3 Stunden den Wecker gestellt!

Ich habe die Branche noch nie zuvor offener gegenüber dem Thema „Spiritualität“ erlebt als in dieser Session. Nach einem kleinen, „praktischen“ The Work Intro ging es um Gedanken, die unsere Gefühle verursachen und dass wir nicht alles glauben sollten, was wir denken. Es ging um „Flow Erlebnisse“, das Gesetz der Anziehung und wie man selbst in einem vermeintlich destruktiven Hotel Setting die Energie vom Spa aus positiv verändern und am Ende richtig was bewirken kann.

Franks Session hat mich am glücklichsten gemacht, denn hier waren endlich mal alle neugierig und offen. Es wurde nicht gejammert und es wurden keine Ausreden rezitiert. Meistens sitzen in so einer Session ja 2-3 Leute, die dann immer irgendwann erklären, warum etwas nicht geht, nicht verändert werden kann und warum wir alle einfach nur arme Opfer sind. Diese Haltung macht mich müde, weil sie jede Veränderung zum Positiven blockiert, aber hier war ausnahmslos niemand destruktiv oder grumpy. Das tat so gut!

Hielt aber leider nicht lange an. Denn in „Mehr Schein als Sein? Die Bedeutung der Spa-Behandler*innen für die Zukunft unserer Branche“ mit Roland Janauschek und Lutz Hertel wurde dann wieder gestänkert und blockiert, was das Zeug hält.

Ich frage mich ernsthaft, wie sich an einer suboptimalen Situation („Wir brauchen dringend qualifizierte Fachkräfte“) etwas ändern soll, wenn man den Fokus auf all‘ die Dinge richtet, die eine Veränderung unmöglich machen. Und damit meine ich keineswegs Roland Janauschek oder Lutz Hertel, sondern stänkernde Teilnehmer*innen. Am Ende kam es dann zum Glück doch noch zu einem konstruktiven Brainstorming, aber in dieser Diskussion hat sich einmal mehr das größte Problem der Branche gezeigt: Sie ist unbeweglich, eingefahren und nur bedingt lösungsorientiert.

Bei diesem SpaCamp hatte ich allerdings zum ersten Mal das Gefühl, dass sich ein leichter Widerstand zeigt. Dass sich wirklich was in eine positive Richtung bewegt. Dass die Gruppe derer, die beweglich ist, sich nicht länger von den Nörglern blockieren lässt. Und wie großartig ist das bitte???

Ich bin mit einem richtig guten Bauchgefühl nachhause gefahren. Ganz losgelöst davon war es natürlich auch verdammt wunderbar, so viele Menschen wiederzusehen, die mir über all‘ die Jahre volle Kanne ans Herz gewachsen sind. Außerdem gab es so viele neue Gesichter in diesem Jahr, dass ich zum ersten Mal nicht mehr dieses „Klassentreffen Gefühl“ hatte. Ich hab‘ also in der Tat auch ziemlich viele neue Leute kennengelernt. Unter’m Strich ein sehr gelungenes SpaCamp. 2019 geht’s in den Schwarzwald. Das SpaCamp 2019 wird vom 27.-29. September im Öschberghof stattfinden. Ein ganz schön krasser Move, so von Wellness Disneyland in Hessen zum Öschberghof im Schwarzwald. Leider kollidiert der Termin erneut mit meinem Geburtstag und ich bin noch ein bisschen unentschlossen.

Würdet ihr euren 40. Geburtstag beim SpaCamp feiern?

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Auch an dieser Stelle nochmal ein herzliches DANKE für all‘ die wunderbaren Begegnungen und die guten Gespräche! To be continued.

Jenny