Self Love Sunday #67 – Romy

Heute geht die erste Self Love Sunday Story aus Sri Lanka online und ich freu‘ mich wie blöd, dass Romy sich während ihres Urlaubs die Zeit genommen hat, ein Foto zu schießen und ihre Geschichte aufzuschreiben. Seid ihr bereit? Here we go:

„Als die ersten Erfahrungsberichte beim Self Love Sunday veröffentlicht wurden, dachte ich: „Wow, toll, dass sich diese Frauen das trauen – sich trauen, ihre Geschichte zu teilen, sich trauen ein Foto im Bikini zu zeigen.“ Vor 1,5 Jahren hätte ich nie daran geglaubt, dass auch ich heute meine Geschichte teile.

Meine Name ist Romy, ich bin 29 Jahre alt und habe mit meinem Körper schon so einige Höhen und Tiefen erlebt.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich vor gut 1,5 Jahren bei meiner Coachingausbildung saß und mit meiner Gruppe meine Überzeugung über mich selbst teilte: „Meine körperliche Hülle ist fett und dick.“ – Als ich diesen Satz so laut aussprach, wurde mir gleichzeitig kalt und warm. Auf der einen Seite war es das, was ich dachte. Auf der anderen Seite realisierte ich in diesem Moment, dass ich mich von meinem Körper distanziert habe, als wäre er etwas, das nicht zu mir gehört.

Der Kampf gegen meinen Körper begann schon früh. An sich war es ein Ausdruck meines Selbstbildes, ein Ausdruck, wie ich mich gefühlt habe.

Meine Schulzeit war für mich nicht ganz einfach. Ich war sehr leistungsstark und erhielt dadurch oft besondere Förderung. Zum einen ermöglichte mir dies ein Vorankommen, zum anderen grenzte es mich aber auch von anderen ab. Ich fühlte mich anders, ich fühlte mich nicht dazugehörig. Dies hinterließ auch bei mir Spuren, Spuren des Selbstzweifels.

Als ich dann so langsam in die Pubertät kam und zunahm, kämpfte ich natürlich auch mit meinem Körper. Ich fand mich moppelig und nicht schlank, hübsch und attraktiv. Wer war ich eigentlich schon? Und dann gab es eine Situation, die ich bis heute nicht vergessen habe. Auf dem Weg zum Sportunterricht meinte auf einmal meine Lehrerin zu mir „Du bist aber ganz schön pummelig geworden.“ Dies bekräftigte noch mehr meine Selbstzweifel. Ich bin zu dick.

Zudem übersprang ich in der Zeit auch noch eine Schulklasse, was die ganze Situation nicht einfacher machte. Ich galt als Streberin und erlebte, was es heißt, gemobbt zu werden. Ich wollte gern Anschluss finden, fühlte mich aber den Mobbingattacken ausgesetzt.

All diesen Schmerz konnte ich jedoch an meinem Körper auslassen. In der Klasse war ich machtlos, aber über meinen Körper konnte ich Macht besitzen. Mein Körper wurde zum Spiegel meiner Seele, indem ich immer weniger gegessen und verbissen Sport gemacht habe. Für jede Kalorie, die ich meiner Meinung nach zu viel gegessen habe, verurteilte ich mich. Ich war ein schlechter Mensch. Aber ich schaffte es. Innerhalb von 1,5 Jahren trainierte ich mich auf 47kg und einen BMI von 16,5 runter. Es machte mich glücklich, meine Hüftknochen zu sehen. Mein Ziel war es, einen BMI zu erreichen, mit dem man in eine Klinik eingewiesen werden konnte.  Ein strategischer, geplanter Hilferuf nach Aufmerksamkeit, eine mögliche Flucht aus dem Schulalltag.

Letztendlich nahm ich damals unter ärztlicher Aufsicht bis auf ein Körpergewicht von 55kg zu. Damit war zwar das niedrige Körpergewicht beseitigt, aber nicht die Selbstzweifel. Geblieben sind auch die „Verbote im Kopf“.

All die Jahre kämpfte ich immer wieder mit meinem Gewicht, meiner Ernährung und meinem Sport. Es gab Zeiten, zu denen ich täglich ins Fitnessstudio gegangen bin und dann meist zu zwei Fitnesskursen, einer ist schließlich nicht genug. Ich probierte alle Ernährungsstile aus: Low Carb, Low Fat usw. – Was ich dabei verlor, war der Genuss am Essen, der Genuss am Leben.

Dieses schlechte Selbstbild spiegelte ich auch meinem Umfeld und bot somit eine hervorragende Angriffsfläche, sodass ich auch von Männern die Bestätigung erhalten habe, dass ich zu dick bin.

Und dies glaubte ich auch bis vor 1,5 Jahren. Und ja, auch heute gibt es immer mal wieder Momente, in denen ich genau das denke. Aber ich habe an meinem Selbstbild gearbeitet und ich werde weiterhin daran arbeiten. Ich versuche täglich, meinen Körper mit Selbstliebe anstatt mit Selbstzweifeln zu pflegen. Ich versuche, mir mit Verständnis anstatt mit Verboten zu begegnen. Ich versuche, das Schöne anstatt das „Unschöne“ zu sehen.

Ja, meine Beine sind vielleicht ein wenig muskulöser und dadurch „dicker“ als andere, mein Bauch ist leider nicht so schön straff und auch meine Oberarme winken mit. Aber es gibt auch so viel Schönes an meinem Körper: Meine leuchtenden Augen, meine trainierten Waden, meine Wangenknochen und meine zarten Hände.

Was mir aber noch viel bewusster geworden ist: Dieser Körper mit all seinen „Mängeln“ gehört zu mir. Dieser Körper ermöglicht es mir, so viele neue Dinge zu erleben. Er ermöglicht mir, Sport für meine Gesundheit und meinen Ausgleich zu machen und er schenkt mir all die Kraft, um meine Ideen umzusetzen. Mein Körper schenkt mir ein spannendes, aufregendes und vielseitiges Leben, das ich liebe. Mein Körper ist keine Hülle, mein Körper ist ein Ausdruck meiner Persönlichkeit. Er ist etwas ganz Besonderes und ich bin dankbar dafür, dass ich ihn habe.“

Von Herzen Danke an Dich, liebe Romy! Ich fürchte, Du sprichst offen aus, was sehr viele Frauen über ihren Körper denken. Daher ist es umso wichtiger, dass immer mehr Menschen ihre Geschichte hier offen teilen. Damit wir immer mehr Menschen erreichen. Und damit so vielleicht irgendwann eine richtige Bewegung aus dem Projekt wird.

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday? Dann einmal hier lang!

Und hier findet ihr die Facebook Gruppe zum Projekt.

Let’s spread some Self Love!