Self Love Sunday #66 – Regina

Ich habe erst in den vergangenen Tagen wieder erlebt, wie doppelmoralig viele Menschen in Bezug auf das Thema „Körperakzeptanz“ unterwegs sind und wie unbeliebt man sich macht, wenn man diffuses Body Shaming offen und direkt kritisiert. Daher freue ich mich über alle Maßen, dass auch heute wieder eine neue Folge „Self Love Sunday“ online geht und möchte Regina an dieser Stelle den rosa Teppich ausrollen:

„Hey ihr lieben Menschen. Ich heisse Regina, bin 32 Jahre alt und lebe in Zürich. Ich blogge selbst schon ein paar Jahre und habe mich damals sehr gefreut, dass Jenny den Self Love Sunday ins Leben gerufen hat. Für mich war es damals irgendwie noch nicht an der Zeit, selbst mitzumachen. Dafür freue mich umso mehr, euch heute meine Geschichte zu erzählen. Zugegeben – es hat mich mehr Überwindung gekostet, als ich gedacht hätte. Aber ich habe das Gefühl, es ist der genau richtige Zeitpunkt und hier stehe ich nun!

Wenn ich an mein Körperbewusstsein der vergangenen dreißig Jahre zurückdenke, bin ich immer wieder erstaunt über mich selbst.

Ich war als Baby ein herziges und süßes Mädchen, hatte blonde Engelslocken und tiefe, blaue Augen. Ich hatte immer einen schmalen, dünnen Körper, was bis in die Pubertät anhielt. Tendenziell war ich eher immer leicht zu dünn, hatte lange Beine und eine schmale Taille. Ich wurde in mädchenhafte Kleider gesteckt und erfuhr ganz viel Anerkennung von außen dafür. Ich erfüllte das perfekte Bild eines Mädchens.

Mit der Scheidung meiner Eltern änderte sich für mich vieles und ich kämpfte mit einem sehr geringen Selbstbewusstsein – ergo auch mit einer gestörten Körperwahrnehmung. Ich fand mich als Kind nicht schön, hatte Hasenzähne und plagte mich fast zehn Jahre mit Zahnspangen etc. herum. Ich war immer eher schüchtern, sehr vernünftig und fand mich selbst nicht hübsch. Es ist also nicht verwunderlich, dass ich nie cool genug für die Coolen in der Schule war, auch wenn ich meistens trotzdem irgendwie akzeptiert wurde.

Mit der Pubertät bekam ich breite Hüften und etwas mehr Rundungen, war aber generell eher ein Spätzünder. In der Teeniezeit hatte ich oft das Gefühl, nicht hübsch genug zu sein. Ich wertete das Nichtinteresse der Jungs jedenfalls so und gab sehr viel auf die Meinung meiner Peer Group. Ich schlug mich irgendwie durch diese, ehrlich gesagt nicht ganz positiv besetzte, Schulzeit. Meine Mutter gab in dieser ganzen Zeit ihr Bestes und sagte mir immer wieder, dass ich gut sei, so wie ich bin. Sie glaubte immer an mich, ich konnte es damals aber nicht wirklich annehmen und dachte, sie müsse das ja sagen – ich bin ja ihr Kind. Teenies halt…

Mit dem Studium kam ein kleiner Wendepunkt. Ich kam raus aus meinem ländlichen Umfeld und konnte nochmal ganz neu starten. Es war ein Push für mein Selbstbewusstsein, dass ich mich alleine durchschlagen musste – vier Stunden Zugfahrt entfernt von meiner Familie. Ich fühlte mich zunehmend wohler und strahlte dies auch nach außen aus. Meine Zahnfehlstellungen waren korrigiert und ich hatte zunehmend den Mut, mich etwas mehr zu zeigen und auszuprobieren. Wenn ich mir heute Bilder aus dieser Zeit anschaue, sehe ich eine wirklich schlanke und hübsche Frau – ich selbst hatte aber immer das Gefühl, meine Brüste wären ein bisschen zu klein, meine Hüfte zu groß und meine Cellulite sähe man im Bikini schon von Weitem. Mein Umfeld gab mir eigentlich nie das Gefühl, so zu denken, ich konnte es einfach nicht annehmen, wenn mir jemand sagte, ich wäre hübsch. Ich hatte immer große Komplexe und hatte immer das Gefühl, ich müsse meinen Körper mit Klamotten kaschieren.

Rückblickend finde ich es erschreckend, dass ich damals einen so tollen Körper hatte und mich trotzdem nicht wohlfühlte – geschweige denn schön. Heute bin ich nicht mehr ganz so schmal wie früher, habe mehr Rundungen und die ersten „Alterszeichen“ kündigen sich an (ja, das passiert schon mit Anfang 30) und ich fühle mich trotzdem so wohl wie noch nie in meinem Körper. Komisch verquere Sache…

Der Wendepunkt – wenn man diesen als solchen nennen kann – kam vor ca. drei Jahren. Ich beschäftigte mich durch viele kleine Vorkommnisse und Fügungen mehr mit mir selbst, ging Pilgern, wagte Neues (so entstand auch mein Blog) und lebte meine Kreativität mehr und mehr aus. Mein Leben drehte sich nochmal um 180 Grad, ich musste mich durch ganz viel Scheisse kämpfen und ich lernte mich selbst nochmal von einer ganz anderen Seite kennen. Und im Nachhinein bin ich so dankbar dafür, denn es hat mein Leben zu dem gemacht, was es heute ist.

Heute habe ich (die allermeiste Zeit) Frieden mit meinem Körper geschlossen. Ich habe in der schweren Zeit vor zwei Jahren 10 Kilo zugenommen. Ich nenne es rückblickend liebevoll „mein Krisenpolster für mehr Halt“, denn ein paar Kilo davon sind auch schon wieder runter. Ich bin seit einem Jahr nicht mehr auf der Waage gestanden und vergleiche mich nicht mehr so oft mit anderen Körpern. Ich versuche viel mehr, meinen lebensfrohen und leidenschaftlichen Charakter nach außen zu tragen und mich nicht nur auf mein Äußeres zu beschränken – auch wenn ich es zwischendurch liebe, mich herauszuputzen und aufzuhübschen – dann aber für mich! Ich genieße das Leben und mache Platz für die schönen Dinge!

Was meinem Körperbewusstsein geholfen hat – neben meinen „Selbstfindungs“-Erfahrungen der vergangenen drei Jahre – war der Film „Embrace“. Dieser Film hat mich sehr geprägt in meinem Körperbewusstsein. Mein Augenöffner-Moment aus diesem Film war: Wenn sich sogar – für mich perfekt aussehende – Frauen selbst nicht schön finden und an sich herummäkeln, wie sollen es alle anderen Frauen denn dann jemals schaffen?

Es war für mich ein ziemlicher Augenöffner, herauszufinden, dass praktisch jede Frau mit ihrem Körper hadert. Auch die persönliche Geschichte von Taryn machte mich sehr nachdenklich. Sie quälte sich so lange bis zu ihrem Bodybuilding-Erfolg und war trotzdem nicht glücklich. Wozu dann das alles? Wäre es nicht viel einfacher, zufrieden mit sich zu sein und so Platz für die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu machen!? Ehrlich gesagt geniesse ich dann lieber ein paar mehr Glücksmomente in meinem Leben als mit einem Sixpack und einem perfekten Körper herumzurennen, der mich aber die meiste Zeit meines Lebens kostet und ganz viele Entbehrungen und Zügelungen mit sich bringt.

Ich bin soviel mehr als mein Körper!

Wenn ich meinen Körper heute beschreiben müsste, würde ich ihn so beschreiben:

Ich liebe meine langen, roten Haare, meine Sommersprossen, meine tiefblauen Augen, meine Lachfältchen (alle mit ganz viel Hingabe geformt), meine schmale Taille, meine Brüste, meine Haut, meine weiblichen Rundungen, meine Hände und meine Füße. (Das sind mehr als drei Dinge – umso besser!) Meine breite Hüfte und meinen verhältnismässig grossen Po kann ich nicht ändern – die habe ich definitiv von meiner Mama geerbt. Ich arrangiere mich damit und versuche, die Vorteile darin zu sehen. Und auch meine Cellulite an den Oberschenkeln ist zwar nicht schön – aber wer hat die nicht!? Mein Leben ist zu kostbar, um mir von solchen Dingen Steine in den Weg legen zu lassen oder mich deswegen einzuschränken. Das weiss ich jetzt und ich versuche es zu leben!

Was möchte ich euch gerne mit all dem sagen!? Für mich hängt ein gutes Körperbewusstsein und Selbstbild zwingend mit dem Selbstbewusstsein zusammen. Und es lohnt sich, daran zu arbeiten und aufzuhören, sich mit anderen zu vergleichen oder einem bestimmten Bild entsprechen zu wollen. Jeder hat seine eigene Geschichte und unterschiedliche Körpergegebenheiten. Seid nachsichtig und lieb zu euch! Tut euch Gutes und findet heraus, was euch glücklich macht!

Und dann geht es an – auch wenn es manchmal ein bisschen steinig sein kann. Erkennt, was für ein toller Mensch ihr seid! Ihr habt nur diesen einen Körper und den solltet ihr nicht mit Selbsthass strafen. Er gehört zu euch, ob ihr wollt oder nicht! Und lasst euch nicht von anderen Menschen einreden, dass ihr so oder so auszusehen habt!!! Umgebt euch mit lieben Menschen, die euch das Gefühl geben, dass ihr gut seid, genau so, wie ihr seid! Es gibt nicht das eine Erfolgsrezept und auch keine Wunderpille. Man muss einfach bei sich selbst anfangen und Schritt für Schritt vorwärts gehen! Ich kann euch aus eigener Erfahrung sagen „Es lohnt sich!“. Und dafür bin ich jeden Tag so dankbar!

„Never put the key to your happiness in someone else’s pocket.“

Und schaut euch unbedingt den Film „Embrace“ an!“

Von Herzen Danke an Dich, liebe Regina! Hinter diesen Filmtipp möchte ich nochmal ein neonpinkes, blinkendes Ausrufezeichen setzen. Und der Online Kurs zum Film ist ebenfalls sehr empfehlenswert!

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday? Dann einmal hier lang!

Und hier findet ihr die Facebook Gruppe zum Projekt.

Let’s spread some Self Love!