Self Love Sunday #61 – Tatjana

Self Love Sunday TatjanaDer heutige Beitrag zum Self Love Sunday von Tatjana hat mich sehr berührt, denn ich hatte bisher nie wirklich auf dem Schirm, inwiefern Body Shaming von Nationalität zu Nationalität unter Umständen variiert.

„Du solltest öfters kurze Sachen tragen. Dies betont deine dünnen Beine. Alle werden sie lieben. Wenn du alt bist, ist deine ganze Schönheit vergangen“ sagte mir die russische Freundin meiner Mutter. Danach fotografierte mich meine Mutter in der kurzen Hose.

Da war ich gerade einmal 12 Jahre alt und eigentlich wollte ich nur mit meiner Nachbarin spielen. Damals war es mir egal, was andere von mir dachten, aber in der osteuropäischen Erziehung endet das Kindsein für die Erstgeborenen deutlich schneller.

Heute bin ich 28 Jahre alt, glücklich verheiratet und wir haben 2 gesunde Jungs. Ich bin 1,70m groß und mein Gewicht schwankt immer mal wieder um ein paar Kilo. Mein Körper ist kurvig, normal und von 2 Schwangerschaften gekennzeichnet. Aber ich bin zufrieden, denn ich habe den größten Krieg gegen mich selbst gewonnen. Egal, welche Figur ich habe, ich finde mich schön und ich fühle mich wohl! Dies war eine wichtige Entscheidung und wie ich meinen persönlichen Kampf gewann, verrate ich hier. Es wird etwas persönlich, aber wenn es auch nur einer Frau so ähnlich erging, möchte ich, dass sie ermutigt wird, alte Muster zu überdenken!

Ich war das älteste von 4 Kindern. Da ich gerne half und anpassungsfähig war, entwickelte ich mich schnell zu einer guten Gehilfin. Meine Mutter bezeichnete mich oft als Freundin und versuchte ihr Bestes, mich zu optimieren. Neben Mal- und Klavierunterricht sollte ich lernen, eine kluge und vor allem hübsche Frau zu werden. Ich bin mir sicher, dass sie es stets gut mit mir meinte, aber dadurch entwickelten sich ungesunde Zwänge in mir.

Ich wollte schnell erwachsen werden, hübscher sein als andere und übte mein Lächeln im Spiegel. Da war ich gerade mal 12 oder 13 Jahre jung. Zudem erlebte ich meine Mutter ständig in einer neuen Diät. Mal waren es Tabletten, dann irgendein Getränk und dann aß sie einfach mal so gut wie nichts. Dadurch war sie oft sehr launisch und nie glücklich. Aber dies tat man so, wenn man geliebt werden wollte. Sie war übrigens nicht die einzige. Viele russische Frauen befinden sich ihr Leben lang in einem Wettbewerb.

Meine erste Diät machte ich nach einer Andeutung von der Mutter meines ersten festen Freundes „Würdest Du etwas dünner sein, dann könnten Dir die Sachen meiner Tochter passen. „. Natürlich bestellte ich mit 16 Jahren meine ersten Abnehmtabletten und fing an zu joggen. Nachdem ich 6 Kilo abgenommen hatte, trennte mein Freund sich von mir und ich verstand die Welt nicht mehr.

Solche Geschichten gibt’s viele. Ich versuchte, mein Ich äußerlich zu steigern und blieb dennoch unglücklich. Meinen Schlüsselmoment hatte ich dann nach der Geburt meines ersten Kindes. Dort wog ich nach 6 Monaten postpartum so wenig wie noch nie (seit ich mich überhaupt wog). Voller Stolz und mit gelernter Bescheidenheit, verbrachte ich Zeit mit meiner, schon wieder abnehmenden Mutter. Doch statt sich mit mir zu freuen, entwickelte sie eine Art Missgunst und reagierte spöttisch auf meine schlanke Figur. Da war ich endlich mal erstaunlich dünn und dennoch war sie kritisch und mir gegenüber nicht anerkennend. Aus der Sicht einer Tochter war ich verletzt und selbstkritisch, aber aus der Sicht einer Mutter, hatte ich null Verständnis.

Da war mir klar, meine Kinder sollen sich selbst lieben können! Ob sie übergewichtig sind, Akne haben, drei Nippel oder sonstige Makel! Ich beschloss, solche Menschen wie meine Mutter zu meiden oder den Kontakt abzubrechen. Bei einigen Beziehungen war es echt hart, aber ich wusste, dass ich solche Freundinnen wie meine Mutter sie hatte, nicht wollte. Ich will später zurückblicken und mich als eine gesunde Mutter und Partnerin sehen. Von innen und außen.

Meine Kinder sollen lernen, ihr Essen ohne Hintergedanken zu genießen und aus dem Herzen heraus zu lachen. Aber auch ich will keinen Zwängen mehr gehorchen, sondern frei sein! Klar will ich meinen Körper gerne straffen und keine 10 Kilo mehr drauf haben. Aber dafür quäle ich mich nicht mehr! Es gibt ganz normale und gesunde Wege dafür und diese benötigen einfach etwas mehr Zeit.

Ich habe nun 2 gesunde Kinder und diese sollen ihre Mutter als eine glückliche, mal naschende aber vor allem als eine ausgeglichene Frau erleben. Frei von irgendeinem Menschenbild. Und wer weiß. Vielleicht helfen meine Kinder dann irgendwann mal ihren Partnern, sich selbst anzunehmen, wie mein Mann es bei mir tat. Dafür bin ich ihm vom Herzen dankbar.“

Von Herzen Danke an Dich, Tatjana, für diesen wertvollen Beitrag. Ich bin mir sicher, dass Du mit Deinen Worten viele Menschen erreichen und berühren wirst.

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday? Dann einmal hier lang!

Und hier findet ihr die Facebook Gruppe zum Projekt.

Let’s spread some Self Love!