Self Love Sunday #60 – Kathrin

Self Love Sunday KathrinRunde 60! Kann mich bitte mal jemand kneifen? 60 umwerfende Persönlichkeiten, die dieses Projekt bisher zu dem gemacht haben, was es ist. Und heute teilt Kathrin von Tigerherz – Futter für Körper und Seele ihre Geschichte mit uns:

„Hallo ihr lieben Menschen, mein Name ist Kathrin, ich bin 38 Jahre und wohne im schönen Köln. Gefühlt seit Monaten schreibe ich diesen Text und immer wieder scheitert es dann irgendwie an dem Foto.

„Warte noch ein paar Wochen, dann sind die Beine vielleicht nicht mehr so speckig.“ „Oh, aber der Bauch.“ Anscheinend befinden mein Körper und ich uns gerade mal wieder in einer recht schwierigen Beziehungsphase…

Aber ich fang‘ mal vorne an. Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf in einer recht „normalen“ Familie. Meine Eltern waren beide berufstätig und so war ich schon recht früh mir selbst überlassen. Ich konnte so ziemlich tun und lassen und vor allen Dingen essen, was ich wollte. Niemand achtete da wirklich drauf, nur am Wochenende hörte ich dann immer solche Sätze wie „Iss doch nicht immer so viel“, „Du siehst aus wie eine Walze“ und meine Beine waren schon von klein auf immer die „Zechenstampfer“. Um ehrlich zu sein wurde viel an mir rumgemäkelt, was meine Figur betraf. Zumindest habe ich es so wahrgenommen.

Für Diäten fehlte mir meistens die Motivation – und naja, es war halt auch niemand da, der mich wirklich unterstützte. So hatte ich schon recht früh als Teenager ein sehr neutrales Gefühl zu mir, meiner Weiblichkeit und meinem Körper.

Dass ich ein Mädchen bin, war mir natürlich klar, aber Röcke oder Kleider hatte ich schon seit der Grundschule nicht mehr getragen. Stattdessen versteckte ich meinen Körper unter weiten Klamotten und versuchte, möglichst unauffällig zu sein. Der damalige Grunge Look kam mir da gerade recht und so habe ich mich in meiner Haut nie wirklich wohl gefühlt.

Als meine Brüste dann wuchsen, wurde die ganze Sache für mich nur noch unerquicklicher und von da an war dann der Badeanzug ein Tabu und so lag ich höchstens mal in Shorts und T-Shirt am Badesee und habe wieder versucht, möglichst unauffällig zu sein.

Als dann auch noch diese fiesen schwarzen Härchen (liebevoll auch Börstchen genannt) an allen möglichen und unmöglichen Stellen anfingen zu sprießen und ihr wegrasieren leider immer in brennenden roten Pickelchen mündete, beschloss ich dann recht schnell, dass es auch völlig ok ist, wenn man eben einfach nicht mehr schwimmen geht. Und so habe ich locker 15 Jahre kein Schwimmbad, keinen Badesee oder geschweige denn das Meer gesehen. Verrückt, oder? Aber ich habe mich für meinen Körper geschämt und konnte es nicht ertragen ihn der Welt im Bikini oder Badeanzug zu präsentieren.

Erst viele Jahre später, als ich schon lange in Köln wohnte, habe ich eine Freundin kennengelernt, die mir dabei geholfen hat, meine Weiblichkeit zu entdecken und vor allen Dingen zu feiern. Lange Haare, Kleider und einfach Spaß daran zu haben, ein Mädchen zu sein. Es hat fast 30 Jahre gedauert bis ich das erste Mal in einen Spiegel blicken konnte und dabei keine Abscheu vor dem Wesen, das ich dort sah, empfunden habe. Ja, ich war auf einmal sogar ganz verliebt in meine Weiblichkeit. Und mit 34 Jahren war es dann auch endlich mal soweit: Mein erster Bikini! Yeah, ich liebe Bikinis!

Mein Leben hat dann noch einige Herausforderungen für mich bereitgehalten. Ich habe abgenommen und war auf einmal schlank, was mein Kopf aber irgendwie auch nicht so recht verarbeiten konnte. Dann bin ich sehr krank geworden und naja, was soll ich sagen, schwupps waren einige Kilos wieder drauf und so habe ich mich die letzten Monate selbst gequält und meinen Körper wieder als hässlich empfunden. Eine Fitnesstrainerin mit Speckbeinchen? Das geht nicht! Ganz ehrlich? Und wie das geht!

Meine Füße und meine Beine hatten in den letzten Jahren sehr viel zu stemmen und zu tragen. Da fang‘ ich doch jetzt nicht wieder mit dem gleichen Mist wie früher an? Nein, das möchte ich nicht. Ich bin stolz auf meinen Körper, wir haben sehr viel zusammen erlebt und sogar in echt bedrohlichen Situationen kann ich mich voll auf ihn verlassen.

Ich bin es satt, mich immer wieder nach falschen Vorbildern zu richten und so habe ich angefangen, in Badesachen Yoga zu praktizieren (natürlich bei mir zuhause) und auf einmal habe ich meine ganzen Röllchen, den Lymphstau und die steifen Gelenke ganz anders wahrgenommen. Als mein wunderbares Zuhause nämlich. Ein Zuhause, das ich echt lieb hab‘ und gerne mag. Meine Locken, meine Taille, meine lustigen Zehen, ja auch meinen Hintern (so, da ist es raus) und vor allen Dingen meine Moppels, die haben ganz besonders viel Liebe verdient und die bekommen sie auch!

Zum Schluss möchte ich noch eins loswerden: Mädels seid stolz auf Eure Körper, euer Zuhause. Ihr seid alle auf eure ganz eigene Art wunderschön und vor allen Dingen einzigartig!“

Diesem Schlusswort habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Danke dafür, liebe Kathrin, und natürlich auch für das Teilen Deiner Geschichte. Falls ihr Kathrin auf Facebook folgen möchtet: Klick!

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Und hier findet ihr die Facebook Gruppe zum Projekt.

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