Self Love Sunday #59 – Nils

Self Love Sunday NilsLiebe Leute, ich freue mich über jede einzelne Person, die hier sonntags das Self Love Sunday Schild hochhält und ihre Geschichte mit uns teilt, aber über männliche Teilnehmer freue ich mich ganz besonders.

Denn Body Shaming und der Struggle um die vermeintlich perfekte Figur sind keine Themen, die ausschließlich Frauen betreffen. Heute teilt zum fünften Mal ein Mann seine Geschichte mit uns. Vorhang auf für Nils!

„Moin, ich bin Nils aus Hamburg und meine geliebte Yogalehrerin Mariella fand, dass ich hier gut hinpassen könnte und so entschied ich mich nach kurzer Überlegung zur Teilnahme. Ich bin Baujahr ’80 und in einer Kleinstadt aufgewachsen und war als Kind eigentlich immer eher dünn und klein.

Mit der Pubertät änderte sich dies jedoch und ich wurde eher klein und kräftig. Nun hatte ich als junger Teenager eh keinen Bock auf Sport beziehungsweise war aufgrund der Tatsache, dass mir mein linkes Ohr fehlt und damit das Gleichgewicht eingeschränkt ist, eh eingeschränkt.

Zum Problem wurde es eigentlich erst, als ich merkte, dass ich schwul bin und mein damaliger Schwarm mich mit den Worten „Na Dich kann man ja auch als gestrandeter Wal in die Ostsee zurückschleppen lassen“ abblitzen ließ. Und so meldete ich mich im Fitnessstudio an und wenn ich nicht dort war, war ich eben im Wald zum Laufen. Natürlich ging dieser Plan auf und ich nahm erfolgreich ab und fühlte mich wohl im eigenen Körper.

Ein paar Jahre später versuchte ich für meinen ersten Freund, der auch meine erste große Liebe war, das Rauchen aufzugeben. Wer dies schon mal versucht hat, weiß wahrscheinlich aus eigener Erfahrung, dass dies eigentlich auch immer mit einer Gewichtszunahme einhergeht. Er war ein paar Jahre jünger als ich, verdammt attraktiv und hatte stets zig heimliche Verehrer und so kam es wie es kommen musste: Kurz vor Weihnachten 2003 machte er Schluss für einen anderen, nicht ohne zu erwähnen, ob ich eigentlich wüsste, wie geil es wäre über einen Waschbrettbauch zu streicheln.

Nun sind Trennungen naturbedingt meist nicht schön, aber der Treffer saß und so begann meine zweite größere Abnehmphase. Zeit hatte ich ja nun eh und Hunger war zumindest die erste Zeit nach der Trennung nicht wirklich vorhanden. Und so gelangte ich an einen Punkt, wo mein Körper und ich sozusagen Frieden schlossen.

2011 machte ich mich als Trainer mit einem eigenen EMS-Studio selbstständig, naheliegenderweise nah der Schwulenszene. Aufgrund meiner Erfahrungen wusste ich da schon, dass die Szene hier und da ziemlich oberflächlich ist. Ob ich insgeheim auch hoffte, dass mit der Eröffnung meines Studios ein Körper einhergeht, den ich lieben und akzeptieren kann, weiß ich heute gar nicht mehr so genau. Aber ich weiß, dass es mich jedes Mal trifft, wenn einer meiner Kunden mich fragt, ob ich zugenommen hätte.

Dies erweckt, auch wenn der betreffende Kunde es vielleicht gar nicht so persönlich gemeint hat, in mir den inneren Kritiker, der mir dann in Höchstform angekommen ins Ohr zu flüstern versucht: „Hab ich dir doch gleich gesagt, dass du eine fette Sau bist“ und leider fing ich irgendwann an, diese Denkweise auch ins Privatleben zu transportieren – heißt, wenn ich von einem Date einen Korb bekam, war die Ursache für mich klar: Mein Gewichtsproblem.

Glücklicherweise bin ich jedoch mittlerweile auch reflektiert genug, nicht alles, was der innere Kritiker so von sich gibt für bare Münze zu nehmen und hierbei hat mir ein Perspektivwechsel geholfen: Man gehe einfach in eine ganz normale Sauna und schaue sich dort Menschen nackt an. Nicht, um zu werten oder zu vergleichen, sondern einfach, um festzustellen, dass jeder Körper seine schönen Seiten hat und vielleicht auch seine nicht ganz so schönen. Natürlich hilft hierbei auch die beim Yoga erlernte Gelassenheit, Dinge, die nicht ganz wie vorgestellt funktionieren, einfach zu akzeptieren und jeder, der im Park oder auf einer Wiese den Baum probiert hat weiß, wovon ich rede.

Und so mag ich eigentlich meinen Körper immer öfter ganz gerne, erfreue mich am Anblick meines rational betrachtet flachen Bauchs und finde für 37 Lebensjahre geht das schon mehr als in Ordnung und wenn ich einem meiner nächsten Dates nicht gefalle, dann eben dem nächsten. Denn am Ende ist die Ausstrahlung entscheidend und nicht der Bauchumfang.

Was ich an mir liebe? Meine breite Brust, meine breiten Arme und grundätzlich die muskulöse Erscheinung, auch wenn ich an einigen Tagen finde, dass diese mich fett macht.“

Von Herzen Danke an Dich, lieber Nils! Und der Trick mit der Sauna ist Gold wert. Ein Tag am See, am Strand oder im Freibad hat einen ähnlichen Effekt. Daher: Versteckt euch nicht, ganz egal, wie viel ihr wiegt oder wie euer Körper aussieht! Gerade jetzt bei diesen extrem hohen Temperaturen lohnt es sich, über den eigenen Schatten zu springen und in den Bikini, den Badeanzug oder eine Badehose zu schlüpfen.

Wollt ihr selbst mitmachen beim Self Love Sunday? Dann einmal hier lang!

Und hier findet ihr die Facebook Gruppe zum Projekt.

Let’s spread some Self Love!