Self Love Sunday #56 – Sarah

Self Love Sunday Sarah 2Ich freue mich riesig, dass Sarah heute das Self Love Sunday Schild hochhält und ihre Geschichte mit uns teilt. Ich persönlich kann in Sachen „Selbstliebe und Locken“ wohl noch ein bisschen was von ihr lernen und bin mir sicher, dass sich noch sehr viel mehr Menschen in Sarahs Geschichte wiederfinden werden:

„Hallo, Ihr tollen Menschen dort draußen,

mein Name ist Sarah und ich trete auf Instagram unter dem Namen Wolfsfrei auf. Ich bin 23 Jahre alt und komme aus dem Harz. Meine kleine Geschichte zur Selbstliebe möchte ich Dir gerne hier erzählen:

Ich komme aus einer „durchschnittlichen“ Familie ohne viel Geld und ohne viel Tamtam, aber mir hat es nie an etwas gefehlt. Ich habe seitdem ich denken kann ein Hohlkreuz und man sieht auch auf Kinderbildern von mir, dass mein Bauch immer etwas raussteht. Ich hatte eine tolle Kindheit und mir kaum Gedanken über meinen Körper gemacht. Außerdem hatte ich keine Ahnung, dass es so etwas wie Kalorien gibt.

In der 5. Klasse änderte sich aber so langsam dieses unbeschwerte Bild von mir. Ich habe festgestellt, dass ich einen anderen Körperbau als andere Mädchen in meinem Alter hatte und als ich dann ein Ganzkörper-Bild von mir in der Schülerzeitung sah, habe ich einen kleinen Schock bekommen, warum ich nicht so hübsch aussah wie andere.

Der Bauch war für mich die eine Sache – die andere Sache war, dass ich Naturlocken und eine Brille hatte und habe. Auf diesem Bild sah ich aus wie ein „Nerd“. Nein, keiner dieser heutigen Hipster-Nerds, sondern eben wie ein kleines hässliches Entlein ohne Markenklamotten und mit viel krisseligem Haar.

Eines Tages wurde ich gefragt, warum ich meine Haare nicht kämme. Was seinen Sinn und Zweck hatte, da meine damalige Friseurin mir den Tipp gegeben hatte, dass man meine Mähne mit Lockenschaum und „Nicht-Kämmen“ bändigen könne. Ich war kein ungepflegtes Kind, aber ich habe mich durch diese Frage wie eins gefühlt.

Ein anderer prägender Moment in dieser Zeit war, dass ich über Jahre in einen Jungen verliebt war. Ich habe es einer „Freundin“ erzählt und danach blieb es nicht lange ein Geheimnis. Nach dieser Offenbarung wurde ich dafür ausgelacht und mir wurde gesagt, dass er nicht auf mich stehe. Damals hat das mein kleines Mädchenherz gebrochen, da ich nicht wusste, dass es eine unsichtbare Kategorisierung von Menschen gibt. Die einen kommen in die Kategorie „Mädchen die jeder schön findet“ und die anderen in die „Mädchen mit denen es peinlich ist, gesehen zu werden.“

Die Zeit auf dieser Schule war für mich eine Qual und nach Schulschluss habe ich sehr viel gegessen, um den Schulstress und dem Druck des Lernens aus dem Weg zu gehen.

So ging meine Jugend weiter bis ich auf eine andere Schule kam und Schminke & Glätteisen für mich entdeckt habe. Nach diesen Entdeckungen ging es für mich steil bergauf. Ich entsprach der Gesellschaft und wurde eher für schön empfunden – achja, und nicht zu vergessen, dass ich trotz Sehschwäche meine Brille aus Eitelkeit nicht getragen habe, was mir mindestens 2 meiner heutigen 6 Dioptrien Kurzsichtigkeit kostete.

In der Pubertät war das Thema „Hübsche Mädchen“ und „Nicht so hübsche Mädchen“ natürlich immer noch präsent. Auch damals bemerkte ich schon, dass Mädchen aus wohlhabenden Familien automatisch in die „bessere“ Kategorie kamen. Mein Gewicht war ein treuer Begleiter meines Erwachsenwerdens. Ich habe mich immer „zu viel“ gefühlt. Auch bei meinen ersten Beziehungen spielte es noch eine große Rolle, da ich mich fragte, ob ich jetzt die „Dicke“ unter den Ex-Freundinnen wäre. Obwohl mein Gewicht im normalen Bereich war.

Dann, als das erste Mal mit mir Schluss gemacht wurde, habe ich erstmalig angefangen, so richtig zu hungern. Ich wollte „schön“ werden. Ich wollte es meinem Ex-Freund beweisen. Was das Problem daran aber war, dass es nicht lange hielt und der Jojo-Effekt eintrat. Damals machten sich wieder diese „Essanfälle“ gegen Stress, die ich noch aus meiner Schulzeit kannte, bemerkbar.

Ich fing an, immer mehr Sport zu machen und als meine Ausbildung startete, fing ich wieder an, zu Hungern und dieses Mal durch gezieltes Kalorienzählen. Egal wie viel ich abnahm, ich kam meiner Meinung nach nicht zu dem Punkt, wo es gereicht hätte.

Natürlich hielt das wieder nicht lange und die Essanfälle raubten mir das letzte Fünkchen Selbstwertgefühl. Aus diesem Grund meldete ich mich in einem anderen Fitnessstudio an und erhielt einen Essensplan mit Kalorien von meinem Trainer. Somit konnte ich wieder mehr essen und „aufbauen.“ Die Essanfälle traten nicht mehr so häufig ein, aber sie waren noch da.

Irgendwann dachte ich mir „bei dieser ganzen Arbeit, die du in den Sport und in die Ernährung reinsteckst, kannst du auch mal einen Bikini-Wettkampf mitmachen.“ Gesagt, getan. Ich trainierte wie eine Wilde nach einem stressigen Arbeitstag und führte diszipliniert meine Diät. Nach ein paar Monaten hatte ich ein Gewicht erreicht, was ich nie vorher auf der Waage gesehen hatte und das obwohl ich viel mehr Muskeln hatte. Vielleicht ist es euch bekannt, dass Muskeln schwerer sind als Fett. Somit war diese Zahl wirklich am Limit. Ich nenne sie gezielt nicht, da ich weiß, was damals solche Zahlen in mir für Gefühle auslösten.

Wie gesagt habe ich am Bikini-Wettkampf mitgemacht, aber ich habe außer Erfahrungen nichts gewonnen. Nach dem harten Diäten fing das große Fressen erneut an und schwuppdiwupp hatte ich die Kilos wieder drauf. Für mich war das zuerst ein Schock. Ich wusste nicht mehr was ich machen sollte, „Warum hat mich dieser Bikini-Wettkampf nicht zum endlosen Glück geführt?“.

Mir wurde klar, dass ich meine Ziele umorientieren musste, dass es was gab, was mir wirklich diese innere Ruhe schenken würde, die ich mir so sehnlichst gewünscht habe. Das waren meine Anfänge zur „Selbstliebe“. Ich traf bei Instagram auf Accounts die kurvige Frauen zeigten und Geschichten erzählten, die ähnlich wie meine waren.

Zudem half mir das Buch „Essanfälle adé“ von Olivia Wollinger sehr. Natürlich ist selbst der Weg zur Selbstliebe nicht einfach und man trifft auf viele Baustellen. Es ist eine Herausforderung, sein Äußeres so zu akzeptieren wie es erschaffen wurde.

Jetzt gehe ich diesen Weg schon 2 Jahre lang und ich kann sagen, dass gerade das 2. Jahr mir eine unglaublich schöne Selbstsicherheit geschenkt hat. Ich zähle keine Kalorien und diäte auch nicht. Aber ich möchte auch ehrlich sein damit, dass ich im 1. Jahr noch sehr oft neue Diäten ausprobiert und mich nicht auf das intuitive Essen verlassen habe. An dieser Stelle möchte ich sagen, dass wir alle eine innere Stimme haben auf die wir uns ruhig verlassen können.

Ich weiß, dass ich keinen Model-Körper habe und das akzeptiere ich. Ich weiß, warum ich so bin wie ich bin und das ist toll. Wenn ich Dinge an mir nennen soll, die ich an mir liebe und wertschätze, dann sind das:

1. Mein Hintern, auch mit Cellulite.
2. Meine Beinmuskeln, da sie zeigen, dass ich gerne rausgehe.
3. Meine Locken, da sie mich einzigartig und wild machen.

Gerade diese Aufzählungen hätte ich als junges Mädchen nie von mir erwartet. Zumal ich auch oft wegen meiner stämmigen Beine gemobbt wurde. Ja, es gab sogar einen Jungen der über den ganzen Pausenhof „Monsterwade“ zu mir gerufen hatte.

Danke, dass ich diesen Text schreiben durfte, es war mir eine Freude. Er hat mir gezeigt, wie sehr ich mich verändert und welche Entwicklungen ich zurückgelegt habe. Ich kann mich mit meinen Kurven lieben und mich schön finden, obwohl die Mode-Zeitschriften mir was anderes einreden wollen.

Vielen lieben Dank.“

Von Herzen Danke an Dich, liebe Sarah! Ich weiss, dass Du mit Deiner Geschichten sehr vielen Leserinnen aus der Seele sprichst und jeder Beitrag, der hier online geht, macht die Welt da draußen ein bisschen entspannter.

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday? Dann einmal hier lang!

Und hier findet ihr die Facebook Gruppe zum Projekt.

Let’s spread some Self Love!