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Self Love Sunday #45 – Laura

06/05/2018

Self Love Sunday LauraSeid ihr bereit für die längste Self Love Sunday Geschichte ever? Ich freue mich über alle Maßen, dass Laura sie hier und heute mit uns teilt. Und das schreibe ich jetzt nicht nur, weil ich ebenfalls dem Team Kurt Cobain angehörte. Vorhang auf für Laura:

„Hallo Stereotyp!

Mein Weg zur Selbstliebe hat gefühlt ewig gedauert. Als Jugendliche fand ich meinen Körper glaub‘ ich ganz gut. Habe da gar nicht so sehr drüber nachgedacht. Viel schlimmer fand ich mein Gesicht und meine Haare. Ich begann mit 13, riesiger Britney Spears Fan zu werden und hätte wirklich ALLES dafür gegeben, so auszusehen wie sie.

Stets habe ich in Kategorien gedacht wie Tussi-Mädels oder dann im Gegensatz „Rocker“. Ich muss echt lachen wenn ich drüber nachdenke, aber in der Stadt, aus der ich komme war das total normal. Die „Tussis“ waren blond, mega geschminkt und trugen Miss Sixty, Buffalo und Co., während die „Rocker“ Dreadlocks, Doc Martens und Kurt Cobain Shirts feierten.

Da meine Haare ja nicht blond und glatt waren, sondern lockig und braun und ich Kurt Cobain über alles liebte, war ich halt eher „Rocker“. Fühlte mich aber auch wirklich in diesen Klamotten und mit meiner Lieblingsmusik viel wohler – und trotzdem entwickelte ich in diesem Alter einen Groll gegen die Mädels, die eben so aussahen und sich schminkten und auch gegen die Jungs, die diese toll fanden. Ich fing an, mich zu vergleichen und wenn ich die „Mädchen-Zeitung“ oder „Young Miss“ las, sah ich immer nur diese glatten Haare überall und diese perfekten Gesichter und später natürlich auch die Bikini Bodys.

Alles drehte sich nur noch um die Fragen „wie sehe ich aus“ und „sieht die besser aus?“ Ich stand abends, bevor es eine Party gab, sprichwörtlich heulend vor dem Spiegel und hasste mein Gesicht so sehr, dass ich mir wirklich manchmal gewünscht habe, zu sterben. Klingt das nicht abgefahren? War es auch und trotzdem war es damals für mich wirklich REAL.

Meine schlimmste Bodyshaming Erfahrung

Der schlimmste Moment in meiner Jugend war aber dieser: Ich habe eine athletische Körperform, also unter anderem ein breiteres Kreuz. Als Ballettschülerin mit großer Leidenschaft kam ich mir immer fehl am Platz vor, weil ich natürlich nicht so „zart“ aussehe, wie es im klassischen Ballett immer gewünscht war. Und obwohl ich Ballett bis heute über alles liebe, gab ich dieses Hobby nach 13 Jahren zum ersten Mal auf, nachdem ein Typ auf dem Schulhof zu mir sagte „Krass Alter, was hast du für breite Schultern, du siehst aus wie ein Mann“. Uff. Das saß so tief, wenn ich jetzt dran denke, bekomm‘ ich noch einen Kloß im Hals.

Ein Schritt in eine andere Richtung

Mit zunehmenden Alter und nach dem Abi, im Studium in Dänemark, lernte ich, dass es ganz viele verschiedene Schönheiten da draußen gibt, aus allen möglichen Nationen. Aber dann kam mein Bodyshaming dazu. Ich fand mich einfach schwabbelig und hasste meine „breiten Schultern“, wollte die berühmten „abs that are made in the kitchen“ und lernte dann auch noch meinen Ex-Freund kennen, der ins Fitnessstudio ging und zwar täglich.

Das war natürlich DAS gefundene Fressen für mein „Ich“ damals, das sich selbst überhaupt nicht liebte. Ich stieg sofort mit ein und ging ebenfalls täglich ins Gym, füllte Pinterest Boards mit Körpern, die aussahen, wie ich aussehen wollte. Entwickelte ein neues Schönheitsideal in meinem Kopf, weg von dünn, hin zu sportlich, muskulös und einfach mega trainiert. Damals war das Positive, dass dieses Ideal eher zu mir und meiner Körperform passte, was natürlich aus heutiger Sicht ebenfalls ziemlich belanglos ist.

Ein neuer, kranker Kreislauf begann. „Strong is the new skinny“, „Harder, better, faster, stronger“, Pinterest Boards voller „perfekt“ trainierter Frauenkörper und Essens – und Trainingspläne wurden mein neuer Alltag. Bei jedem Blick in den Spiegel prüfte ich, ob ich Fortschritt sah, kontrollierte meine Ernährung und las in dieser Zeit wirklich alles, was ich dazu in die Finger bekommen konnte.

Ich dachte, jetzt würde alles besser. Wurde es aber nicht, es wurde nur anders.

Meistens fühlte ich mich jetzt ganz gut, da ich ja jeden Tag Sport trieb und auch meine athletische Figur passte zu den „women who lift“ Damen im Fitnessstudio. Ich merkte nicht, dass das, was mir gut tat, die Bewegung war, sondern versteifte mich auf mein neues Schönheitsideal. Natürlich verglich ich mich weiterhin krankhaft mit den Pinterest Frauen und den Echten, im Irrglauben, ich hätte ein neues Selbstwertgefühl.

Doch wenn mich auch nur irgendjemand kritisierte, mich nicht mochte, meinen Lifestyle nicht mochte, ich mich mit meinem Partner stritt (der mir im Übrigen noch mehr das Gefühl gab, nicht toll genug zu sein), fiel ich hinab in einen Abgrund aus Selbsthass und Zerstörung. Ich dachte oft, wie schön es wäre, wenn ich einfach nicht mehr da sei. Meine Gefühlswelt erschien mir als so komplex und oft auch als „einfach nicht normal“.

Ich war eifersüchtig, verglich mich mit anderen, sprach schlecht über Menschen, um mich selbst besser zu fühlen. Natürlich nicht all the time! Aber ich war einfach das, was man als unzufrieden mit sich selbst betiteln würde – und das extrem und krankhaft. Rückblickend erscheint mir das so einfach, dieses Muster. Damals bin ich fast verzweifelt. Ich hab‘ es einfach nicht verstanden und war irgendwie auch verdammt einsam.

15 Jahre voller Selbsthass und depressiven Verstimmungen wegen Äußerlichkeiten?!?

Nach der Trennung von diesem Freund fühlte ich mich ein Stück weit befreit. Aus dieser Beziehung nahm ich allerdings vor allem mit: Egal wie viel ich trainierte, ich würde nicht gut genug sein. Nicht schön genug. Nicht sexy. Nicht schlau genug. Nicht wertvoll.

Ich habe teilweise gekrümmt in meiner Wohnung auf dem Boden gelegen und geweint und körperliche Schmerzen empfunden, weil ich mich selbst so für mein Aussehen hasste! Crazy ist gar kein Ausdruck dafür und ich empfinde richtig Mitleid mit meinem armen Körper, den ich damals so verachtete.

Dann zog ich nach Berlin und lernte meinen heutigen Mann kennen. Wir bekamen zusammen zwei Töchter, doch ich merkte, dass sich einfach mit jedem Partner meine Story wiederholte. Also begann ich nachzudenken, wo die Wurzel all meines Hasses gegen mich selbst lag und ich erkannte durch viel, viel Arbeit und durch das Lesen und Lernen von verschiedenen Büchern und Workshops, wo der Kern meiner Probleme begraben lag.

Ein Blick in meine Kindheit, meine Jugend, genügte: Die Kombination aus Medien und einem Erziehungsstil, in welchem ich permanent verglichen wurde, aber auch Mobbing in Form von „du bist immer so dämlich, nicht gut, nicht schön etc.“ durch nahe Verwandte waren der Schlüssel zu meinen Gedanken. Ich war immerzu so verdammt oberflächlich gewesen, habe mich nur verglichen und war regelrecht krank vor Eifersucht und der ständigen Angst, nicht schön genug zu sein für x oder y.

Ich wollte diesen Weg meinen eigenen Töchtern um jeden Preis ersparen und erkannte, dass dies nur geht, wenn ich mich selbst endlich wirklich ändere. Also begann ich, mich mit Spiritualität und Persönlichkeitsentwicklung auseinander zu setzen und entwickelte mich beruflich endlich in die Richtung, in die ich immer gehen wollte. Weg von meinem Masterabschluss hin zu dem Beruf, für den meine Schultern eigentlich zu breit waren (Augenzwinker), nämlich Tanzpädagogin. Dieser Schritt war der wichtigste in meinem Leben bisher, denn dadurch habe ich gemerkt, dass sehr wohl sehr viel in mir steckt, ich bis jetzt einfach nur nicht den Weg gegangen war, der wirklich meiner ist, sondern hauptsächlich im Außen gelebt und die Erwartungen anderer erfüllt habe.

Ich hatte bis dahin nur wenig mit Spiritualität zu tun, fand jedoch Yoga immer ziemlich toll und vor allem, den Lebensstil, der damit einhergeht. U.a. mit Laura Seilers Podcast änderte sich wirklich vieles in meinem Leben. Ich kapierte endlich, um was es im Leben geht und fand den Weg zu mir selbst, indem ich mich akzeptierte und mir eine neue Story über mich selbst erzählte. Ein riesiger Bestandteil dieser „Selbstfindung“ war auch das Buch „The Universe has your back“ von Gabrielle Bernstein, das ich oft gesehen, aber wegen des Titels immer als „bescheuert“ abgetan habe. Wie unglaublich arrogant und dumm von mir.

Meine Ernährung heute – alles, was ich brauche ist bereits in mir und war immer da

Ich habe allen Ernährungsstilen den Rücken gekehrt und halte überhaupt nichts von Dogmen. Ich esse das, auf was ich Lust habe und mache mir keine Verbote, orientiere mich jedoch an Ayurveda. Meistens sind das ganz natürliche Lebensmittel, selbst zubereitet und fleischlos. Aber manchmal hab ich einfach Bock auf ne Pommes oder Pizza und dann esse ich das auch, genau wie Kuchen oder Schokolade. Und doch darf man sich nicht von Instagram, dem Yoga und Healthy-Eating Trend beirren lassen. Man muss sich bewusst sein, dass das alles nicht echt ist, dass das einfach wieder ein neues Schönheitsideal ist, ein neuer kranker Kreislauf werden kann, wenn wir nicht auf uns aufpassen. Heute bin ich stark genug dafür, aber was machen heute die Jugendlichen?

Eine gesunde Einstellung zur Ernährung ist für mich einer der Schlüssel zum Wohlbefinden und immer mit einem Auge auch auf die Umwelt. Ein anderer Schlüssel ist Bewegung und die Freude daran – etwas tun, das sich sinnvoll anfühlt und mir somit ein gutes Gefühl gibt. Das kann ich glücklicherweise in meinem Beruf verwirklichen. Ich habe das alles in mir gefunden und nicht in der Umkleide irgendeines Fitnessstudios und das ist mein größtes Learning gewesen.

Ich bin so froh, ich selbst zu sein und konnte schon so viele Schritte in eine andere Richtung gehen, die wirklich authentisch ist. Ich weiß wirklich, dass ich super bin wie ich bin und dass es scheiss egal ist, wie man aussieht. Es kommt einfach auf das Herz an!! Ich spüre mein Leben in Fülle und habe gelernt, dankbar zu sein für das, was ist, war und noch kommt. Und auch mein Umfeld hat sich dadurch verändert, was teilweise schmerzhaft war, jedoch im Nachhinein auch richtig so.

Menschen, die mich runterziehen, weil sie über andere schlecht reden oder sich selbst das Leben erschweren, indem sie nach selbst auferlegten Verboten leben und das auch noch allen immer vorschreiben wollen, gibt es in meinem näheren Umfeld nicht mehr. Mein Weg ist noch lange nicht zu Ende, aber ich bin so viel stärker als früher und konnte mich selbst von der schlimmen Eifersucht befreien, womit ich niemals gerechnet hätte. In meinem Beruf bin ich heute ziemlich erfolgreich und ich arbeite von Herzen gerne darin, denn ich kann damit manchen Frauen helfen, dass auch sie es schaffen können, sich selbst anzunehmen. Das ist mein Traum und meine Vision.

My body is my castle

Und ich muss sagen: Ich mag alles an meinem Körper, denn er ist einfach ein Wunder. Allein die Tatsache, dass darin MENSCHEN wachsen können ist einfach nur irre. Um trotzdem etwas zu nennen: Besonders mag ich jetzt meine „athletische“ Figur mit diesen breiten Schultern ;-). Ich sehe stark aus und durch Yoga, Tanz und Pilates bin ich wirklich stark – mental und physisch. Und mein Bauch ist ganz weich, was sich wirklich auch schön anfühlt. Wir sind jetzt Freunde, mein Körper und ich.

Ich habe erkannt, dass die Hülle nicht wichtig ist und in welchen furchtbaren Gedanken ich damals gefangen war. Richtig krass einfach, wenn ich das rückblickend betrachte. Aber ich bin ganz schön stolz es geschafft zu haben und wünsche allen Menschen, dass sie sich nicht in diesen Teufelskreis reinziehen lassen, den die Medien propagieren.

Für meine Töchter habe ich angefangen, stark zu sein und lebe ihnen jetzt vor, wie man in sich selbst das findet, wonach auch ich lange, lange im Außen gesucht habe. Ich bin so dankbar, dass ich diesen Weg gehen durfte, denn er ermöglicht mir jetzt zwei richtig starke Mädels ins Leben zu begleiten und ihnen unglaublich gute Tools an die Hand zu geben, die ihnen helfen werden, bei sich zu bleiben und ihre eigene Wahrheit zu leben. Und wenn sich eins dieser Mädels irgendwann dazu entschließt, Frauen zu lieben oder lieber ein Mann sein zu wollen, dann werde ich alles in meiner Macht stehende geben, um sie auch auf diesen Wegen zu unterstützen. Denn das Innere zählt, nicht der Körper, nicht das Geschlecht. Das weiß ich jetzt.

Und all‘ das, was sich hier jetzt so fancy liest, was die moderne Spiritualität ist und was man „personal growth“ nennt (Achtung neuer Trend), all‘ das sieht ebenfalls auf Instagram und Co. unglaublich toll aus und es ist so einfach, da mitzuschwimmen und ebenso gefährlich. Denn wirklich wachsen, sodass wir frei sein können, können wir einfach nur, wenn wir hinsehen an den Stellen, an denen es uns peinlich ist und von denen wir eigentlich immer wollten, das genau das keiner über uns weiß. All‘ das, was sich hier jetzt so fancy liest, ist so tief in dir und mir und hat einfach gar nichts mit dem Außen zu tun. Aber wenn ich das geschafft hab, schafft das jeder!!

Danke liebe Jenny, für die Möglichkeit, meine Geschichte zu teilen und danke an alle, die sie wirklich bis zum Schluss gelesen haben. Vielleicht habe ich mich jetzt hier in den Augen einiger Menschen total blamiert, aber heute kann ich mit Stolz und Kraft sagen „I don’t care“ denn das hier ist alles authentisch und echt. Ich bin eine starke Verfechterin von Brené Brown’s Arbeit zu „In deiner Verletzlichkeit liegt deine größte Stärke“ und deshalb habe ich einfach alles genau so erzählt, wie es war. Verletzlich wie ein Mensch nur sein kann.“

Ich bin mir zu 100% sicher, dass jeder, der Lauras Text gelesen hat, sich innerlich vor ihrer Geschichte verneigt und dass niemandem auch nur eine Sekunde lang in den Sinn kommt, dass das Teilen einer so persönlichen Geschichte in irgendeiner Form eine Blamage darstellt.

Daher: Von Herzen Danke an Dich, liebe Laura. Ich glaube, Dir ist gar nicht klar, wie vielen Menschen Du mit Deiner Geschichte Mut machen und helfen wirst.

Wollt auch ihr mitmachen beim Self Love Sunday? Dann einmal hier lang.

Und hier findet ihr die krachneue Facebook Gruppe zum Projekt.

Let’s spread some Self Love!

1 Kommentar

Kommentar von jojo am 08/05/2018 bei 12:40   

Danke Laura. Der "Abgrund aus Selbsthass und Zerstörung", da bin ich auch wieder gerade, sehr viel weiter allerdings leider noch nicht... Immerhin fühle ich mich mit jeder Geschichte ein bisschen weniger allein ;-). Ich warte noch darauf, dass eine Frau eine schöne Geschichte mit ihren Hängebusen erlebt und das teilen kann. Ich glaube, ich werde es erstmal nicht sein ;-) T_T..

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