Self Love Sunday #41 – Klaudie

Self Love Sunday KlaudieIch hörte kürzlich in einem Podcast, dass Frauen ab 40 in unserer Gesellschaft nicht mehr auftauchen. Sie sind in der Werbung, in Magazinen, in Filmen und im Fernsehen praktisch nicht mehr existent.

Seitdem freue ich mich jedes Mal gleich doppelt, wenn eine Frau hier ihre Geschichte mit uns teilt, die älter als 40 ist und möchte Klaudie und ihrer Geschichte nun den rosa Teppich ausrollen:

„Hola, Aloha & Hallo!

Nun endlich raff‘ ich mich auf. Selfn Love Sunday! So eine grandiose Möglichkeit, mal meine bisherigen 47 Jahre rückblickend zu betrachten. Denn es gab Zeiten, da war ich mit meinem Körper nicht eins, gefühlt eher zwei!

Als Kind war ich fast immer die Kleinste (ok, bin ich immer noch). Ich war fast zerbrechlich und sehr dünn. So durfte ich mich in der Grundschule und darüber hinaus immer mit Latzhosen oder Hosen mit Gummizug zufrieden stellen. Meine Erinnerungen hier sind relativ verblasst, da mir damals mein Körper unwichtig war. Notiz von ihm habe ich dann genommen, als ich auf ein Mädchen-Gymnasium kam. Hier wurde recht schnell klar, es ging bald um „Competition“. Wer hat welche Marken-Klamotten und wer kam geschminkt zur Schule oder hatte dann einen Freund.

Meine Eltern hielten mich immer an der kurzen Leine, ich wurde sehr streng erzogen. Was den Kontakt zu Jungs gänzlich verbot. Es blieb nicht aus, dass man sich in der Mittagspause dann doch im Pausenhof mit den Jungs der benachbarten Schule traf. Ich war damals immer noch zu dünn, an mir war nichts dran. Was ich dann auch von einigen Jungs hören musste. „Kein Arsch, keine Titten…wie Schneewittchen“. Trotzdem war mir das damals noch recht egal, denn die molligeren Mädels hatten es ja noch schwieriger.

Damals konnte ich einfach essen, ohne drüber nachzudenken, ob es mich eventuell runder macht. Als ich mich verliebte, schämte ich mich für meine nicht vorhandenen Brüste. Ich war zu schüchtern, um mich einem Jungen nackt zu präsentieren. Allerdings merkte ich mein zunehmendes Interesse an figurbetonter Kleidung. Da wurden die extrem übergroßen XXL-Hosen im HipHop-Look gegen enge 501 eingetauscht. Damals musste ich den Gürtel noch um einiges enger schnüren, aber ich war happy. Ich trug nie BHs, denn es gab ja nichts zu „halten“ und unbequem fand ich diese auch.

Ich hatte nicht viel Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, denn ich kämpfte daheim mit meinen Eltern und der Schule. So war ich weiterhin die Kleine, an der einfach nicht viel dran war. Richtig sexy und toll fand ich mich damals nie. Das habe ich tatsächlich erst die letzten 15 Jahre erlernt. Davor noch gab es eine Phase, in der ich meinen damaligen Mann kennen gelernt habe. Er hat mich so geliebt, wie ich war. Zusammen wurden wir dann gemütliche Couch Potatoes. Wir kochten viel, dementsprechend gab es immer viel zu essen und wir bewegten uns definitiv viel zu wenig.

In dieser Zeit wurde ich „endlich“ rund, aber leider auch extrem träge und faul. Mein Darm wurde krank und es hieß, ich hätte Morbus Crohn (chronische Darmentzündung). Ich bekam Cortison und andere Medikamente. Und hier war dann gefühlt mein Leben in einer Sackgasse. Es ging eine emotionale Talfahrt los, ich fühlte mich schwammig und rund. Die Beziehung ging bereits nach 4 Jahren zu Bruch. Ich merkte, ich konnte so nicht mehr weiter machen, ich wollte es nicht. Ich fühlte mich in meinem Körper gefangen. Durch die Medikamente beeinflusst und dem großen Hunger wog ich einfach zu viel. Die Hosen spannten, die BHs (ich fing an, welche zu tragen) hatten jetzt eine unübersehbare Größe, ich war unfit und fühlte mich einfach dauerhaft unwohl.“

Der Self Love Sunday soll aufzeigen, dass alle Frauen (und auch Männer) schon Erfahrungen mit Bodyshaming gesammelt haben, und zwar ganz losgelöst davon, wie sie aussehen. Er soll uns dahingehend sensibilisieren, wie wir Körper beurteilen, bewerten, mit Labels versehen und in Schubladen packen. Er soll uns aufzeigen, was wir mit diesen Beurteilungen und Bewertungen, sofern wir sie laut aussprechen, bei anderen Menschen auslösen und anrichten können und es wäre ganz cool, wenn wir durch den Self Love Sunday irgendwann kollektiv checken, wie facettenreich Schönheit ist.

„Die Entscheidung der Trennung ging von mir aus. Ich fühlte, ich konnte nicht so weitermachen. Ich fühlte, ich musste was ändern, um mich wieder lebendig, frei und glücklich zu fühlen. Innerhalb von 3 Monaten krempelte ich mein Leben um. So hatte ich dann einen neuen Job, eine neue Wohnung, war geschieden und lebte allein. Aber das allerbeste: Ich entdeckte die Bewegung und somit regelmäßigen Sport für mich.

Ich setzte das Cortison ab und entgiftete mit Hilfe eines Arztes. Allein die Entscheidung, mich zu verändern und neue Wege zu gehen, beflügelte mich. Ich nahm fast 10kg ab und fühlte mich wieder lebendig, lebendiger denn je. Ich ging regelmäßig zum Sport, versuchte mich bewusster zu ernähren. Na ja, mit der Ernährung nahm ich es nie so ganz Ernst. Mein neuer Job machte mir Spaß und ich liebte die Unabhängigkeit und auch das Alleinsein.

Und erstmals in meinem ganzen Leben, fing ich an, meinen Körper und MICH richtig zu lieben. Er wurde mir bewusst, ich hatte Freude an ihm. Ich hatte Lust, mir schicke Klamotten zu kaufen, die meinen Körper betonten. Ich war stolz auf mich und merkte, wie man sein Leben selbst in der Hand hat mit all‘ seinen Entscheidungen und Konsequenzen. Ich bin viel ausgegangen und war nächtelang auf den Tanzflächen und tanzte mich noch glücklicher. Ja, Musik ist auch Medizin und gehört zu meinem Leben. Genau wie ich erst 2010 mit dem Surfen angefangen habe. Das Meer und die Wellen zu spüren sind das großartigste, was ich für mich entdeckt habe.

2013 hatte ich dann wieder einen derben  Durchhänger. Es ging mir schlecht, wobei ich einen begehrten Job bei einem weltbekannten Unternehmen hatte. Dieser und meine damalige Beziehung machten mich kaputt. Ich hab aus Frust viel gegessen, gerne mal 2 Leberkas-Semmeln am Tag. Ich fühlte mich grässlich in meiner Haut. Ich kam mir vor, als wäre ich auf’s Doppelte gewachsen. Selbst meine Freunde gaben mir hier Feedback, dass ich vielleicht mal wieder mehr Sport machen sollte. Auch diesmal zog ich den Schlussstrich: Ich kündigte den Job und trennte mich von meinem Freund. Und fing wieder regelmäßig mit Sport an und war so oft wie möglich am Meer und beim Surfen.

Mit meinen Beziehungen hatte ich bisher wenig Glück. Aber ich lernte, dass ich sehr wohl allein sein kann und mich selbst lieben kann. Und ja, es gibt Phasen, wo mein Körper verrückt spielt, aus Kummer oder Traurigkeit und ich dann nicht essen oder schlafen kann oder wegen Stress im Job einfach durch den Wind bin. Das beeinflusst auch mein Lebensgefühl, ganz klar! Aber ich weiß immer wieder, wie ich mich aus einem Loch rausziehen kann – gerne auch mit einer heißen Schokolade, einer Runde Pole Dance, im Wasser oder mit einem Gespräch mit guten Freunden.

Und ich habe auch noch entdeckt, wenn es mir nicht gut geht, ich emotional nicht hoch komme, dann schmeiß ich mich in eine tolle Klamotte, die meine „Lieblingsstellen“ betonen und mach‘ ein Selfie. Dann denk ich mir „Wow, die coole Socke bin also ich“. Ich mag derzeit wirklich jeden Zentimeter an mir, was eben nicht immer so war.

Mittlerweile bin ich eine kurvige Frau, ich mag meine Brüste, meinen Popo und mein Lächeln. Worauf ich sehr achte, ist die Pflege meiner Haare und Zähne. Mein kleines Bäuchlein ist mittlerweile ein akzeptierter Teil meiner Kurven! Das Leben gibt mir ziemlich viel Saures, aber irgendwie finde ich immer wieder Wege, dass ich daraus was mache. So bin ich derzeit auf Fuerteventura und mach‘ eine Auszeit und schmeiß mich so oft wie möglich in die Wellen. Probiert es aus! Ich hab mit 39 damit angefangen. Es ist nie zu spät! In diesem Sinne „Aloha“ aus Fuerteventura,

Klaudie“

Die starken Frauen geben sich hier in den letzten Wochen die Klinke in die Hand. Das flasht mich über alle Maßen. Von Herzen Danke an Klaudie für so viel Power zwischen den Zeilen!

Wollt ihr selbst mitmachen beim Self Love Sunday? Dann einmal hier lang.

Let’s spread some Self Love!