Ende des Projekts vs. „Neue Regeln“ beim Self Love Sunday

Regeln Self Love SundayLiebe Leute, die vergangene Woche war nicht ohne. Trotz mehrerer Social Media Shoutouts (danke von Herzen an alle, die meine Aufrufe geteilt haben), war schnell klar: Der Self Love Sunday steht vor dem Aus. Es gibt niemanden mehr, den oder die ich zum Mitmachen bewegen kann.

Ich hab‘ mir in den vergangenen Monaten den Arsch abgeflyert und „abgestickert“. Und ich hätte nicht mehr Direktnachrichten verschicken können, als ich es in der vergangenen Woche getan habe. Aber trotz all‘ dieser Bemühungen gab es niemanden, der bereit war, mir für die heutige Ausgabe Bild und Text zukommen zu lassen.

Gepaart mit all‘ den guten Ratschlägen von wegen „Du musst mehr Werbung machen“ oder „Schreib‘ doch mal Promi X oder Fitness Influencerin Y an“ fühlt sich dieser Gesamtcocktail erstmal unfassbar scheisse an. Ich hatte das Gefühl, auf ganzer Linie versagt zu haben, denn ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel meiner Zeit und Energie bereits in den Self Love Sunday fliesst…

Als ich am Donnerstag Abend zum Yin Yoga ging, setzte ich mir die Intention, das Projekt in den kommenden 90 Minuten los- und gehen zu lassen und war dann auch wirklich bereit, es zum Wochenende offiziell zu beerdigen. Ich war zwar sehr traurig, habe es aber leider nicht selbst in der Hand und bin Sonntag für Sonntag auf eine neue coole Socke angewiesen, die hier ihre Geschichte mit uns allen teilt.

Am Freitag Abend wärmten mein Franzbrötchen und ich uns dann im Hamburger Hauptbahnhof vor’m Zeitschriftenregal auf, um nicht am Bahnsteig festzufrieren und es war genau dieser Anblick hier, bei dem mir klar wurde: Ich kann und will den Self Love Sunday nicht sterben lassen!

Fuck It

Mir ist vollkommen klar, dass ich mich hier vor Freiwilligen kaum retten könnte, ginge es darum, Vorher/Nachher Bilder nach Diät X oder Ernährungsumstellung Y zu veröffentlichen. Würde ich hier irgendwelche hirnrissigen Rezepte oder Ernährungspläne mit euch teilen, die an ein Abnehmversprechen gekoppelt sind, würde die ganze Nummer durch die Decke gehen. Aber Selbstannahme und Akzeptanz dessen, was ist, liebe Leute – das ist next level. Das erfordert wirklichen Mut.

Wenn ich aus den vergangenen 39 Folgen irgendetwas gelernt habe, dann ist es, dass alle, und zwar ausnahmslos alle (ganz egal, ob sie in einem großen, kleinen, dicken oder dünnen Körper wohnen) mit der gleichen Scheisse struggeln. Wer für diese Scheisse nun aber nur Magazine wie die oben gezeigten verantwortlich macht, sollte mal seinen Instagram Feed oder seine Blogroll durchscrollen und sich fragen: Wo wird mir hier oberflächlich eine entspannte Haltung verkauft, aber unter’m Strich trotzdem mit Begrifflichkeiten wie „verbotenen“, „bösen“, „schlechten“ oder „ungesunden“ Lebensmitteln jongliert? Wer propagiert Selbstliebe, schreibt dann aber trotzdem über Diäten? Das Problem ist um so vieles komplexer als das Zeitschriftenregal im Hamburger Hauptbahnhof.

Und ich kann und will mich dieser Maschinerie nicht beugen. Ich weiss, dass es unbequem ist, für Körperakzeptanz einzustehen und dass die ganzen Menschen, die sich online und offline ein goldenes Näschen mit Diäten und Ernährungskonzepten verdienen, bei diesem Thema sofort die Gesundheitskeule schwingen, damit ihre Schäfchen nicht anfangen, jene Konzepte und Programme in Frage zu stellen, aber ich kann und will (noch) nicht kapitulieren.

Und aus eben diesem Grund möchte ich ab sofort auch all‘ denjenigen den Raum und die Möglichkeit geben, hier ihre Geschichte mit uns zu teilen, denen nicht wohl dabei ist, erkannt zu werden. Aus diesem Grund habe ich die „Regeln“ entsprechend adaptiert und wer mag, kann ab sofort mit dem Self Love Sunday Schild sein Gesicht verdecken. (Ich habe euch oben einfach mal spontan selbst demonstriert, wie das aussehen könnte.)

Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, als euch hier weiterhin Sonntag für Sonntag eine Plattform zu bieten, auf der reale Körper sichtbar werden. Denn ihr glaubt mir nicht, wie häufig ich in der vergangenen Woche folgenden Satz gehört habe „Jenny, ich würde so gerne mitmachen und Dich bei dem Projekt unterstützen, aber ich liebe mich nicht selbst.“ Und jedes einzelne Mal hätte ich die betroffene Person am liebsten geschüttelt und ihr in’s Gesicht geschrien, wie wunderschön und gut und richtig sie ist! Bei sowas blutet mir das Herz, ehrlich.

Lasst uns bitte alle zusammen etwas an dieser Situation ändern, indem der Self Love Sunday weitergeht und Woche für Woche Menschen erreicht, berührt und für das Thema sensibilisiert! Ihr würdet mir sehr helfen, wenn ihr mit möglichst vielen Menschen über das Projekt redet, ihnen den Link schickt, es über einen Social Media Kanal eurer Wahl teilt oder auch selbst mitmacht – von mir aus auch mit dem Schild vor’m Gesicht! Es geht um die Geschichten hinter dem Schild und es geht darum, reale und nicht retuschierte Körper sichtbar zu machen.

Alle Infos zur Teilnahme findet ihr hier.

Von Herzen DANKE für euren Support.

Jenny