Self Love Sunday #37 – Lisa

Self Love Sunday LisaEinmal mehr hat eine Yogini mir den Popo gerettet. Eine Runde Glitzer und Konfetti für Lisa aka Monkey Yoga, ohne die hier heute keine neue Folge online gehen würde! Ich freue mich riesig über die erste schwangere Teilnehmerin, daher: Vorhang auf für Lisa und das Baby in ihrem Bauch:

„Ich liebe das Projekt „Self Love Sunday“ und verfolge seit einer Ewigkeit all‘ die tollen Posts. Dabei begeistert mich vor allem die Offenheit der bisherigen TeilnehmerInnen, die den Self Love Sunday so besonders macht. Umso glücklicher bin ich, dass ich nun selbst daran teilhaben darf.

Mit 15 Jahren, als ich ein ganz normales Mädchen mit normaler Figur war, und zum ersten Mal über beide Ohren verliebt war, wurde mein gutes Körpergefühl über Nacht vernichtet. Damals begann mein Körper gerade, auf natürliche Weise weiblicher zu werden und Rundungen zu bekommen.

Disziplin oder Reue beim Essen kannte ich nicht, sondern ich aß, was ich wollte und wann immer ich Hunger hatte. Sport machte ich viel und gerne, weil ich Spaß an der Bewegung hatte. Eines Nachts, als wir bereits ein paar Monate zusammen waren, griff mir mein Freund unvermittelt an meinen Bauch und sagte völlig unverblümt: „Na, du hast aber ganz schön zugelegt!“ Dieser Moment änderte alles und mein Selbstwertgefühl war verschwunden. Anstatt ihn in den Wind zu schießen, begann ich den langen Kampf gegen mich selbst.

Ehrgeizig war ich schon immer, und so entschied ich noch in der gleichen Nacht, dass ich rigoros abnehmen wollte, um ihm wieder zu gefallen. Innerhalb von wenigen Wochen hungerte ich mich so herunter, dass ich nur noch aus Haut & Knochen (& Muskeln) bestand. Essen bedeutete für mich nur noch Kalorien, und die Nährwerte kannte ich schnell auswendig.

Sport verwandelte sich allmählich in eine tägliche Pflicht, sodass mir das Joggen durch die Weinberge kaum noch Spaß brachte. Ich war unglaublich streng mit mir selbst und verzieh mir keinerlei Fehler mehr. Die meiste Aufmerksamkeit legte ich auf meinen Bauch, der mir nicht mehr gefiel, sobald ich morgens gefrühstückt hatte.

Über viele Jahre nahm mein Körperwahn einen unendlich großen Raum in meinem Leben ein. Vor meiner Familie, Freunden und meinen Partnern konnte ich meine Gedanken meist gut verstecken oder überspielen, doch meine Gedanken drehten sich ständig um Essen, Sport und meinen Körper. Rückblickend macht es mich wirklich unendlich traurig, wie viel negative Energie mein Selbstoptimierungswahn in mir kreierte.

Über die Jahre wurde ich langsam nachsichtiger mit mir und erlaubte mir, meinen Körper wieder anzunehmen. Dennoch achtete ich dabei immer darauf, bloß nicht mehr als ein paar Kilos zuzunehmen, sodass ich immer an der Schwelle zum Untergewicht blieb und in Kleidergröße 34 passte. Yoga und meine Ausbildung zur Yogalehrerin vor knapp 3 Jahren haben aber schon sehr viel in mir bewirkt und mich liebevoller und gelassener mir selbst gegenüber gemacht.

Und auch wenn es verrückt klingt, hat mir ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule vor 3 Jahren dabei geholfen, meinen Körper mit anderen Augen wahrzunehmen und achtsamer zu werden. Über die Zeit habe ich mir eine sehr unnatürliche Haltung antrainiert und den ganzen Körper immer unter Spannung gehalten – Brust raus, Bauch rein, Schultern zurück.  Ich kannte meinen Nacken und oberen Rücken nur verspannt. Irgendwann litt ich unter Höllenschmerzen und konnte wochenlang kaum mehr schlafen, bis die Diagnose kam. Seitdem höre ich bewusst auf jedes Signal meines Körpers und achte darauf, seine Grenzen zu respektieren.

Heute wiege ich 15 kg mehr als noch vor 9 Monaten, und trage eine riesige Kugel vor mir her: Direkt nach unserer Hochzeit im Sommer 2017 wurde ich schwanger, und mein Körper verändert sich seitdem an jedem einzelnen Tag. In den ersten drei Monaten, in denen mein Körper von Hormonen geflutet wurde, ging es mir richtig elend. Mir war Tag und Nacht übel und ich konnte den Tag nur bestreiten, wenn ich meinen Magen von morgens bis abends mit gehaltvollem Essen gefüllt hielt. An Bewegung war überhaupt nicht zu denken – ich konnte nicht mal mehr spazieren gehen.

So nahm ich innerhalb von nur wenigen Wochen 7 kg zu und passte in keine einzige meiner Hose mehr. Doch ich wusste währenddessen, dass mein Baby diese Fettreserven (besonders an Po und Oberschenkeln) scheinbar braucht und sich die Natur dabei was gedacht hat. An manchen Tagen kommt dennoch meine alte Unzufriedenheit und Selbstkritik wieder durch, und ich trauere um meine so durchtrainierte und schlanke „Vor-Schwangerschafts-Figur“.

Dann erinnere ich mich aber daran, dass ich das größte Geschenk auf Erden in mir trage und dass dieses Wunder nur durch meinen Körper möglich ist, der etwas Unglaubliches leistet. Außerdem gibt es für mich nichts Schöneres, als die Hände auf meinen riesigen Bauch zu legen, und darunter die feinen Bewegungen unseres Babys zu spüren, das schon in ein paar Wochen auf der Welt sein wird.

„So, und nun zu den 3 Körperteilen, die ich an mir besonders mag:

1.) Meine Augen mag und mochte ich immer sehr gerne, besonders die tiefgrüne Augenfarbe, die es gar nicht so oft gibt!

2.) Meine Schultern. Sie sind schön definiert und so stark, dass sie mich (fast) alles machen lassen. Egal, ob ich schwere Kisten schleppe (natürlich nicht in der Schwangerschaft) oder Handstände mache.

3.) Meine Brüste. Früher mochte ich sie nicht besonders, ich fand sie immer zu klein. Durch die Schwangerschaft sind sie so weiblich und weich geworden. Und ich weiß, welches Wunder in ihnen steckt!“

Ich vermute mal, dass Lisa mit ihren Worten vielen Schwangeren aus dem Herzen spricht. Daher: Von Herzen Danke für’s Teilen und alles Gute für die bevorstehende Geburt!

Wollt ihr selbst mitmachen beim Self Love Sunday? Dann einmal hier lang.

Let’s spread some Self Love!