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Self Love Sunday #33 – Caroline

04/02/2018

Self Love Sunday CarolineWas wäre der Self Love Sunday ohne all‘ die wunderbaren Yoginis, die hier bisher mitgemacht haben? Dass jede dritte Teilnehmerin des Projekts aus der Yoga-Ecke kommt, legt die Vermutung nahe, dass Yoga nicht nur mutig macht, sondern auch dafür sorgt, das anzunehmen, was ist. Daher freue ich mich riesig, dass Caroline heute ihre Geschichte mit uns teilt:

„Ich bin über die liebe Noemi (vom She Is All Smiles Blog) unter dem Post zum Self Love Sunday der lieben Jenny verlinkt worden. Nachdem ich mich kurz orientiert habe, worum es dabei geht, war für mich klar: Ich bin dabei!

Solange ich zurückdenken kann, habe ich mich in meinem eigenen Körper unwohl gefühlt. Das fing bereits in der Grundschule an. Ich war ein wenig pummelig, nicht besonders sportlich, wurde wegen meiner Figur in der Schule gehänselt und sogar meine Familie hat mein äußeres Erscheinungsbild ständig kommentiert. In der 7. Klasse hatte ich kurzzeitig den Spitznamen „Kalorien Schnittchen“. Ja, das hat ganz schön weh getan.

Richtig schlimm wurde es dann mit 18. Nach dem Ende einer langjährigen Beziehung, in der ich noch mal ordentlich Kilos zugelegt hatte, beschloss ich dem Ganzen ein Ende zu setzen. Ich meldete mich im Fitnessstudio an, war so gut wie jeden Tag dort. Ich fing an, mich mit den verschiedensten Diäten auseinanderzusetzen und lernte Kalorien von Produkten auswendig. Die Pfunde purzelten am Anfang recht schnell (kein Wunder, wenn man direkt von 0 auf 100 geht) und ich bekam Komplimente! „Wow, Du hast aber ganz schön abgenommen.“ Der Grundstein für alles, was folgte, war gelegt.

Ein Jahr später zog ich von zu Hause aus, um ein Studium in Psychologie zu beginnen. Neues Umfeld, neue Leute. Sport und Ernährung waren im ersten Semester erstmal hinten angestellt mit für mich fatalen Folgen: Als ich an Weihnachten nachhause kam, hatte ich 5 kg zugenommen. Ein Alptraum. Ich beschloss, es nie wieder so weit kommen zu lassen. Ich begann erneut, Diät zu halten (wahrscheinlich Low Carb, ich weiß es nicht mehr).

Ab diesem Moment ging es mit meinem Körperbild steil bergab. Und es kam, wie es kommen musste: Ich entwickelte eine Essstörung. Am Anfang war mir gar nicht klar, was da eigentlich passierte. Beim Lernen mal eben 18 Kinderriegel verdrückt. Ups! Das war jetzt aber nicht so gut. Wie von selbst kam die Eingebung, ich könnte mich ja einfach übergeben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten was das Erbrechen angeht, hat man irgendwann den Dreh raus. Und dann gibt es kein Zurück mehr.

Ich rutschte immer tiefer in die Bulimie. In meinem Zimmer stopfte ich mich mit Süßigkeiten voll und gab Unmengen von Geld für Lebensmittel aus, anfangs 2-3x die Woche, irgendwann 2-3x am Tag. Dazu schleppte ich mich trotz Kopf- und Magenschmerzen vom Essen und Erbrechen jeden Tag zum Sport. Getrieben von der panischen Angst, zuzunehmen. Ich dachte, wenn ich irgendwann dünn genug bin, sportlich genug bin, dann wird das alles aufhören. Dann werde ich etwas wert sein, dann werde ich glücklich sein und dann werde ich keine Probleme mehr haben. Aus heutiger Sicht ein total absurder Gedanke, aber damals war jede meiner Handlungen nur danach ausgerichtet, die Gefahr zuzunehmen, möglichst gering zu halten.

Meine Gedanken kreisten den ganzen Tag nur um Kalorien, Nährwerte, wann esse ich was, wann habe ich Zeit zu erbrechen, wann kann ich Sport machen. Es war die Hölle auf Erden. Und entgegen meiner Hoffnung, irgendwann den Körper oder das Gewicht zu erreichen, das mich von all‘ meinem Leid befreien würde, wuchs der Selbsthass und die Abscheu gegen mich selbst immer weiter. In meinen Gedanken beschrieb ich mich selbst als „fett & hässlich“. Wenn ich in den Spiegel sah, hätte ich ihn am liebsten zertrümmert, so sehr hasste ich das, was mir da entgegenblickte.

Viel Zeit ist (zum Glück!) vergangen, seitdem ich mich das letzte Mal so gefühlt habe. 3 ½ Jahre Therapie, 2 Klinikaufenthalte und der Weg des Yoga haben mir letztendlich geholfen zu verstehen, dass mein Wert nicht von meinem Äußeren abhängig ist. Es hat mich viel Kraft und Zeit gekostet, einzusehen, dass ich dieses Idealgewicht oder den perfekten Körper niemals erreicht hätte (es gab hierzu gar keinen Endpunkt) und mich dieser Endpunkt auch nicht von all‘ meinen Problemen befreit hätte. Am Ende meiner Yogalehrer-Ausbildung in Panama konnte ich die Bulimie gehen lassen, mein Herz war weit geöffnet und ich habe mich selbst hineingelassen.

Deshalb weiß ich heute, dass ich genau richtig bin, so wie ich bin – egal, was die Waage sagt! Und trotzdem sind die Gedankenkonstrukte, die mich jahrelang begleitet haben, hartnäckig. Besonders, wenn ich einen Bikini anziehe, neige ich immer noch zum Body Checking im Spiegel und ich merke, wie sich destruktive Gedanken einschleichen. Ich sollte doch hier noch ein bisschen abnehmen und da den Muskel vielleicht etwas mehr trainieren. Der Unterschied zu früher ist, dass ich mir dieser Gedanken bewusst bin. Ich erkenne sie sofort und schenke ihnen dann (meistens) keine große Bedeutung mehr. So übe ich jeden Tag, mehr von diesem alten Mist loszulassen und mich selbst für das, was ich bin, zu lieben.

Kalorien und Nährwerte zähle ich zum Glück schon lange nicht mehr. Ich ernähre mich gesund und vertraue meinem Körper und höre zu, welche Signale er mir sendet. Ich weiß, dass es eine lebenslange Aufgabe für mich sein wird, die alten Verhaltensmuster nicht zurückkehren zu lassen.“

Der Self Love Sunday soll aufzeigen, dass alle Frauen (und auch Männer) schon Erfahrungen mit Bodyshaming gesammelt haben, und zwar ganz losgelöst davon, wie sie aussehen. Er soll uns dahingehend sensibilisieren, wie wir Körper beurteilen, bewerten, mit Labels versehen und in Schubladen packen. Er soll uns aufzeigen, was wir mit diesen Beurteilungen und Bewertungen, sofern wir sie laut aussprechen, bei anderen Menschen auslösen und anrichten können und es wäre ganz cool, wenn wir durch den Self Love Sunday irgendwann kollektiv checken, wie facettenreich Schönheit ist.

„Wenn ich heute in den Spiegel schaue, dann kann ich mir selbst zulächeln und ich kann mir ehrlich die Worte sagen: Du bist gut, so, wie du bist. Und ich traue mich sogar zu sagen, dass ich meine Haare, meine Augen und mein Lächeln eigentlich ganz schön finde!

Die Bulimie ist eine schlimme Krankheit, die mit sehr viel Scham verbunden ist. Heute schäme ich mich nicht mehr, darüber offen zu sprechen. Im Gegenteil. Mein Wunsch ist, Menschen, die unter ähnlichen Problemen leiden, Mut zu machen: Es gibt einen Weg aus der Essstörung und aus dem Selbsthass. Ich habe es geschafft und du kannst es auch! Ich versuche mit meiner Offenheit das ganze Thema zu „entschamifizieren“ und Betroffenen zu vermitteln, dass sie nicht alleine sind. Diesbezüglich habe ich für die Zukunft noch einige Projekte geplant!

Danke liebe Jenny, dass du eine weitere Plattform für Selbstliebe und Body Positivity schaffst! Wir brauchen ganz viel mehr davon.“

Von Herzen Danke an Dich, liebe Caroline, für das Teilen Deiner Geschichte. Ich bin mir sicher, dass sich sehr viele Leserinnen darin wiederfinden. Carolines Website befindet sich noch im Aufbau, aber folgt ihr gerne auf Facebook und Instagram. Falls ihr in Mannheim lebt und mal eine Yogaklasse bei Caroline besuchen möchtet, seid ihr so immer auf dem Laufenden!

Wollt ihr selbst mitmachen beim Self Love Sunday? Dann einmal hier lang.

Let’s spread some Self Love!

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