Lasst uns heute mal über Persönlichkeitsentwicklung reden.

PersönlichkeitsentwicklungAls Mensch mit einem „Online Business“ und einem Podcast bewege ich mich ganz klar in einer Bubble und ich bin mir nicht sicher, inwiefern das Thema des heutigen Artikels euch da draußen ähnlich auf die Ketten geht wie mir, aber wenn ich es nie thematisiere, werde ich es ja auch nie erfahren.

Daher: Lasst uns heute mal über Persönlichkeitsentwicklung reden!

Wie bei allen Artikeln der Kategorie „Meinung“ gilt auch heute: Es möge sich bitte niemand persönlich angegriffen fühlen, auch wenn der Post unter Umständen den einen oder die andere antriggert. Es geht mir um die Entwicklung im Ganzen und nicht um einzelne Personen.

Wer hier regelmäßig reinklickt, weiss ja, was ich davon halte, auf Biegen und Brechen sein eigenes Thema zu finden, um dann ein Online Business zu starten. Für alle, die hier nicht regelmäßig vorbeischauen, fasse ich meine Haltung dazu nochmal fix in 3 Worten zusammen: Rein gar nichts. Die Glorifizierung des Digitalen Nomadentums habe ich ja in dem Artikel Bloggen & Ortsunabhängiges Arbeiten schon mal in Frage gestellt, daher möchte ich da heute nicht nochmal tiefer einsteigen, aber meiner Beobachtung ist nicht entgangen, dass beide Themen (also digitales Nomadentum und Persönlichkeitsentwicklung) fast immer Hand in Hand daherkommen.

Es gibt meiner Meinung nach ein paar richtig gute Podcasts, in denen die Person hinter dem Podcast ein stabiles Fundament mitbringt und inspirierenden Input liefert. Und dann gibt es ungefähr drölfzigtausend weitere Podcaster, die wie Copycats anmuten, sich selbst zum Experten und Lifecoach ernennen und sich Folge um Folge um nichts weiter als ihr eigenes Ego drehen. Puh.

Das Intro „Herzlich Willkommen bei xy, DEINEM PODCAST FÜR“ scheint hierbei ebenso unabdingbar wie „Mein Name ist xy UND MEINE VISION IST…“

Ist noch jemand von euch so alt wie ich und hat früher „Lemmings“ auf dem Game Boy gespielt? Und warum reden alle immer von Authentizität und davon, sein „eigenes“ Ding zu machen, machen aber unter’m Strich dann doch alle das gleiche?

Ich möchte mich an dieser Stelle selbst als eine Person outen, die die ein oder andere Robert Betz Meditation auf ihrem iPhone hat, es geht mir also keineswegs darum, Menschen zu blamen, die sich intensiver mit sich selbst auseinander setzen, sondern viel mehr um diese ganzen Hampelmänner, die mir unter dem Hashtag Persönlichkeitsentwicklung erzählen wollen, dass ich mich vegan ernähren muss und einzig ein eigenes Business zur Erleuchtung führt.

Mir stellen sich an dieser Stelle nämlich zwei Fragen:

1) Wer fliegt euch nach Bali, wenn nicht der angestellte Pilot im Cockpit und wer serviert euch eure Hipster Bowl im Healthy Vegan Raw Café in Ubud, wenn alle nur noch um ihr eigenes Ego kreiseln und mit ihrem eigenen Business beschäftigt sind?

2) Wenn ihr euch wirklich mit euch selbst auseinandersetzen wollt, wäre es dann nicht ganz smart, das selbst gewählte Angestelltenverhältnis in der Vergangenheit als Teil eures Lebens anzunehmen und den Groll gegen das System loszulassen?

Ich kenne viele Menschen, die sich in Angestelltenverhältnissen befinden und damit sehr glücklich sind. (Ich habe sogar eine Freundin, die verbeamtete Lehrerin ist und nicht mit dem Gedanken spielt, sich das Leben zu nehmen! Wie crazy ist das bitte???) Und dann kenne ich wiederum Menschen, die selbständig und gleichzeitig unglücklich sind. In meiner Welt legt das die Vermutung nahe, dass „das eigene Business“ nicht zwangsläufig der Weg zu einem erfüllten Leben ist.

Kürzlich schlug iTunes mir einen Podcast der Kategorie Persönlichkeitsentwicklung / Digitales Nomadentum vor, der mir gefallen könnte. In der Folge, in die ich reinhörte, ging es darum, den Staat zu bescheissen und Steuern zu hinterziehen. Na vielen Dank auch.

Ich weiss ja nicht, wie es euch geht, aber je mehr ich mich mit mir selbst beschäftige, desto stärker wird mir bewusst, dass ich nur ein klitzekleiner Teil eines großen Ganzen bin.

Und ich bin verdammt dankbar für dieses große Ganze. Für den angestellten Briefträger, der mir an 6 Tagen die Woche Post zustellt. Für die angestellte Kassiererin im Supermarkt, die mir auch um 23 Uhr noch meinen Einkauf über’s Band zieht. Für den angestellten U-Bahn Fahrer, der mich des nächstens quer durch die Stadt fährt. Denn das alles, liebe Leute, würde es nicht mehr geben, wenn wir von nun an alle unser eigenes Business starten würden und unser Leben rocken!

Wir leben in einem Land, in dem niemand in ein Angestelltenverhältnis gezwungen wird.

Das spielt Menschen wie mir sehr in die Karten, denn ich kann mich nicht so gut unterordnen. Von daher war mir gleich nach meinem Examen klar, dass ich freiberuflich arbeiten werde. Es gibt aber auch Menschen, die diese Sicherheit, die ein Angestelltenverhältnis ja in den meisten Fällen mit sich bringt, brauchen und so ein viel entspannteres und glücklicheres Leben führen. Beides ist gleich gut.

Würden wir in Nordkorea leben und nicht in Deutschland, könnte ich das ständige Gejammere um „das böse System“ ja verstehen. Aber hier? What the fuck? Wir gehören zu den verdammten Glücksschweinchen auf diesem Planeten!

Daher mein Vorschlag: Wie wäre es, wenn alle, die in ihrem Podcast das System und ihre frühere Entscheidungen verurteilen, Frieden schließen mit eben diesen Entscheidungen ihrer Vergangenheit und Menschen wie mir, die auf iTunes Empfehlungen klicken, nicht länger die Ohren volljammern und das dann am Ende Persönlichkeitsentwicklung nennen?

Ich bin im Übrigen nicht der einzige Mensch, der sich von dieser Entwicklung latent genervt fühlt. Klickt euch hierzu gerne auch nochmal zu dem Post Fuck off Persönlichkeitsentwicklung – Optimier dich nicht kaputt von Josephine aka Hippie in the Heart rüber!

Und last but not least möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich mich mit meinem heutigen Buchtipp in dem Interview mit Ernst Crameri bezüglich der Szene rund um das Thema Persönlichkeitsentwicklung ein für allemal in’s Aus geschossen habe. Und ja, ich bin mir darüber im Klaren, wie absurd es anmuten mag, in diesem Post nun final auf einen Podcast zu verlinken, aber die drei Teile des Interviews dauern in Summe 90 Minuten und was ich so erzähle, unterstreicht meine Haltung zu dieser ganzen Sache nochmal ganz gut und persönlicher wird’s wohl nicht.

Ernst hat mir derart deepe Fragen gestellt, dass ich mich zwischendurch an meinem Tee verschluckt habe und er hat mir so Dinge entlockt, die ich auf dem Blog nie thematisieren würde, weil sie keinen direkten (und nicht mal einen indirekten) Spa-Bezug haben. Falls ihr euch das Interview anhört, gebt mir gerne mal Feedback in den Kommentaren, ob ihr das Buch kennt! Ich bin gespannt.

Von meinem Buchtipp aber mal ganz abgesehen: Wie seht ihr das? Rockt ihr schon euer Leben oder seid ihr noch Sklaven unseres fiesen Systems?

Sagt mal an!

Jenny