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Selflove Sunday #25 – Christine

26/11/2017

Selflove Sunday ChristineIch weiss nicht, wie es euch gehen wird, wenn ihr den heutigen Beitrag lest, aber mich hat er wahnsinnig stark geerdet und auf dem Boden der Tatsachen festgetackert. Als ich Christines Geschichte las, verspürte ich einmal mehr Bedürfnis, so laut wie möglich in die Welt zu schreien, wie scheissegal Ab Crack, Thigh Gap und Bikini Bridge sind, aber lasst euch einfach selbst berühren:

„So wirklich zufrieden mit meinem Körper war ich, glaube ich, nie. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wie ich das in der Kindheit gesehen habe. In der Zeit war das für mich kein Thema. Ich war eigentlich immer eher schlank und sportlich bis ich dann in die Pubertät kam. Und auch wenn ich nie eine Diät gemacht habe, fand ich mich doch nie perfekt so wie ich war.

Eigentlich witzig, denn wenn ich heute Bilder von damals sehe erkenne ich, was ich für eine Top-Figur hatte! Im Großen und Ganzen stört mich das auch nicht und es macht mir nichts aus, beispielsweise in die Sauna zu gehen oder ins Schwimmbad. Klar, wenn ich auf Instagram die ganzen supersportlichen Körper sehe, finde ich das gut und wenn ich mit einem Fingerschnipp so aussehen würde – gerne. Aber ich muss das nicht haben.

Eine für mich extreme Veränderung brachte meine Brustkrebsdiagnose Ende 2014 mit sich. Nicht nur, dass ich durch einige Operationen Narben habe (die mich optisch null stören, im Gegenteil – sie zeigen meine Stärke), aber bedingt durch die Chemotherapie fielen mir alle Haare aus. Ich hatte bis dahin meine Haare immer lang und blond. Und dann Glatze.

Das macht schon ganz schön was mit einem. Zum einen hatte ich die Erkenntnis, dass ich mit kurzen Haaren auch gut aussehe. Und dass Leute mich mit diesem Look eigentlich viel interessanter als vorher finden. Außerdem hat mir in der Zeit Make-Up doch wahnsinnig geholfen und ich habe mich dadurch trotz Glatze sehr weiblich gefühlt (roter Lippenstift olé!).

Was ist mir geblieben davon? Die Haare waren inzwischen schon zwei Mal wieder länger und ich habe sie vor ein paar Wochen wieder raspelkurz geschnitten bzw. rasieren lassen. Das steht mir gut, ich fühle mich wohl und finde mich nach wie vor sehr weiblich damit. 15 Kilo mehr, Narben und nicht zu vergessen die eine verkleinerte Brust (durch die brusterhaltende OP). All‘ das gehört zu mir. Sehr geholfen hat mir dabei Yoga. Ich habe mich dann sogar entschlossen, eine Yogalehrer Ausbildung zu machen (die endet Ende des Jahres) und biete inzwischen Yogakurse speziell für (ehemalige) Brustkrebs-Patientinnen an.“

Der Selflove Sunday soll aufzeigen, dass alle Frauen (und auch Männer) schon Erfahrungen mit Bodyshaming gesammelt haben, und zwar ganz losgelöst davon, wie sie aussehen. Er soll uns dahingehend sensibilisieren, wie wir Körper beurteilen, bewerten, mit Labels versehen und in Schubladen packen. Er soll uns aufzeigen, was wir mit diesen Beurteilungen und Bewertungen, sofern wir sie laut aussprechen, bei anderen Menschen auslösen und anrichten können und es wäre ganz cool, wenn wir durch den Selflove Sunday irgendwann kollektiv checken, wie facettenreich Schönheit ist.

„Ich mag an mir selbst sehr gerne meine Augen. Die haben eine tolle Farbe und meistens strahlen sie auch ziemlich. Überhaupt habe ich einen schönen Kopf und eine schöne Kopfform, die mir natürlich sehr zugute kam in meiner Glatzenzeit. Eine Freundin von mir findet übrigens meine Ohren toll. Das finde ich witzig, denn Ohren sind ja jetzt nicht gerade die beliebtesten Körperteile. Meine Brüste fand ich auch immer toll und finde das im Prinzip immer noch, auch wenn die operierte Brust nicht mehr so schön locker fällt wie vorher. Und meinen Bauch und die Taille finde ich auch schön. Ich habe eine schön definierte Taille und mein Bauch hat eine schöne Form, ist weich und mein Bauchnabel hat so eine schöne Kuhle.

Am Wichtigsten finde ich allerdings: Der Körper ist nicht das, was uns ausmacht. Es kommt auf das Wesen an. Das ist es, was Leute schön finden, ganz unabhängig davon, ob man dick, dünn, groß oder klein ist. Wenn der Kern stimmt, ist die Hülle eigentlich egal. Oder wie sagt man so schön: Das Äußere entscheidet, ob man mit jemandem zusammen kommt, aber das Innere ist verantwortlich, ob man zusammen bleibt.

Vielen Dank, Jenny, für dein tolles Projekt! Danke, dass ich ein Teil davon sein darf!“

Das Danke gebe ich sowas von zurück! Was für ein wertvoller Beitrag innerhalb dieses Projekts! Falls euch Christine genauso inspiriert wie mich, folgt ihr doch gerne auch auf Facebook, Instagram, YouTube oder abonniert ihren Podcast!

Und falls ihr selbst mitmachen wollt beim Selflove Sunday, findet ihr hier alle wichtigen Informationen.

Let’s spread some self love!

1 Kommentar

Kommentar von Konstanze Weber am 26/11/2017 bei 13:09   

Liebe Christine, danke für Deinen Beitrag zur Realität. Ich frage mich immer, warum so viele Menschen lieber angelogen werden möchten, in der Außenwelt und das Perfekte sehen möchten, wenn es doch kein Perfekt gibt. Welcher Mensch ist den in unserer gemachten Außenwelt perfekt, wenn selbst Models retuschiert werden. Ich finde das alles sehr traurig und stimmt mich auch angstvoll für die Zukunft meiner Töchter. Schon jetzt sage ich ihnen immer wieder, daß das Internet, YouTube oft auch nur Schein ist, denn hieran orientieren sich heute die Jugendlichen. Wenn wir endlich alle damit aufhören würden diese Scheinwelt aufzubauen, wären viele Probleme gar nicht vorhanden. Ich selbst bin Naturkosmetikerin und habe diese Scheinwelt auf der Beautymesse in München erlebt. Was wird da nicht alles geklebt, gemalt, gespritzt nur um den Schein der Jugendlichkeit für immer zu wahren. Das ist so krank. Jeder Mensch ist einzigartig, warum möchte man in der Masse schwimmen und wie ein vorgefertigte Puppe aussehen. Die Persönlichkeit sollte glänzen und dazu gehören die Falten, Narben, einfach dein Körper deines Lebens. Herzlichst Konstanze

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