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Selflove Sunday #7 – Julia Elena

23/07/2017

Selflove Sunday Julia ElenaLiebe Leute, mein Herz tanzt wie blöd, weil ich euch hier jeden Sonntag so unfassbar großartige Frauen vorstellen darf! Julie ist nicht nur Yogalehrerin, sondern singt auch Mantren und wer mehr von ihr lesen möchte, findet ihre Kolumne im Happy Mind Magazine! Vorhang auf für Julie:

„Solange ich mich erinnern kann, gab es immer etwas an mir auszusetzen. Meistens kam das von Frauen. Und das war für mich immer irgendwie überraschend, da ich mich mit Mädchenfreundschaften kaum auskannte. Denn ich bin unter Jungs aufgewachsen. Mit zwei jüngeren Brüdern, auf die ich gefühlt immer aufgepasst habe.

Meine Nachbarn waren alles Jungs und da musste man halt schon beweisen können, das man mitspielen durfte. Also schluckte ich Regenwürmer im Stück, versuchte mich beim Weitpinkeln, war IMMER der Indianer, der beim Spielen sofort starb und dann nicht mehr mitspielen durfte und wurde am Stuhl festgebunden, damit ich mir bei den John Sinclair Grusel Kassetten nicht die Ohren zuhalten konnte.

Das alles war tatsächlich ein Kinderspiel verglichen mit dem, wie mich später Mädchen in der Schule verletzt haben. Mit knapp 15 wartete ich sehnsüchtig darauf, daß unter meinem T-Shirt endlich etwas mehr passierte. Ich war eher Sporty Spice, tanzte 2 Mal die Woche Ballett und Lateintanz und ruderte noch 1-2 x die Woche. Beim Schulsport trug ich, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, beim Bodenturnen mein Ballettoutfit, einen blauen Einteiler, langärmlig- und beinig. Es war Zensurenzeit und wir sollten eine Sequenz vorturnen (Rad, Handstandüberschlag, etc.), die von 2 Sportlehrern und einer Referendarin bewertet wurde.

Ich bekam von allen drei Lehrern 15 Punkte. Bei der Zensurenbesprechung kam es dann zum Eklat mit allen Mädchen meiner Klasse. Vor versammelter Mannschaft warfen sie den Lehrern vor, ich hätte die volle Punktzahl nur aufgrund meines Balletteinteilers bekommen und nicht aufgrund meiner Leistung. Ich fiel aus allen Wolken. Die Lehrer waren empört, versuchten mich in Schutz zu nehmen und gleichzeitig den sehr aufgeregten Mädchen Mob unter Kontrolle zu bekommen. Ich lief weinend nach Hause und kam für 2 Wochen nicht mehr in die Schule.

Es gab Lehrer- und Elternkonferenzen, die zu nichts führten. Man zwang die Mädchen dazu, sich bei mir zu entschuldigen, jede Einzelne. Es war erniedrigend. Ich sonderte mich mehr und mehr ab, bis ich endlich für einige Monate Auslandsaustausch nach Amerika geschickt wurde. Zurück kam ich mit deutlicheren Rundungen (den Twinkie’s und Reese’s Peanut Butter Pieces sei es gedankt) und mehr Selbstbewusstsein, und landete *ganeshaseiesgelobt* in einer anderen Stufe und beendete mein Abi unbehelligt. Allerdings hat mich dieses Ereignis noch sehr lange begleitet.

Frauenfreundschaften misstraute ich von Grund auf und mein Körper war das Schlachtfeld, auf dem ich meine inneren Kämpfe austrug. Meine Körperform veränderte sich in den letzten mehr als 20 Jahren ständig und ich hatte immer das Gefühl, keine richtige Kontrolle zu haben. Ich war zu einem Emo-Esser geworden, die ihren Körper in einer Tour mit anderen verglich, nie zufrieden war und immer auf die nächste Diät lauerte, die alles besser machen würde.

Als ich vor 15 Jahren mit meiner Tochter schwanger war, habe ich dann so richtig losgelassen. „Wenn schon schwanger, dann nehme ich aber auch alles mit“, war mein inneres Motto und ich wog dann kurz vor der Niederkunft stattliche 85kg, was ich dann auch eher schwierig fand. 20kg fielen dann dem Stillen und einer miesen 6-monatigen Weight Watchers Diät zum Opfer. Ich wollte endlich mal in meinem Körper ankommen, nicht nur mir, sondern meiner Tochter zuliebe. Mit meinem Latino Körperbau entspreche ich einfach nicht dem zarten Model Ideal, das schätze ich inzwischen auch an mir (hat aber laaaange gedauert).“

Der Selflove Sunday soll aufzeigen, dass alle Frauen (und auch Männer) schon Erfahrungen mit Bodyshaming gesammelt haben, und zwar ganz losgelöst davon, wie sie aussehen. Er soll uns dahingehend sensibilisieren, wie wir Körper beurteilen, bewerten, mit Labels versehen und in Schubladen packen. Er soll uns aufzeigen, was wir mit diesen Beurteilungen und Bewertungen, sofern wir sie laut aussprechen, bei anderen Menschen auslösen und anrichten können und es wäre ganz cool, wenn wir durch den Selflove Sunday irgendwann kollektiv checken, wie facettenreich Schönheit ist.

„Ich habe einen großen Busen und viel Po und dolle Beine. Und ich steh in den meisten Zeiten auch total drauf. Nur als ich vor 7 Jahren meine Yogalehrer Ausbildung begann, warf es mich nochmal ordentlich aus der Bahn. Das gängige und oft propagierte Bild des Superyogi ist insta-tauglich, megadünn, biegsam und ernährt sich hauptsächlich von grünen Smoothies. Außer mit meiner Hypermobilität konnte ich da nicht punkten. Auch von außen bekommt man das gern mal unaufgefordert zu hören. „Hey, wie toll, daß Du mit Deinem Gewicht Yoga unterrichtest.“ – Äh, what?! Ihr wisst schon, worum es beim Yoga geht?

Mittlerweile kann ich sehen, woher solche Meinungen und Einstellungen kommen und kann damit umgehen. Ich arbeite ehrenamtlich an Gymnasien, um mit einer Gruppe Frauen Mädchen über Essstörungen aufzuklären und ihnen zu vermitteln, dass sie so viel mehr sind, als nur ein schöner Körper. Und zwar in jeder Körperform.

Dass man lieber an seinem eigenen Selbstwert arbeitet, als andere mit Worten runterzuziehen und zu verletzen. Ich bin wieder dort angekommen, wo alles angefangen hat. In der Schule. Und ich habe endlich Frauen als Freundinnen, die sehr genau wissen, was sie können, wo sie im Leben stehen und wer sie sind. Denen ich auf Augenhöhe begegnen kann und die ehrlich zu sich und zu mir sind. Und das tut so verdammt gut. Genauso wie es gut tut, im eigenen Körper zu landen und sich einfach mal wohl zu fühlen. Don’t believe the hype. Hol Dir jetzt das Eis, das Du Dir die ganze Zeit verbietest. Mach ich jetzt nämlich auch.“

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Danke an Julie! Wollt ihr selbst mitmachen beim Selflove Sunday? Dann einmal hier lang.

Let’s spread some self love!

1 Kommentar

Kommentar von Sabine C. Pahlke am 19/08/2017 bei 05:24   

Hi Julia, danke für deine Geschichte. Hihi, als ich gestern meinen Beitrag hier abgeschickt hab, gönnte ich mir erst mal voll Genuss Schokolade. Das was du von der Schule erzählst, das kenne ich ähnlich, vom nahen Umfeld und es begleitete mich lange. So kann ich deinen Text gut nachvollziehen und finde es megatoll, dass du letztendlich wieder in der "Schule" gelandet bist. Lieber Gruß Sabine

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