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Selflove Sunday #6 – Bärbel

16/07/2017

Selflove Sunday BärbelIhr könnt euch nicht vorstellen, wie viel mir der heutige Post bedeutet. Dass ich voll das Fangirl von Bärbel aka Yogamour bin, habt ihr in den vergangenen 5 Jahren bestimmt schon mitbekommen. Als wir uns zum ersten Mal trafen, hat Bärbel mich mit ihrer Zauberhaftigkeit derart verzückt, dass ich mich rückwirkend gar nicht mehr an ihre Körpergröße erinnern konnte. Umso happier bin ich, dass sie sich dazu durchringen konnte, heute hier mitzumachen:

„‚Bohnenstange‘. ‚Bügelbrett‘. ‚Tundra‘ (=wo nichts wächst). So wird man schon mal genannt, wenn man mit 14 gefühlt über Nacht mehr als 10 cm  in die Länge wächst und plötzlich 1,81 m groß ist. Wozu man in diesem Alter BHs braucht, konnte ich, bis ich 17 war, nur bei meinen vollbusigen Mitschülerinnen sehen. Die Hosen und Ärmel zu kurz, zu weit. Damenschuhe in 42? In den 80ern? In einer Kleinstadt im Allgäu? Ich habe viele Tränen geweint damals. Und versucht, die Schultern hängen zu lassen, damit ich etwas kleiner wirke. Zum Glück gab es immer auch Jungs und Mädels, die mich prima fanden, genau so wie ich war. Und ich hatte Eltern, die mir genau das regelmäßig vermittelten: „Du siehst schön aus.“ Glück gehabt!

Mit 22, als zweifache junge Mami, zogen wir nach München, 90er Jahre. „Woah, bist du groß (mittlerweile 1,84 m)! Bist du Model?“, wurde ich mehrfach gefragt. Ich fühlte mich geehrt und fast auch schön. Meldete mich auf Empfehlung beim Künstlerdienst, als Amateurmodel. „Falsche Konfektionsgröße, zu lang, zu muskulös, zu große Nase. Vielleicht in die Spaßkartei für zu große Menschen?“ Ich fühlte mich nicht mehr schön. Zum Glück hatte ich damals schon einen Mann (und habe ihn immer noch), der richtig große Frauen einfach richtig toll findet. Und das, obwohl wir gleich groß sind. Noch mehr Glück gehabt!

Mit 30, Yogaurlaub in Griechenland, Hochzeitsfest, ein 1,90 m großer Grieche baut sich vor mir auf: „Women shouldn’t be so tall. THIS is how women have to look like“ und nimmt meine Bekannte in den Arm, ich schätze sie war etwas über 1,60 m. Ich war sprachlos. Ich war eigentlich einfach nur da, hatte nichts gesagt, nichts getan, ein schönes Kleid an, war gut gelaunt, erholt. Aber zu groß. Hätte mir an diesem Abend jemand eine Schrumpfdiät angeboten, ich hätte wahrscheinlich sofort Geld dafür hingelegt. Ich bin äußerlich groß geblieben, das hatte ich mittlerweile im Yoga gelernt… aber innerlich habe ich noch mal geweint. Damals fing ich aber auch an, mich zu fragen: Was haben DIE eigentlich für ein Problem? Ich gehe doch auch nicht zu irgendjemandem hin und erzähle ihm, dass er/sie eigentlich zu klein, zu dick, zu dünn ist? Ich habe angefangen, mich innerlich aufzurichten. Ganz ganz langsam.

Mit 38. Italien, beruflich. Ich warte auf den Flughafenbus und frage einen gleichaltrigen Italiener (größer als ich by the way), ob ich an der richtigen Haltestelle stehe. „Ja“, sagt er, wir stehen etwas am Hang und er wirkt kleiner als ich. „You are too tall for a woman.“. Sagt es und stellt sich höher am Hang. Und sieht auf mich hinab. Es hat über 20 Jahre gedauert, bis ich kapiert habe, dass manche Menschen es nicht aushalten, neben einer sehr großen Frau zu stehen. Das war mir an diesem Tag so klar wie noch nie.

Mit 40. Der Film „Tall girls“ erscheint, eine Doku über große Mädchen, quasi  m e i n „Embrace“. Ich sitze auf dem Sofa, fühle mich verstanden. Weine für die jungen Mädchen, die sich operieren lassen und Hormone nehmen. Bewundere die New Yorkerinnen, die mit 1,87 m High Heels tragen! Mein Mann sitzt neben mir und sagt: „Jetzt verstehe ich dich.“ Denn er hat nie begriffen, warum ich mit meiner Größe unglücklich bin. Ich erkläre mich solidarisch mit allen großen Mädchen da draußen und fühle mich stark. Besser spät als nie!

Ich bin jetzt 45. Seit 7 Jahren produziere ich für yogamour.de Yogavideos zum Mitmachen. Die meisten Videos übe ich auch vor. Man sieht mich auf dem iPad/iPhone/Laptop/TV, also höchstens 30 cm groß. Viele Yogis wollen mich dann auch mal „live“ treffen und kommen zu meinen Workshops oder Retreats. „So groß habe ich mir dich nicht vorgestellt“, wird mir gesagt, aber staunend, ehrlich, ohne Wertung. Tatsächlich habe ich mit 18 Jahren Yogapraxis gelernt, mich innerlich u n d  äußerlich aufzurichten. Eins meiner positiven Leitsätze lautet: „Ich bin groß und stark.“ Und bin noch ein bisschen mehr gewachsen: Ich bin jetzt 1,86 m. Und keiner sagt mir mehr, dass ich zu groß bin. Saucool!“

Der Selflove Sunday soll aufzeigen, dass alle Frauen (und auch Männer) schon Erfahrungen mit Bodyshaming gesammelt haben, und zwar ganz losgelöst davon, wie sie aussehen. Er soll uns dahingehend sensibilisieren, wie wir Körper beurteilen, bewerten, mit Labels versehen und in Schubladen packen. Er soll uns aufzeigen, was wir mit diesen Beurteilungen und Bewertungen, sofern wir sie laut aussprechen, bei anderen Menschen auslösen und anrichten können und es wäre ganz cool, wenn wir durch den Selflove Sunday irgendwann kollektiv checken, wie facettenreich Schönheit ist.

„Ach ja, was ich an mir toll finde: Ich mag meine Zähne und Lippen. Wenn ich morgens zum Entknittern Grimassen in den Spiegel mache, muss ich lachen und freue mich um so mehr. Ich mag meinen Hintern (das war schon mal anders). Und mein Bauch ist auch voll gut.“

Von Herzen Danke an Bärbel für diese berührenden Worte.

Wollt ihr selbst mitmachen beim Selflove Sunday? Dann einmal hier lang.

Let’s spread some self love!

2 Kommentare

Kommentar von Sabine C. Pahlke am 19/08/2017 bei 05:33   

Liebe Bärbel, du beschreibst so schön, was du erfahren hast und ich fühlte dabei so sehr, wie andere Menschen letztendlich nur versuchten ihr inneres sich klein fühlen, zu kompensieren. Männer sicher noch mehr, als Frauen. Ich bin nicht so groß wie du, nur 1,71 ... aber ich hatte viele kleine Frauen um mich herum. Und ich erinnere mich noch gut, dass wir mal auf nem Fest waren und ich noch extrahohe Schuhe trug zum kurzen engen Kleid trug.. guter Dinge ging ich da hin, das erste Mal so richtig selbstbewusst und freudvoll ... ich konnte alles überblicken, was ich toll fand ... und dann geschah Seltsames. Ich hätte am liebsten die Schuhe ausgezogen. Wäre am liebsten in der Größe der Freundinnen gewesen. Empfand sie als viel weiblicher .. und wollte nicht mehr "gesehen" werden. Das alles lief aber in mir ab, und ich sprach es mutig auch gleich aus, was sehr gut tat in der damaligen Runde. Und ja, du schreibst es so schön... ein inneres und äußeres Aufrichten... und das egal wie groß man ist... danke dir liebe Grüße Sabine

Kommentar von Olivia Wollinger am 02/08/2018 bei 16:02   

Danke für deinen Bericht. Ich glaube, es war tatsächlich der erste, den ich über "zu groß" gelesen habe. Ich bin sehr berührt Solche Übergriffe erlebte ich (1,83) auch immer wieder. zB weigerte sich ein kleiner Mann sich mit mir in einer Salsa Rueda zu tanzen. Die Wende war bei mir auch, als ich begriff: ich bin ok. Die sowas tun, sind nicht ok. Diese Einsicht im Kopf hatte ich schon länger, aber ich musste 40 werden, damit dies auch in meinem Herzen ankam. Erst dann könnte ich wirklich bei mir ankommen .Seit ich komplett im Reinen bin mit meiner Größe, werde ich kaum mehr darauf angesprochen, das finde ich spannend. Mein Leitsatz würde: ich darf meine ganze Größe leben.

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