Physios im Spa #4 – Benjamin Jansen

Benjamin Jansen Physiotherapeut1) Wie kam es, dass Du Dich für die Ausbildung zum/zur Physio entschieden hast? Und war es Deine erste Ausbildung oder der zweite Bildungsweg? Was genau hat Dich an diesem Beruf gereizt?

Ich habe lange Leistungssport betrieben und habe dort durch einige Verletzungen meine ersten Bekanntschaften mit der Physiotherapie gemacht. Ich war sofort fasziniert, wie schnell mir der Therapeut mit einfachen Mitteln und Fachwissen helfen konnte. Nach meinem Abitur wollte ich erst Medizin/Orthopädie studieren, allerdings habe ich durch meine Verletzungen auch Bekanntschaft mit dem Berufsbild Orthopäde gemacht und hatte Angst, dass mir das Röntgenbilder betrachten und Medikamente verschreiben zu langweilig sein könnte. Ich wollte Menschen/Sportlern helfen, und das am besten sofort. Somit entschied ich mich für die Ausbildung zum Physiotherapeuten. Diese war meine erste Ausbildung.

2) Hast Du nach dem Staatsexamen „klassisch physiotherapeutisch“ gearbeitet? Falls ja: In welcher Richtung? Und war das cool?

Ja, das habe ich. Nach meinem Examen habe ich in meiner Traum-Fachrichtung gearbeitet. Ich arbeitete 3 Jahre in der ambulanten Rehabilitation und Sportmedizin in einem der größten Rehazentren in Hamburg. Das hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht und ich möchte diese Zeit und die gemachten Erfahrungen nicht mehr missen.

3) Wie kam es, dass Du in der Spa Branche gelandet bist?

Um ganz ehrlich zu sein, waren mir irgendwann die Aussichten auf beruflichen Erfolg/Aufstieg in der Physiotherapie zu gering. Der Verdienst war wirklich nicht angemessen und die Gesundheitsreformen machten auf mich nicht den Eindruck, dass es sich in den kommenden Jahren verbessern wird. Ich war 24 Jahre alt und mochte den Job sehr. Daher schaute ich mich nach Alternativen um. Ich war noch nie im Ausland und somit entschied ich mich für ein Jahr als Therapeut in einem Resort Hotel Spa zu arbeiten und mich neu zu orientieren.

Nach der Saison hatte ich ein Gespräch mit dem General Manager des Hotels. Da er mit meinen Leistungen sehr zufrieden war, wollte er mich überzeugen, doch noch ein Jahr im Hotel zu arbeiten. Ich wollte mich allerdings weiterentwickeln und nicht stehenbleiben. Da bot er mir an, ein Management Trainee Programm im Hotel absolvieren zu dürfen und im Anschluss ein BWL Fernstudium zu unterstützen. Dieses überzeugte mich und 6 Monate später war ich Spa Manager in Spanien.

4) Wie sieht Dein „Daily Business“ nun ganz konkret aus?

Ich bin nun Spa Manager im 5 Sterne Hotel Steigenberger Frankfurter Hof und Projektmanager für die Steigenberger Spa GmbH und somit für einige Spa Projekte in der Company zuständig. Ich habe meine Therapeuten Uniform nun gegen Anzug und Krawatte getauscht und behandle „leider“ nur noch sehr selten, da mein Aufgabengebiet dieses nur noch sehr selten zulässt. Zu meinen Aufgaben zählen:

– HR: Einstellung und Schulung vom Mitarbeitern, Erstellen von Dienstplänen
– Quality Management: Erstellung und Einhaltung von Standards, Überprüfung der Sauberkeit, Hygiene im Spa Bereich, Überprüfung und Sicherstellung der hohen Qualitätsansprüche an alle Mitarbeiter
– Finance: Erstellung und Einhaltung von Budgets
– Einkauf: Einkauf von Produkten und Verbrauchsartikeln im Spa
– Marketing: optimale Präsentation des THE SPA im Frankfurter Hof durch diverse Medien, Erstellung vom Marketing Kampagnen
– Strategie: Strategische Ausrichtung des THE SPA und weiteren Projekten der Steigenberger Spa GmbH

5) Wenn der Endverbraucher wüsste, wie viele Behandler ohne fundierte Ausbildung sich auf dem deutschen Markt tummeln, bekäme er es bei seinem nächsten Spa Besuch höchstwahrscheinlich mit der Angst zu tun. Die Branche beklagt sich über zu wenig ausgebildetes Personal. Wir haben es mit einem Bewerbermarkt zu tun und gleichzeitig gilt die Arbeit in der Spa Branche für die meisten Physios als niedere Tätigkeit. Was denkst Du, warum sich diese Überzeugung so in den Köpfen ausgebildeter Leute manifestiert hat? Und hast Du dem irgendwas entgegenzusetzen?

Bei deiner Aussage gebe ich dir vollkommen Recht. Hier ist meiner Meinung nach die Politik gefragt. Ich finde es höchst bedenklich, wenn ich daran denke, dass z.B. nur ausgebildete Friseure Haare schneiden dürfen, aber jeder(!) in einem Spa „massieren“ darf. Hier braucht es dringendst gesetzliche Richtlinien und staatlich zertifizierte Ausbildungen.

Natürlich trägt das auch dazu bei, das die Tätigkeit im Spa für viele Physios als „niedere Tätigkeit“ angesehen wird. Leider muss ich den Kollegen, die so denken, aber erheblich widersprechen. Ich kann aus zweierlei Blickwinkeln dieses begründen: Durch meine Zeit als Spa Therapeut und nun als Spa Manager. Der Anteil an Massageanwendungen in einem klassischen Spa liegt bei über 70%. Und von diesen 70% sind mit Sicherheit nur 20-30% für eine „Streicheleinheit“ da. Die meisten Kunden haben Beschwerden und Verspannungen wie alle anderen Menschen und wie ein Großteil der Patienten in den Physio Praxen. Hier gibt es zwei klare Vorteile für Physiotherapeuten in einem Spa zu behandeln:

1. Die Patienten sind keine Patienten, sondern Kunden. Sie kommen freiwillig und mit viel Lust zur Behandlung.
2. Die Behandlungszeit. Man hat meist mindestens 50 Minuten oder mehr Zeit für die Behandlung und kann entgegengesetzt zu den 15 Minuten bei Kassenpatienten in der Praxis auch wirklich etwas erreichen.

Noch ein Vorteil, der nicht von der Hand zu weisen ist, ist die Bezahlung. Der „Grundlohn“ ist nicht geringer als in den Physio Praxen, allerdings werden in den meisten Spas Kommissionen für Behandlungen und Produktverkauf gezahlt und es gibt deutlich mehr Trinkgeld als in einer herkömmlichen Praxis.

Ich kann wirklich nur an neugierige Kollegen appellieren: Wenn ihr eine neue Herausforderung sucht oder euch einfach mal verändern wollt, dann bewerbt euch in der Spa Industrie und macht euch euer eigenes Bild. Wir können qualifizierte Mitarbeiter immer gebrauchen!

Danke an Benjamin! Ein Post über THE SPA im Steigenberger Frankfurter Hof folgt in Kürze.