Physios im Spa #3 – Manuela Sonntag

Manuela Sonntag Physiotherapeutin1) Wie kam es, dass Du Dich für die Ausbildung zum/zur Physio entschieden hast? Und war es Deine erste Ausbildung oder der zweite Bildungsweg? Was genau hat Dich an diesem Beruf gereizt?

Ich hatte immer schon den Wunsch, Therapeutin zu werden, entschied mich aber damals als erstes für eine Schreinerausbildung und lernte danach in Portugal/Sintra lebend das Restaurationshandwerk, die Holzschnitzerei und die Kachelkunst. Ein wunderschöner Beruf, doch ich vermisste den direkten Kontakt und den Dienst am Menschen.

Als verträumte Wasserliebhaberin konstruierte ich in meiner Phantasie schon damals Liegen mit Funktionen, die ein körperliches Wohlgefühl und Entspannung bewirken, aus natürlichen Elementen wie Wasser, Luft, Erde, Feuer, Holz, Bürsten etc. Mein schönstes Körper-Naturerlebnis durfte ich mal in einer Vollmondnacht in den Bergen Nordportugals erfahren, als ich stundenlang in einer Warmwasserquelle lag und nur so dahin schmolz – was dann dazu führte, dass ich 1995 in der Schweiz die Ausbildung zum Aqua Wellness Bodyworker machte. Danach wusste ich, wie der weitere Weg aussehen sollte, um meine Arbeit als Therapeutin auf stabile Säulen zu stellen: Die Ausbildung zur Physiotherapeutin beendete ich dann im Jahre 2000.

2) Hast Du nach dem Staatsexamen „klassisch physiotherapeutisch“ gearbeitet? Falls ja: In welcher Richtung? Und war das cool?

Natürlich wollte ich meine erworbenen Kenntnisse aus der Physiotherapie erst einmal festigen und mich auch als spezialisierte Wassertherapeutin weiterentwickeln. 9 Jahre arbeitete ich in verschiedenen Praxen, verbunden mit einigen Pflegeheimen, Altersheimen und auch Hospizen. Als Ausgleich dazu realisierte ich regelmäßig meine Aqua Wellness Sessions und Gruppenkurse für Paare im warmen Wasser. Nach meinem Abschluss zur Wellnesstherapeutin in 2008 gründete ich in Wuppertal eine Praxis für Physiowellness.

3) Wie kam es, dass Du in der Spa Branche gelandet bist?

Meine Freundschaft zu Marion Schneider von den wundervollen Toskanaworld Thermen und die Mitgliedschaft im Deutschen Wellnessverband Düsseldorf brachten mich schnell in die Spa Branche hinein und somit konnte ich viele Kontakte aufbauen und mir das Wissen für Marketing und spezifische Marktsegmente aneignen.

In der Zeit musste ich aber auch lernen, mit sehr schwierigen persönlichen Schicksalsschlägen umzugehen und ich glaube sogar, das war der Auslöser für meine Erfindung wavebalance®. 2009 erfand ich dann eine wasserbett-artige Behandlungsliege und entwickelte darauf neuartige Körperbehandlungen und Trainingsmöglichkeiten. Zusammen mit Akva Waterbeds A/S aus Dänemark entwickelt, werden heute inzwischen 4 verschiedene BalanceFloater® Wasserliegen weltweit in Spas und therapeutischen Einrichtungen vermarktet.

4) Wie sieht Dein „Daily Business“ nun ganz konkret aus?

In den letzten 5 Jahren war ich mit meiner Erfindung wavebalance® dann auf über 20 internationalen Messen der Spa- und der Medizinbranche. Damit verbunden habe ich an viele kleinere und auch sehr große Einrichtungen und Hotels wavebalance® Wasserliegen und Schulungen verkauft. Und alle Therapeuten, Betreiber und Klienten sind happy!!!

Jetzt ist erst mal Messepause und ich befinde mich wieder im Entwicklungsmodus. Meine Physiowellness Praxis wird vergrößert, die Akademie ausgebaut. Ich denke, ich kann sehr gut auf Messepräsenzen verzichten, wenn mein Händlernetz und die Aufträge funktionieren.

5) Wenn der Endverbraucher wüsste, wie viele Behandler ohne fundierte Ausbildung sich auf dem deutschen Markt tummeln, bekäme er es bei seinem nächsten Spa Besuch höchstwahrscheinlich mit der Angst zu tun. Die Branche beklagt sich über zu wenig ausgebildetes Personal. Wir haben es mit einem Bewerbermarkt zu tun und gleichzeitig gilt die Arbeit in der Spa Branche für die meisten Physios als niedere Tätigkeit. Was denkst Du, warum sich diese Überzeugung so in den Köpfen ausgebildeter Leute manifestiert hat? Und hast Du dem irgendwas entgegenzusetzen?

Ich sehe schon, dass es für Physios immer interessanter wird, im Spa Bereich zu arbeiten, auch wenn ohne ärztliche Verordnung bei bestimmten Diagnosen die Therapie eingeschränkt ist (wobei alle Privatrezepte annehmen könnten), auch wenn so mancher Behandlungserfolg vertieft werden könnte und auch wenn die Bezahlung zu wünschen übrig lässt etc.

Der Markt für Physios ist riesig und es stehen viele Einrichtungen zur Verfügung, um geeignete Behandlungsprogramme wirken zu lassen. Ich kann alle, die sich dafür öffnen, nur dazu motivieren, sich einen für sich geeigneten Weg zu bahnen.

Tausend Dank an Manuela! Auf der I LOVE SPA Facebook Page könnt ihr euch by the way noch immer eine komplette wavebalance Behandlung aus einem ehemaligen Livestream anschauen.