Selflove Sunday #4 – Kira

Selflove Sunday KiraAm heutigen Sonntag hält Kira das Selflove Sunday Schild hoch. Wir haben uns zwar schon vor gut einem Jahr digital connected, es bisher aber noch nie auf ein Offline Date geschafft. Zwischenzeitlich hat Kira die SoulFood Journey gestartet und dass sie hier heute mit am Start ist, finde ich ganz besonders cool, weil ich hoffe, dass ihre Zeilen allen Menschen mit Essstörung Mut machen. Aber lest einfach selbst:

„Als mich Jenny am 29. Mai 2017 per Facebook Messenger angeschrieben und gefragt hat, ob ich Lust hätte beim Selflove Sunday mitzumachen, habe ich innerlich zwei Stimmen wahrgenommen. Mein Kopf hat gesagt: „Was? Ich? Will ich mich wirklich im Bikini ablichten lassen und sichtbar machen? Ich weiß ja nicht.“ Und mein Herz hat gesagt: „Ja, Ja, Ja, ich möchte unbedingt mitmachen und freue mich riesig darüber, dass ich gefragt wurde. Eine so wichtige Botschaft für die Welt und ich darf einen Teil dazu beitragen. Wundervoll!“

Alle kennen diese beiden Stimmen, die nicht immer einer Meinung sind. Heute sitze ich hier auf einem Stuhl, lasse die Worte zum Selflove Sunday aus mir herausfließen, fühle mich erfüllt und bin ganz bei mir. Ich habe Vertrauen in mein Leben und genieße jeden einzelnen Moment. Das war nicht immer so…

Ich bin Kira, 27 Jahre alt, lebe in Berlin und hatte über 10 Jahre eine Essstörung, die damals mein größter Feind war. Ich habe mich als Opfer meines eigenen Lebens gefühlt. Meinen Körper, meine Gedanken, meine Gefühle – ja, ich habe mein ganzes Leben abgrundtief gehasst.

Vor 3 Jahren habe ich mich in eine Psychosomatische Klinik einweisen lassen und das zu meinem letzten Versuch erklärt, die Essstörung endlich loszuwerden. Loszuwerden? Ja, genau. Ich habe rund um die Uhr gekämpft. Gegen wen? Gegen mich, und zwar nicht meinen Körper, sondern mein Sein. Ich habe damals in der Klinik zum ersten Mal realisiert, dass diese innerliche Kampfansage wie Benzin für meine Essstörung war und den Teufelskreis aus Hungern und Essanfällen am Laufen gehalten hat. Der Vorteil daran? Ich war niemals allein!

Was bleibt in meinem Leben ohne Essstörung? Diese Frage hat mir häufig große Angst bereitet, weil meine Antwort auf diese Frage war: „Ich bin allein. Ich bin nichts.“ Das war für mich nicht auszuhalten. Bei dem Gedanken daran, dass meine Essstörung weg war, fühlte ich mich unterbewusst allein, leer, sinnlos, wertlos – Ich fühlte nichts, denn ich wusste nicht, wer Kira, diese Seele in meinem Körper, ist.

Mein Unterbewusstsein war davon überzeugt: „Ich bin nichts“. Nach diesem Glaubenssatz habe ich gedacht, gefühlt, gehandelt und mich selbst bewertet. „Ich bin nichts“ war meine Sicherheitszone, meine Wahrheit, auch wenn sie mir nicht gut getan hat. Ich habe mir mit meinen Gedanken meine eigene Realität erschaffen.

Nach 7 Jahren in Angst, Mangel und Misstrauen hat mich mein Klinikaufenthalt regelrecht aufgeweckt und auf den Weg in Richtung Selbstliebe gebracht. Seit 3 Jahren gehe ich diesen Weg und bereue keinen einzelnen Moment, selbst die Rückfälle nicht. Mittlerweile kenne ich meine Essstörung, bin dankbar dafür, dass sie mir die Möglichkeit gegeben hat, innerlich zu wachsen, habe sie angenommen, liebe sie und lebe nun im Einklang mit ihr. Denn sie ist ein Teil von mir und macht mich zu dem Menschen, der ich bin: Kira.

Ich habe meinen Kampf in Achtsamkeit, Anerkennung, Dankbarkeit und Liebe eingetauscht. Deshalb sitze ich heute, hier und jetzt, als Künstlerin meines eigenen Lebens und erzähle euch meine Geschichte. Selbstliebe sehe ich persönlich nicht in Verbindung zu meinem Körper, denn Selbstliebe ist aus meiner Sicht mehr. Selbstliebe hat mein Leben verändert und ich glaube daran, dass jeder Mensch diese Selbstliebe für sich als Mensch entwickeln und tief in seinem Herzen empfinden kann. Ich habe meinen Weg „SoulFood Journey“ getauft und unterstütze heutzutage Menschen dabei, ihre Essstörung kennen, verstehen und lieben zu lernen. Ich wünsche mir für jeden Menschen, dass er vom Kampf ins Vertrauen kommt, von Verurteilung in Annahme und Dankbarkeit sowie von Hass in Liebe und Mitgefühl für sich selbst.“

Wie ihr seht, gibt es auch Geschichten zum Selflove Sunday, die nicht direkt mit Bodyshaming im Außen zu tun haben. Nichts desto trotz soll der Selflove Sunday uns dahingehend sensibilisieren, wie wir Körper beurteilen, bewerten, mit Labels versehen und in Schubladen packen. Er soll uns aufzeigen, was wir mit diesen Beurteilungen und Bewertungen, sofern wir sie laut aussprechen, bei anderen Menschen auslösen und anrichten können und es wäre ganz cool, wenn wir durch den Selflove Sunday irgendwann kollektiv checken, wie facettenreich Schönheit ist.

„Ich sehe meinen Körper als Zuhause meiner Seele, die ich mit Liebe nähre. Ich liebe meine Füße, die mich jeden Tag durch’s Leben tragen, ich liebe meine Hände, weil sie damals das Einzige waren, das ich an mir mochte. Und ich liebe meinen Bauch, da er in guten und in schlechten Zeiten zu mir gehalten hat, auch wenn ich ihn wie Dreck behandelt habe.

Ich liebe mich und ich liebe mein Leben so wie es war, ist und sein wird.“

Tausend Dank an Kira für das Teilen ihrer sehr persönlichen Geschichte. Wollt ihr selbst mitmachen beim Selflove Sunday? Dann einmal hier lang.

Let’s spread some self love!