Kinderfreie Spas & Erwachsenenhotels

Spa ohne Kinder - ErwachsenenhotelDer heutige Post ist mehr als überfällig. Ich habe mich zwar 2013 schon mal in dem Post Spa vs. Spaßbad über die Thematik „Kinder im Spa“ geäußert, knapp 4 Jahre später lohnt sich aufgrund der aktuellen Entwicklung allerdings ein Update!

Im vergangenen Jahr fand das SpaCamp im Hotel Esplanade Resort & Spa statt und eben jenes Hotel hat sich im Jahr 2015 ganz klar positioniert. Es ist jetzt ein Erwachsenenhotel. Will heissen: Wenn ihr dort Zeit verbringt, werden euch weder Arschbomben, noch Kindergeschrei am Entspannen hindern.

Mit dieser Positionierung hat das Hotel sich ordentlich Hate in den Facebook Bewertungen eingehandelt. Normalerweise hinterlasse ich keine Facebook Bewertung nach einem Spa Check. In diesem ganz konkreten Fall konnte ich aber nicht anders. Das ist jetzt ein halbes Jahr her und daran, dass meine Bewertung nach wie vor regelmäßig von anderen Usern geliked und kommentiert wird, merke ich, dass wir es hier mit einem hochbrisanten Thema zu tun haben, das augenscheinlich viele Menschen beschäftigt.

In jüngster Vergangenheit war ich auch selbst mal wieder „betroffen“. Vorweg: Ja, ich bin kinderlos. Und ja, ich weiss, dass kinderlose Menschen keine Ahnung haben und ich weiss auch, dass die Meinung kinderloser Menschen oft herabwürdigend belächelt wird. Dennoch: Viele Leserinnen meines Blogs sind selbst Mama und fragen mich in ihren Emails, wo sie sich am besten entspannen können, wenn sie ihr frisch geborenes Baby mal für ein paar Stunden woanders parken. Wie scheisse ist es bitte für diese Frauen, wenn sie so einen Ort aufsuchen, viel Geld bezahlen und dann dort schreiende Kinder vorfinden?

Ich wohne im Prenzlauer Berg. Für alle, die nicht wissen, was das bedeutet: Augenhöhe. Sehr viel Augenhöhe. Kinder wie Erwachsene behandeln. In die Hocke gehen und Dinge ausdiskutieren. All‘ sowas. Warum ich das an dieser Stelle erwähne? Weil ich genau dieses Verhalten für die Wurzel der Problematik halte, über die wir hier diskutieren. Das Problem sind nie die Kinder. Ist es egoistisch, ein Kind in ein Setting mitzuschleppen, in dem es still rumliegen muss und die Klappe halten soll? Höchstwahrscheinlich schon. Kann man es dem Kind übelnehmen, wenn es nach 3 Stunden unruhig und quengelig wird, weil es sich zu Tode langweilt? Höchstwahrscheinlich nicht.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie natürlich Kinder in fernen Ländern in das ganz normale Leben integriert sind, und zwar so ganz ohne Augenhöhe-Diskussionen. Sie sind überall und noch kein einziges Mal war ich genervt. Sie laufen einfach so mit. Bei uns hingegen stellen Kinder nicht selten das Lebensprojekt dar. Bei einem meiner letzten Spabesuche sah ich auf Instagram das Bild einer jungen Frau, die mit einem Säugling im Whirlpool posierte. Es gibt ja bereits Embryonen mit eigenen Twitter Accounts oder Hashtags und mir dreht sich jedes Mal der Magen um, wenn Säuglinge und Kleinkinder zur Selbstdarstellung benutzt werden.

„Kinderlärm ist nicht schädlich.“ So die Antwort auf meine Facebook Bewertung. Natürlich ist Kinderlärm nicht schädlich. Aber das Problem liegt zum einen darin, dass Eltern ihre Kinder einem Spa-Setting überhaupt erst aussetzen und zum anderen darin, dass sie nicht für Ruhe sorgen, wenn das Spa Personal sie höflich darum bittet.

Was bleibt einem Hotel also anderes übrig, als sich dahingehend zu positionieren, dass es Kinder verbietet? Das hat nichts mit Kinderhass zu tun, es sind viel mehr 2 erhobene Mittelfinger an all‘ die Eltern, die sich nicht in der Verantwortung für ihre tobenden Kinder sehen. Das Hotel kann die Kinder ja schlecht knebeln oder im Tauchbecken ertränken, um für Ruhe zu sorgen, wenn die Eltern nicht intervenieren.

Wir leben in einer turbulenten Zeit, in der es unabdingbar ist, dass jeder von uns sich Phasen der Ruhe schafft. Wenn nun jemand zu diesem Zweck ein Spa aufsucht, dann sollte er meiner Meinung nach dort auch Ruhe finden. Und weil die Nachfrage nach Ruhe sehr groß ist, passt sich das Angebot gerade an, indem immer mehr Hotels sich im Erwachsenenbereich positionieren. Es gibt einen Anbieter, der mit dem Slogan „Urlaub ohne Kinder – entspannt erholen“ wirbt und über 700 Hotels in fast 70 Ländern listet. Natürlich ist das irgendwie eine traurige Entwicklung. Aber die Hotels werden dazu gezwungen, weil Alexander und Emilia sich im Ruheraum frei entfalten dürfen. Das sollten all‘ diejenigen, die sich öffentlich echauffieren, nicht vergessen.

Jenny