Warmes Yin Yoga bei Berlin Hot Yoga

Berlin Hot YogaAuf einen Post über Hot Yoga aka Bikram Yoga habt ihr hier in den vergangenen 5 Jahren ja vergeblich gewartet. Ich wurde immer mal wieder drauf angesprochen, habe es aber tunlichst vermieden, eine Hot Yoga Klasse zu besuchen.

Der Grund hierfür liegt schätzungsweise 8 Jahre zurück. Damals bequatschte mich ein Freund, ihn zum Bikram Yoga zu begleiten. Nicht, dass er jemals zuvor Yoga gemacht hätte. Für ihn lag der Anreiz viel weniger in der Yogapraxis, als in den leicht bekleideten Frauen. Das habe er zumindest gehört. Aber er habe ja noch nie Yoga gemacht. Deshalb müsse ich mitkommen. Na gut.

Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich ayurveda-technisch als Pitta-Typ unterwegs bin. Will heissen: Eher hitzig und feurig von der Grundkonstitution her. Bei meinen beiden Ayurvedakuren waren nahezu alle Treatments darauf ausgerichtet, mich runterzukühlen. Als ich nur 2 Jahre nach meiner ersten Bikram Experience den behandelnden Ayurvedaarzt in Indien auf diese Form des Yogas ansprach, fuchtelte er wild rum und betonte: „Oh nooo, no good for you!“

Das hatte ich beim Ausprobieren aber bereits selbst festgestellt. Ich war mir damals ziemlich sicher, an Ort und Stelle zu sterben. Letztenendes ist es zwar nochmal gut gegangen, aber seither halte ich mich an die Worte von Doctor Honey (kein Witz, das war sein Name): „Oh nooo, no good for you!“ Aus diesem Grund gab es hier bisher keinen Hot Yoga Content. Aber das wird sich heute ändern, denn ich war vergangenen Freitag bei Berlin Hot Yoga in Friedrichshain!

Doctor Honey’s Gefuchtel noch immer vor meinem geistigen Auge, entschied ich mich jedoch wohlweislich für eine Warm Yin Yoga Klasse. Für mich ein absolut grandioser Kompromiss, weil ich so allen, die an Hot Yoga und einer Studioempfehlung interessiert sind, nun endlich eine solche an die Hand geben kann, ohne dabei selbst draufgegangen zu sein. Ganz im Gegenteil: Da in der vergangenen Woche Berlin wieder vom Winter heimgesucht wurde, machte mich die Vorstellung von warmem Yin Yoga bereits 3 Tage vorher stärkstens an.

Ganz konkret handelt es sich beim Warm Yin Yoga um eine 75-Minuten Klasse bei 35°C. Ich hatte im Vorfeld Probleme, mir das vorzustellen und wusste nicht genau, welche Klamotten ich einpacken sollte, entschied mich dann für diese Hose hier und mein schwarzes lululemon Love Tank Top und fand das rückblickend auch ziemlich perfekt.

Berlin Hot Yoga versteckt sich im Hinterhof der Boxhagener Straße 76-78. Nachdem ich den 3. Aufgang gefunden habe, sause ich mit dem Aufzug nach oben und befinde mich in einer Art Vorraum, in dem man die Schuhe auszieht. Ich entere das lichtdurchflutete Studio und bin kurz irritiert ob der klitschnass geschwitzten Männer in Unterhose(!?), die augenscheinlich gerade eine richtige Hot Yoga Klasse besucht haben, und nun hier im Vorraum abhängen, sich unterhalten und Flüssigkeit zu sich nehmen. Meine erste Erkenntnis: Bei Berlin Hot Yoga gibt es überdurchschnittlich viele Männer! Das gibt dieses Video hier auch ganz gut wieder:

Berlin Hot Yoga Video

Hot Yoga wird ja bei 38°C durchgeführt. Das sind gerade mal 3°C mehr als die Klasse, die mich hier gleich erwarten wird. Beim Anblick der extrem schwitzenden Menschen frage ich mich erneut, ob meine Klamottenwahl wohl passt, da ich aber nichts anderes dabei habe, bleibt mir auch nichts weiter übrig, als reinzuschlüpfen, mir meine Matte zu schnappen und mich in dem großen, lichtdurchfluteten Raum niederzulassen. Ich hab‘ außer meiner Matte auch eine Flasche stilles Wasser und ein Handtuch mitgebracht.

Der Raum füllt sich dann ziemlich zackig. Erneut staune ich nicht schlecht, weil um mich herum nahezu 50% aller Matten von Männern ausgerollt werden. Das hätte ich gerade bei einer Yin Yoga Klasse überhaupt nicht erwartet. Einer der Männer trägt eine graue, knapp geschnittene Unterhose. Ein weiteres Mal frage ich mich, ob mein Outfit zu dem anstehenden Unterfangen passt, aber viele Teilnehmerinnen um mich herum sind ähnlich angezogen wie ich. Meine Outfit-Gedanken werden unterbrochen als Kate, die die heutige Stunde leiten wird, den Raum betritt und anfängt, Blöcke zu verteilen. Auch wenn es sich bei diesem Bild hier nicht um Yin Yoga handelt, so repräsentiert es doch ganz gut die Outfitwahl der Kursteilnehmer. Zieht also einfach an, worin ihr euch am wohlsten fühlt.

warmes Yin Yoga

Und dann geht’s los! Kate unterrichtet auf Englisch. Ihr könnt im Kursplan einsehen, ob die Kurse auf Deutsch oder Englisch angeleitet werden. Mir persönlich ist das bei Yogaklassen vollkommen egal. Die Übungen selbst sind im Yin Yoga ja immer nahezu identisch. Es gibt vermutlich einfach sehr viel weniger Übungen, in denen man „abhängt“ als solche, in denen man powert. Will heissen: Die Stunde unterscheidet sich bezüglich der Asanas nicht wesentlich von den Yin Yoga-Klassen, die ich bisher besucht habe. Und weil ich jene Yin Yoga Klassen immer sehr mochte, ist das auch super so.

Die Atmosphäre während und auch nach der Klasse ist unglaublich friedlich. Während es draussen dunkel wird, bewegen wir uns von Haltung zu Haltung, lassen uns reingleiten, atmen. Ein unglaublich wohlfühliges Setting. Mich haben nach diesem Post hier kürzlich sehr viele Einladungen in Yogastudios erreicht, die ich gar nicht alle annehmen kann – außer ich schmeiss‘ meinen Spa-Fokus über Bord. Berlin Hot Yoga ist auf jeden Fall ein erfrischend normaler Ort, der nicht in die beschriebene Kategorie fällt. Wäre das Studio von meinem Zuhause nicht so blöd zu erreichen, würde ich ernsthaft mit dem Gedanken spielen, regelmäßig herzukommen, und zwar nicht nur zum warmen Yin Yoga, sondern auch mal zum Warm Vinyasa!

Wenn ihr noch nie Hot bzw. Bikram Yoga gemacht habt und euch nicht sicher seid, ob das was für euch ist, würde ich mir an eurer Stelle eure Sauna-Präferenzen anschauen. Steht ihr auf Finnische Sauna? Go for it! Allen, die wie ich bei einem 90°C Aufguss fast verrecken, würde ich hingegen die warmen Klassen an’s Herz legen. Ihr seid keine Pussy, wenn euch Hot Yoga zu heiss ist. Es ist mir ganz wichtig, das nochmal ausdrücklich zu betonen. Menschen vertragen Wärme einfach unterschiedlich gut. Wählt daher einfach eine Klasse, in der ihr euch temperaturmäßig wohlfühlt und bewertet das nicht.

Abschliessend möchte ich noch anmerken, dass ich trotz der 35°C nicht geschwitzt habe. Mein Handtuch hätte ich also gar nicht gebraucht. Im Gegensatz zu anderen Yogaklassen hatte ich aber meine Wasserflasche neben der Matte und auch mehrfach das Bedürfnis, was zu trinken. Ihr könnt Matte und Handtücher gegen eine Gebühr von 2€ auch vor Ort ausleihen und Getränke kaufen könnt ihr natürlich auch. Alles in allem ein äußerst feines Studio, nicht nur im Berliner Winter.

Probiert es mal aus!

Jenny

Ich wurde von Berlin Hot Yoga eingeladen. Diese Tatsache hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine Empfehlung. Ich schreibe nur über Studios, die mich überzeugt haben – ganz unabhängig davon, ob ich selbst dafür bezahlt habe oder eingeladen wurde. Was mich nicht überzeugt, taucht nirgendwo auf.