Warum ich weniger über Yoga schreibe und fast nur noch zuhause übe.

Warum ich kaum noch Yoga Studios besucheAnlass für den heutigen Post waren die Reaktionen auf den Artikel von Rebecca, den ich gestern in der Food’n’Love Facebook Gruppe gepostet habe. Vorweg: Ich möchte Rebecca in allen Punkten zustimmen. Es fühlt sich für mich ganz genauso an. Aus diesem Grund wollte ich von den Leuten in der Gruppe wissen: Empfindet ihr das auch so oder liegt das an der Berliner Hipster Yoga Blase?

Als ich vor 10 Jahren zum ersten Mal eine Yogaklasse besucht habe, war das nämlich auch in Berlin alles andere als fancy. Niemand trug bunte Leggings, kaum wer hatte perfekt lackierte Fußnägel und ich möchte wetten, niemand im Raum hatte jemals einen Weizengrasshot getrunken, eine Açai Bowl gefrühstückt oder einen Sugar Cleanse durchexerziert. Irgendwie wollten alle einfach nur Yoga machen. Jeder war mit sich beschäftigt und es war vollkommen irrelevant, auf welcher schrottigen Matte man rumturnte oder welche Hose man trug.

Rückblickend kann ich gar nicht genau greifen, wann sich das alles geändert hat. Höchstwahrscheinlich war es ein schleichender Prozess. Mit Aufkommen der Yogablogs 2012/2013 gab es plötzlich auch immer mehr fancy Klamotten. Irgendwann entsorgte dann auch ich meine 25€ Matte und erlebte eine wahrhaftige Offenbarung. Soweit, so cool.

Ich glaube, ich bin ausgestiegen, als die ersten Lehrer anfingen, ihre Schüler heimlich im Savasana zu fotografieren. Je mehr Savasana Fotos ich in meinen Social Media Feeds hatte, desto mulmiger mein Bauchgefühl, wenn ich während einer Yogaklasse die Augen schliessen sollte. Und dann dieser Gymnastik-Aspekt! Die Mehrheit der Yogafotos in meinem Instagram Feed hat in meinen Augen mit Yoga nicht so wirklich viel zu tun, sondern erinnert mich mehr an die Turnerinnen im Bereich „Rhythmische Sportgymnastik“ bei den Olympischen Spielen. Ich kann mich mit sowas null identifizieren.

Last but not least möchte ich aber unbedingt auch noch Paarübungen anführen. Hier lesen ja Yogalehrer mit. Ich bitte an dieser Stelle um Aufklärung in den Kommentaren auf die Frage: Warum???

Ich habe 14 Jahre lang beruflich Menschen angefasst. Ich bin sehr empfindsam und musste in all‘ den Jahren immer darauf achten, mich energetisch sauber abzugrenzen. Das war bisweilen sehr anstrengend. Da will ich mir also zum Ausgleich etwas Gutes tun und besuche eine Yogaklasse. Zeit für mich sozusagen. Meine Matte, mein Raum. Und plötzlich werden Pärchen gebildet und ich werde zu Körperkontakt mit anderen Menschen genötigt. Auch heute, wo ich selbst keine Behandlungen mehr gebe, haut mich sowas voll raus und ich bin nicht mehr richtig bei mir und meiner Yogapraxis.

Dass immer mal wieder kolumnenartig über Yogaschüler hergezogen wird und man nun auch noch im Hinterkopf haben muss, selbst irgendwann zur Zielscheibe zu werden, obwohl man doch einfach nur eine Yogaklasse besuchen will, macht es auch nicht unbedingt besser.

Wie gerne würde ich wieder mal eine Klasse besuchen wie damals, im Jahr 2007. In Sportklamotten auf meiner rutschigen Billigmatte. Und da wundert sich noch einer, warum Online Yoga so boomt. Wenn ich zuhause übe, ist es egal, ob meine Haare zerzaust sind, welche Klamotten ich trage oder wann ich mir zuletzt die Beine rasiert habe. Und ja, vielleicht hole ich mir genau so wieder ein klitzekleines bisschen dieses unbeschwerte Gefühl von 2007 zurück. Ohne Superfoods, scannende Blicke und Hipstergepose.

Ich liebe Berlin, aber manchmal wäre es ganz cool, sich gelegentlich zu einer Yogaklasse woanders hinzubeamen.

Jenny