Content is King? Der König ist tot.

Content is KingAls ich im Sommer 2012 angefangen habe, hier Spa Empfehlungen zusammen zu tragen, tat ich das aus Gründen der Qualitätssicherung. Weil der Endverbraucher sich online nicht ordentlich über Spas informieren konnte. Wenn mir damals jemand erzählt hätte, dass ich I LOVE SPA irgendwann mal hauptberuflich bespiele, hätte ich ihn ausgelacht.

Nun sind fast 5 Jahre vergangen und ich packe nach wie vor mein ganzes Herzblut in jeden Post. Ich bin ein maximal unstrategischer Mensch und habe in all‘ den Jahren nie diese Tipps befolgt, die man Bloggern an’s Herz legt, damit sie möglichst schnell groß und bekannt oder reich und berühmt werden. Ich habe einfach immer stur weiter Spa-Empfehlungen zusammengetragen. Anfangs habe ich die Treatments und Produkte selbst bezahlt, irgendwann musste ich nichts mehr zahlen und mittlerweile werde ich bezahlt, sofern ich die Zusammenarbeit nicht eigeninitiativ anzettele. Soweit, so sensationell.

Wurde meine Arbeit anfangs noch belächelt und an Print-Formaten gemessen, ist das Influencer Marketing spätestens im vergangenen Jahr in Deutschland eingeschlagen wie eine Bombe. Plötzlich werden richtig fette Budgets lockergemacht und was an Summen bei großen Instagram-Kooperationen fließt, ist bisweilen vollkommen absurd.

6468 Follower auf Facebook, 2662 auf Instagram, 543 auf Twitter, 239 auf Pinterest und 20.000 Aufrufe auf YouTube. Diese 5 Zahlen definieren augenscheinlich den Wert meiner Arbeit. Dass hier mittlerweile 20.000 Unique Visitors im Monat vorbeischauen, dafür scheint sich keine PR-Agentur und kaum ein Unternehmen zu interessieren. Früher hieß es immer „Content is King“, aber der König weilt schon länger nicht mehr unter uns. Es geht schon lange nicht mehr um Inhalte.

Niemand scheint sich mehr dafür zu interessieren, was auf dem Blog passiert, dass der Großteil meiner Zugriffe über Google hier landet und dass ich mit meinem Content die Kaufentscheidung meiner Leserinnen und Leser nicht selten maßgeblich beeinflusse. Es geht schon lange nicht mehr um die passende Nische. Und darüberhinaus scheint sich auch niemand mehr dafür zu interessieren, ob es sich bei den Social Media Zahlen um echte Zielgruppe handelt oder um gekaufte Follower aus Indien, Bangladesh oder Pakistan.

Ein Instagram-Kanal mit 100.000 Followern oder mehr? Yes please! Reichweite über alles. So landen Hotel Spas und Wellnesshotels in austauschbaren Pastell-Feeds zwischen den immer gleichen ausdruckslosen Selfies ohne Inhalt. Zielgruppe? Reichweitendrosselung? Expertise? Alles egal. Hauptsache, die Followerzahl stimmt. Denn schließlich ist Influencer Marketing der neue heiße Scheiß und man hat einfach nicht die Zeit, die Accounts auf Authentizität, Echtheit der Follower, Engagement Rate und Zielgruppenkompatibiltät zu überprüfen. Und so landet dann ein frisch eröffnetes Hotel Spa zwischen dem neuesten Audi, Drogeriemarkt-Deos und Bratpfannen. Herzlichen Glückwunsch.

Angeblich soll 2017 ja das Jahr der Micro Influencer werden. Angeblich sollen PR-Agenturen und Firmen in diesem Jahr checken, wie dämlich es ist, ihre Budgets in pastellfarbenen Feeds mit Avocadobroten und Macarons zu versenken. Ich habe eine Weile recherchiert, um den Begriff „Micro Influencer“ an Zahlen festzumachen, aber nichts wirklich Konkretes dazu gefunden. Was damit aber höchstwahrscheinlich gemeint ist, sind authentische und organisch gewachsene Accounts mit echten Followern. Nischenblogger und sowas. Und dazu gehöre dann höchstwahrscheinlich auch ich. Allerdings macht sich dieser Trend bei mir noch nicht bemerkbar. Eher im Gegenteil. Erst kürzlich wurde ich zu einer Thermen-Eröffnung geladen, aber bezahlt wurden nur „Influencer mit mehr Instagram Followern“.

Die aktuelle Situation führt zu großem Gejammer bei den Agenturen und Firmen. Zu viele Influencer, zu wenig Zeit. Tja, herzlich Willkommen im Jahr 2017. Auch Blogger und Influencer bekommen sehr viele Emails und Anfragen von Firmen und genauso wie es zu meinem Job gehört, in meinem Postfach die Spreu vom Weizen zu trennen, erwarte ich das auch von professionellen PR-Agenturen und Firmen.

Ich habe in dem Post Fake it until you make it? Von gekauften Followern und gepimpten Media Kits ja bereits im vergangenen Sommer schon mal zusammengefasst, wie man Influencer und Blogger zackig auf gekaufte Follower abklopfen kann. Und mal ganz ehrlich, liebe Firmen: So viel Zeit sollte doch sein, bevor ihr euer Budget vollkommen sinnbefreit verschleudert!? Vielleicht sind in diesem Zusammenhang auch diese beiden Posts hier nochmal interessant:

Influencer Marketing - Wie finde ich einen Influencer der zu mir passt?Dos and Don'ts beim Influencer Marketing

Man darf also gespannt sein, ob und wann sich an der aktuellen Situation etwas ändert. Eine Herz Rhythmus Massage für den König bitte! Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Jenny