Diäten und Ernährungskonzepte vs. Intuitives Essen

Freunde der Entspannung, das hier ist ja *eigentlich* ein Spa Blog, auch wenn es im Großen und Ganzen um Entspannung geht und es gibt da ein Thema, das mich persönlich seit Jahren nervt und zu dem ich mich dann und wann ja auch schon mal hier auf dem Blog geäußert habe.

Erstmalig hatte ich meinem Unmut über den Detox-Wahnsinn in einem Post mit dem Namen Natural Detox – Superstar Leber im Februar 2015 Luft gemacht und daraufhin so viel zustimmende Rückmeldung erhalten, dass ich mir dachte: „Okay, das gehört vielleicht doch hier her!?“

Ich veröffentliche ja ganz bewusst keine Rezepte und distanziere mich seit dem Bloglaunch im Sommer 2012 sehr konsequent von allem, was angeblich dünner, jünger, straffer und schöner macht. Da es sich bei genau diesen Themen jedoch um eine Milliarden-Maschinerie handelt, geht mir durch diese „Strategie“ nicht nur sehr viel Geld durch die Lappen – auch das Wachstum eines Blogs geht sehr viel langsamer von statten, wenn man propagiert: „Entspannt euch einfach. Alles ist gut. Diäten sind Bullshit und der allgegenwärtige Fitnesswahn ist eine äußerst kranke Angelegenheit. Selflove is the new black und so.“ Denn augenscheinlich lechzen die Menschen nach Regeln und Selbstgeißelung.

Im September 2015 äußerte ich mich mit dem Post Können wir bitte endlich wieder anfangen, normal zu essen? #starteating dann ein weiteres Mal zum Thema Essen, was erneut für sehr viel Zuspruch sorgte. Schaut euch einfach mal die Anzahl der Facebook Likes unter diesen Posts auf dem Blog an. Das ist vollkommen irre. Als in diesem Jahr der Sommer in den Startlöchern stand, veröffentlichte ich My Personal Bikini Body Guide? Just wear a fucking bikini #thereisnochallenge und erneut: Wahnsinns-Feedback!

Nach meiner Rezension des Buches FOOD’N’LOVE, in dem es um entspannte Nahrungsaufnahme und intuitives Essen geht, entstand ein äußerst smarter Austausch mit dem Autor Moritz Warntjen. Vergangenen Sommer trafen wir uns erstmalig in Berlin und waren sofort auf einer Wellenlänge. Aber long story short: In 2 Wochen werde ich nach Indien fliegen, um zusammen mit Moritz (der gerade dort lebt), an einem Online Kurs zum Thema „Intuitiv Essen“ zu arbeiten, der 2017 das Licht der Welt erblicken soll. Und bedingt durch diesen Kurs habe ich mich in den vergangenen Wochen noch ein bisschen tiefer in die kranke Welt der Ernährungskonzepte und Diäten reinrecherchiert und möchte dies zum Anlass nehmen, heute, am zweiten Weihnachtsfeiertag, nochmal ein paar Worte dazu loszuwerden.

Das „carbs are friends“ oben ist by the way einfach nur exemplarisch. Es könnte genauso gut heissen „sugar is your friend“ oder „fat is your friend“. Es geht einfach darum, wieder „normal“ zu essen. Aber was zur Hölle ist bloß normal? Weiß das überhaupt noch irgendwer? Auf Instagram fand ich vorgestern dieses kranke Bild hier.

Übel? Ich setz‘ noch einen drauf. (Edit: Link entfernt, weil Bild gelöscht.)

Aber no worries, denn die Diät- und Fitnessindustrie steht bereits in den Startlöchern und wird euch gleich nach den Feiertagen mit den entsprechenden Werbebotschaften schlechte Gefühle bereiten und euch die Lösung in Form von Pülverchen, Workouts und Challenges präsentieren. Und das Ding ist: Es ist praktisch unmöglich, diese ganzen Reize auszublenden, denn sie lauern überall. In Form von Werbung zwischen Facebookposts unserer Freunde, die wir mögen, auf Plakatwänden, im Instagram Feed, in Magazinen, in den Supermarktregalen und last but not least auch auf sehr vielen Blogs. Allerdings heisst es nun nicht mehr Diät. Mit diesem Begriff lockt man die junge, stylishe Zielgruppe nicht mehr hinter’m Herd (höhö) hervor. Die moderne Diät trägt eine Tarnkappe namens #eathealthy – aber man kann es nennen, wie man will. Letztenendes geht es immer um Regeln und Verbote.

Industriezucker? Böse. Avocados? Gut. Pasta? Nur in Maßen und wenn schon, dann bitte mit einer #cleaneating Soße. Pizza? No way. Stattdessen: Früchte, Früchte, Früchte. Influencer, die sich größtenteils oder ausschließlich von Früchten ernähren, werden gefeiert bis zum Gehtnichtmehr.

Und mal ehrlich? Ich müsste kotzen, wenn ich den Inhalt dieser Schale hier frühstücken müsste. Aber das ist die Message, liebe Leute: Wenn ihr gesund esst, könnt ihr essen, so viel ihr wollt! Ein Liter Nicecream? Rein damit #breakfast

30 oder mehr Bananen zum Frühstück? Hell yes! Freelee the Banana Girl propagiert auf jeden Fall, dass sie so viel dünner, gesünder und glücklicher ist, seit sie sich von Bananen und Monomeals ernährt. Krank? Oh ja.

Ihr merkt schon, je tiefer man in diese Thematik einsteigt, desto fester möchte man mit dem Kopf auf die Tischplatte schlagen. Aber gerade weil meine bisherigen 3 kritischen Posts zu diesem Thema so oft geliked, geteilt und kommentiert wurden und gerade weil diese ganzen „Ernährungskonzepte“ essgestörte junge Mädchen mit offenen Armen empfangen, ist es höchste Zeit für eine Gegenbewegung zu diesem Wahnsinn hier.

Es ist höchste Zeit, dass mal irgendjemand darauf hinweist, dass es unterschiedliche Körperstaturen gibt, die sich nur durch unendlich viel Disziplin und Selbstgeißelung langfristig kontrollieren lassen. Dennoch wird uns allen tagtäglich durch zahlreiche Reize im Außen suggeriert, dass Frauen schlank und Männer athletisch auszusehen haben. Es ist höchste Zeit, dass wir mit diesem Schwachsinn aufhören, denn ein schlacksiger Mann ist schlacksig und eine kurvige Frau ist kurvig. Punkt.

Und wenn ihr diesen Post jetzt lest und euch unwohl fühlt, weil ihr in den vergangenen beiden Tagen mehr gegessen habt, als sonst, dann scheisst doch bitte drauf, denn es ist Weihnachten! Bitte rennt nicht in’s Fitnessstudio, sondern erfreut euch eures Lebens und verbringt Zeit mit euren Lieben!

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Jenny