Thai Massagen mit Happy End – Vorurteil oder Realität? Ein Interview mit Su Wanyo!

Thai Massage mit Happy EndKeinem anderen Treatment haftet ein schlüpfrigeres Image an als der Thai Massage. Ganz schön anstrengend für Thai Spas und thailändische Behandlerinnen. Was ist dran an diesem schmuddeligen Image? Gibt es wirklich so viele Thai Massage Studios, die unter der Hand sexuelle Dienstleistungen anbieten? Und woran erkennt man als Endverbraucher ein Studio oder Spa, in dem wirklich nur massiert wird? Ich habe mal bei Su Wanyo nachgefragt.

Ihr Lieben, der Post über Su Wanyo war die professionellste und erfolgreichste „Thai Kooperation“, die es bisher auf dem Blog gab. Ihr seid sehr social media-affin und habt den fertigen Blogpost optimal genutzt. Daher freue ich mich ganz besonders, dass ihr euch bereit erklärt habt, mir heute zu einem doch eher heiklen Thema Frage und Antwort zu stehen.

Die Subpage über Sexuelle Grenzüberschreitungen im Spa hat traurigerweise mittlerweile genauso viel Traffic wie die Spa Subpages von Berlin und Hamburg. Das ist also ein ziemlich großes Thema, auch wenn kaum jemand darüber spricht. Nun haftet Thai Massage Studios oder Thai Spas ja zusätzlich noch das Image an, dass die Grenzen hier gerne mal verschwimmen. Ist das ein Klischee oder bekommt man als Kunde in vielen Thai Spas wirklich sexuelle Dienstleistungen? 

Nein, bekommt man nicht. Eher ein blaues Auge oder wenigstens einen unfreundlichen Rauswurf, wenn man aufdringlich ist. Wohl 99% der traditionellen Studios schreiben entweder „Keine Erotik“ an ihr Schaufenster oder machen schon durch ihr ganzes Erscheinungsbild und ihre Gästeansprache klar, dass da nichts läuft.

Es gibt aber einige Erotik-Anbieter, die unter falscher Flagge segeln. Die heißen dann „Paradiesmassage“ oder „Pattaya Wellness“ und bieten für Männer das eine und für Frauen und Paare das andere an. Moralisch bewerten wir das nicht. Aber die Wettbewerbsverzerrung und der Reputationsverlust können einen ärgern. Einzig in Berlin ticken die Uhren anders. Da gibt es einige Thai Massagen, die sich nach außen zugeknöpft geben, z.B. mit dem „Keine Erotik“-Schild. Aber aus anderer Quelle, z.B. von einem Kondom-Hausierer, hört man dann, dass die im Monat hunderte Präservative ordern. Das verstehe, wer will.

Ihr habt kürzlich auf Facebook gepostet, dass eine Änderung im Prostitutionsgesetz auch viele Thai Massage Studios betreffen wird. Was habt ihr damit gemeint?

Nach der Reform des Gesetzes gilt auch sog. „Erotikmassage“ als Prostitution. D.h. solche Betriebe müssen behördlich gemeldet und genehmigt werden. Sie dürfen dann auch von Dritten als Prostitutionsstätten bezeichnet werden. Und da sind viele Thailänderinnen allergisch. Auch wenn sie einer freizügigen Tätigkeit nachgehen, möchten sie nicht gerne amtlich als Prostituierte bezeichnet werden. Da wird wohl etwas Bewegung in die Szene kommen.

Bei einigen Brazilian Waxing Studios und Thai Massage Studios beschleicht mich nicht selten so ein fieses Gefühl von Menschenhandel. In keinem anderen Segment der Branche bewegen wir uns preislich derart unterhalb der Schmerzgrenze. Gibt es Frauen, die unfreiwillig in solchen Studios tätig sind?

Wie es bei den Brasilianern läuft, wissen wir nicht. Für thailändisch geführte traditionelle Thai Massage Studios möchten wir Menschenhandel kategorisch ausschließen. Dafür gäbe es auch keine materiellen Anreize. Aber in thailändischen Prostitutionsbetrieben gibt es natürlich auch Täuschung und Ausbeutung. Da kommt es ja auch immer wieder zu Verurteilungen, von denen man liest.

Aber das Problem der Dumpingpreise trifft natürlich zu, besonders bei vielen Neueröffnungen und sehr einfachen Studios. Die Präsidentin unseres Berufsverbandes Thai Spa Vereinigung Deutschland e.V. hat das gerade in einem Interview in Beziehung zu Steuer- und Sozialversicherungsbetrug gebracht. Wir persönlich sehen in solchen Läden häufig gravierende Mängel in der Hygiene und schlecht ausgebildete Masseurinnen. Das kann doch jeder Laie nachrechnen, dass man für 25 Euro die Stunde keine professionelle und seriöse Dienstleistung anbieten kann.

Solche Studios sind dem Image der professionellen Thai Massage sicher nicht zuträglich. Überschreitet der männliche Endverbraucher in eurem Segment leichtfertiger Grenzen als in einem „normalen“ Spa?

Bei Su Wanyo sind Grenzüberschreitungen extrem selten, genau genommen gibt es sie nicht. Das wenige, was überhaupt über unsere Türschwelle kommt, fangen wir an der Rezeption ab. Das ist manchmal nur bei Russen und Arabern schwerer, wenn eine bestimmte „kulturelle“ Disposition und eine Sprachbarriere zusammen auftreten. Mit Geduld und Liebenswürdigkeit bekommen wir das aber auch hin. Und dann gibt es während des Weihnachtsmarktes diese lustigen betrunkenen schwedischen Männergruppen. Das regeln wir auch mit Humor und verweisen für „Spezialbehandlungen“ auf meinen Mann. Dann machen die sich aus dem Staub.

Wie reagiert ihr, wenn ein männlicher Gast von einer eurer Behandlerinnen sexuelle Dienstleistungen einfordert?

Das ist in sechs Jahren bei tausenden von Massagen noch nie geschehen. Aber wir wissen von Kolleginnen in der Branche, dass es passieren könnte. Wenn ein Mann während der Massage unruhig auf dem Bauch hin- und herrutschen oder einen anzüglichen Spruch machen würde, würde bei  uns ein einstudiertes Programm ablaufen, das wir trainieren. Wir öffnen sofort die Zimmertür und machen durch laute Stimme die Kolleginnen auf die Situation aufmerksam. Dann brechen wir die Behandlung ab und sprechen ein Hausverbot aus. Zur Sicherheit verfügen wir im Haus über verdeckte Alarmgeber. Alle Masseurinnen und die Rezeptionistinnen haben an einem Inhouse-Kampftraining mit WTU Universe teilgenommen, in dem wir den Umgang mit dem Kubotan und auch mit Pfefferspray geübt haben. Ich denke, wir strahlen ein gewisses Selbstvertrauen aus und sind vorbereitet, massiv zu reagieren. Das finden manche Männer wohl nicht so attraktiv.

Was kann ein Thai Spa tun, um sich nach außen sauber zu positionieren, damit solche Situationen nicht überhand nehmen?

Es beginnt beim äußeren Erscheinungsbild von Betrieb und Personal und der Ausstattung. Ein zugeklebtes Schaufenster, eine Masseurin, die auf der Website viel nackte Haut präsentiert, eine Matratze auf dem Fußboden als Massageplatz – das sind alles falsche Signale. Dann geht es um das persönliche Auftreten und die Körpersprache, aber auch um Inhalt und Form der medialen Kommunikation. Wir vermitteln Augenhöhe, thailändische Kultur, Familie, Transparenz, gesellschaftliches Engagement – in dem Umfeld ist für einen brünftigen Mann nichts zu holen. Ein eindeutiger Hinweis, wie das Schild „Keine Erotik“, kann anfangs bei einem neuen Studio hilfreich sein. Wir brauchen es inzwischen nicht mehr.

Last but not least: Gibt es etwas, was man auch als Endverbraucher tun kann, um „saubere“ Studios zu unterstützen? Gibt es eine Preisgrenze, unterhalb derer niemand eine Thai Massage buchen sollte? Bzw. kann man das überhaupt so pauschalisieren?

Manche Kunden sind naiv. Da legt sich die Frau auf eine Liege, wo 10 Minuten vorher noch ein Mann befriedigt wurde. Und wahrscheinlich wurde das Handtuch nur umgedreht und nicht gewechselt. Dabei genügt eine kurze Internetrecherche, so ist es jedenfalls bei uns in Lübeck, und man findet die Betriebe raus, denn die Freier prahlen gerne mit ihren Heldentaten in einschlägigen Foren.

Den Preis alleine würden wir nicht als Indiz nehmen. Unser Verband nennt eine Empfehlung von 1 Euro pro Minute, aber da liegen wir selber drunter. Es ist ja legitim zu versuchen, eine sehr gute Dienstleistung zu einem vernünftigen Preis anzubieten. Das tun wir auch. Aber wenn es richtig billig ist, dann wird es meist auch richtig billig. Ein zu niedriger Preis würde mich jedenfalls stutzig machen und ich würde mich erst mal umhören, bevor ich so einem Anbieter meine Gesundheit anvertraue.

Tausend Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt! Und wer jetzt Lust auf eine Thai Massage bekommen hat und im Norden unterwegs ist, sollte unbedingt mal bei Su Wanyo in Lübeck vorbeischauen!

Jenny